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19.11.2011 14:00 — Jan Amstutz

Otaku – über einen Modebegriff

Wir wissen natürlich alle, was Otakus sind: Sie sitzen zu Hause herum, sammeln Games, Mangas, Animes und am Wochenende versammeln sie sich alle auf einer Messe und wuseln mit süßen Cosplay-Kostümen herum. Genau wie wir Nerds, nur ausgeflippter halt!

Wirklich?

Der Begriff Otaku hat sich besonders in der amerikanischen Nerd-Kultur und Gamer-Szene längst zum Kultwort gemausert. In Japan hingegen bewirkte die Benutzung des Wortes lange ein etwas flaues Gefühl. Man verband (und verbindet damit teilweise immer noch) sehr stark das Klischee der erwachsenen gewordenen Verlierer. Die Bedeutung von Otaku ist Haus oder Wohnung. Vielleicht sehen deshalb viele Japaner beim Auftauchen des Wortes stets vor sich einen über- oder untergewichtigen Mittdreißiger, eingeschlossen in einem mit Poster zugeklebten und Figuren zugestellten Zimmer. Der Stereotyp also, den man sich unter dem Begriff vorstellt.

Die Besucher der 77. Comiket (Winter 2009) in Tokio, aufgeteilt nach Geschlecht. Entgegen dem weit verbreiteten Klischeebilds des männlichen Otakus kommen Forscher meist zum Schluss, dass Frauen rund die Hälfte der Otakus ausmachen. Innerhalb der Otaku-Szene gehen die Interessen jedoch erneut stark auseinander.

Interessanterweise hat der Umgang mit dem Wort Otaku im Westen auch in Japan eine gewisse Veränderung bewirkt. Heute ist vielen Japanern bewusst, dass man bei uns mit dem Begriff nicht nur Negatives verbindet. Vielleicht wurde diese Erkenntnis verstärkt durch die Begeisterung und das Interesse vieler westlicher Besucher für Videospiele und Mangas. Sicherlich grenzen sich die meisten Japaner noch immer bewusst vom Otaku-Begriff ab und wollen nicht so wahrgenommen werden. Trotzdem trifft man auch ab und zu Leute, die sich offen und in manchen Fällen – zumindest Ausländern gegenüber – sogar mit einem gewissen Stolz als Otakus bezeichnen.

Das amerikanische Manga- und Anime-Magazin Otaku USA erscheint seit 2007 alle zwei Monate.

Nun soll es aber in diesem Beitrag nicht hauptsächlich um die Otakus an sich gehen, denn das meiste davon dürfte Euch schon bekannt sein. Vielmehr werde ich mich mit einigen Untergruppen der Otaku-Kultur befassen. Ich möchte jedoch darauf aufmerksam machen, dass man diese Unterteilungskategorien nicht etwa als Gruppierungen oder in sich geschlossene Subkulturen wahrnehmen sollte. Eher handelt es sich dabei um Beschäftigungen, denen manche Otakus nachgehen. Auch den Begriff Otaku selbst sollte man jedoch keinesfalls als geschlossene Gruppe betrachten. Genau wie beim Nerd-Begriff liegt das Ganze im Auge des Betrachters und kann nicht klar definiert werden. Es gibt Leute, die von allen als Otaku angesehen werden, sich jedoch selbst nicht als solchen verstehen. Auch werden heute manchmal auch Interessengruppen, die viel Zeit abseits der klassischen Otaku Tätigkeiten zu Hause verbringen als Otakus bezeichnet.

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Seite 1: Otaku – über einen Modebegriff
Seite 2: Tetsudo Otaku
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Seite 4: Itasha
Seite 5: Gunji Otaku
Seite 6: Wota und Idol Otaku
Seite 7: Lolicon

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Kommentare

Bild von mobby

Interessanter Artikel. Ich hatte mal eine Dokumentation gesehen, in der es um Miniatursachen ging. Da konnte man sehen, was einige Japaner noch so alles in dieser Richtung sammeln. Das konnten Figuren von Tieren und alles mögliche sein. Es gab auch einen Herren, der hat traditionelle Miniaturhäuser gebaut.

Bild von cloud1429

Klasse Artikel und auch gut geschrieben.
Schade finde ich nur, dass Gouverneur Ishiharas Regierung übertrieben auf dieses Medium reagiert.
Wäre klasse wenn ihr mal darüber einen Bericht schreiben könntet.

Davon, dass man Kinderpornographie verbieten wollte und die Regierung die Animebranche verraten hat, indem sie den Gesetzestext nochmal schnell geändert haben. Nun gibt es eine Hexenjagd gegen Animes und Mangas aber es ist noch legal Kinderpornos zu besitzen.
Zu allem übel verdient Ishihara noch Geld damit, Vergewaltigungsromane zu schreiben, macht aber eher Mangas und Animes verantwortlich. Besonders gefallen hat mir noch, dass Ishihara meinte, der Tsunami wäre göttliche Gerechtigkeit gewesen, weil die Japaner ihre Kultur vergessen.

Naja, ich will den Bericht nicht schreiben^^ Außerdem wäre er auf keinen Fall neutral sondern gegen die Regierung Tokio´s. Jedenfalls wäre es klasse wenn ihr mal dieses Thema aufgreifen würdet.

Bild von Hohenheim

Otakus ftw xD

Bild von DonCurrywurst

Sehr interessanter Artikel, gefällt mir richtig gut.

Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie man in einer sehr strengen Kultur, in der die persönlichen Bedürfnisse erst einmal nach hinten gestellt werden müssen (ist bei uns auch nicht anders. Uns wird suggeriert, dass wir andere Interessen haben müssen), die Personen, die nichts von diesem System halten, sich also umso stärker in ihre Hobbys flüchten.

Jan Amstutz schrieb:
Auch wenn mir die Vorstellung etwas schwerfällt, wie man an nackten Manga-Charakteren beim Geschlechtsverkehr Gefallen finden kann...

Pornographische Bilder haben in der Geschichte des Menschen immer schon gefallen gefunden, da diese auch die Phantasie angeregt haben und daher finde ich diese Entwicklung völlig natürlich und sehr einfach nachvollziehbar. Was ich auf der andere Seite nicht verstehen, ist welche kranken Wege die westliche Pornoindustrie geht. Durch diese hat sich in der asiatischen Kultur mittlerweile eine psychische Krankheit entwickelt, bei der der Erkranke glaubt, sein Penis würde nach innen wachsen (kein Scherz). Es handelt sich dabei um eine sehr schwerwiegende Krankheit.

PS: Wenn wir grad beim Thema sind xD : Viele Männer mögen beispielsweise, wenn Frauen miteinander rummachen...kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

In Soviet Russia, Tager Crushes you!

Zeldas Wiegenlied...so schöne Version ;_;

Bild von Baran

Sehr interessanter Überblick.
Ich hätte vor allen Dingen nicht gedacht, daß die japanische Presse ähnlich uninformiert oder unreflektiert berichtet wie die z.B. deutsche, wenn es um negative Verbindungen zu Otaku-Themen bzw. deren Anhängern gibt.

Bild von GaiaGuardian

Clannad ist keine Ab 18-Visual Novel. Es ist ab 0 Jahre freigegeben und bietet keine pornografischen Inhalte.

Visual Novels und Erogames haben im allgemeinen einen ziemlich schlechten Ruf und das finde ich schade. Natürlich gibt es auch einiges krankes Zeug (und damit meine ich noch nicht mal Lolicon) aber viele Erogames gehören zu dem anspruchsvollsten was die mediale Erwachsenenunterhaltung (kann man das so sagen?) zu bieten hat. In vielen Erogames sind die Sex-Szenen einfach nur ein Teil der Entwicklung einer Liebesbeziehung zwischen 2 Charakteren und machen nur einen sehr kleinen Teil der Storys aus (zwischen 2-5%) die dadurch aber,was die Darstellung dieser zwischenmenschlichen Beziehungen betrifft, sehr realistisch wirken. Viele Erogames haben unglaublich komplexe und emotional Storys. Ich lese seit kurzen auch Visual Novels und bei einem bekam ich tatsächlich feuchte Augen (Natsuyume Nagisa).Bei einem anderen wiederum hatte ich einen dicken Kloß im Hals (KiraKira). Erogames können abseits der Erotik also genauso emotional berühren wie es Bücher, Filme und natürlich auch normale Games können.
Natürlich gibt es auch Games, die mehr Wert auf die erotischen Inhalte legen aber trotzdem die Story und die Entwicklung der involvierten Charaktere nicht vergessen.

Höre immer auf dein Herz, denn es hat immer recht!

Bild von Jan Amstutz

Danke

@DonCurrywurst: Ja. Kann dem eignetlich nichts hinzufügen.
@GaiaGuardian: Du hast natürlich recht. Ist bereits korrigiert. Ayu und Nagisa sehen sich viel zu änhlich. ;P

Ich lese selbst gerne Visual Novels, manche davon sind Mist und manche sind richtig genial. Wie bei allem. Leider ist ihr Ruf auch in Japan ziemlich mies, wie im Doujin Games Artikel auch schon beschrieben.

Wie es auch im Artikel steht, gibt der letzte Teil über Lolicon vor allem meine persönliche Meinung wieder. Vielleicht werde ich dieses Thema ein andermal aus etwas sachlicherer Perspektive noch ein Mal angehen.

Bild von Zipangu

Schaut euch die französische Doku Oktaku mal an.....

Bild von Lofwyr

Stimmt. "Otaku" ist eine tolle Doku. Für Kenner der Materie ist es auch eine Zeitreise da sich ja inzwischen eine Menge verändert hat. Toller Artikel übrigens.

Lolicon ist echt so eine Sache. Nachvollziehen kann ich es nicht aber so geht es mir auch bei Torture Porn (Saw und Co.). Allerdings bin ich der Meinung besser virtuell als echt. Schwieriges Thema das schnell in Geflame endet.

P. S.: Die Tetsudo Otaku kennt man ja auch als Trainspotter in unseren Breiten.

Bild von Franz Zwerschina

Geiler Bericht ... da weiß jemand wovor er spricht :)

o-ton: Oto-tetsu nehmen die Geräusche der Züge auf
Ekiben-tetsu spezialisieren sich vor allem auf die O-Bentos (Lunchboxen), die es in den Zügen zu kaufen gibt.

... find isch lustig

Bild von Seska1973

Ja, diese Tetsudo Otaku haben wir auch. Die fahren sogar Kreuz und Quer durch ganz Deutschland nur für Fotos. Z.b. in den neuen Bundesländern schwärmen Sie von Weichen, Lampen und Eisenbahnen aus den alten Kohle und Dampf Zeiten der Eisenbahn..lok-land-home *wink mit dem link* :)

Bild von captain carot

Lustig ist doch, vieles ist eigentlich gar nicht so viel anders als hier. Zugfanatiker kenne ich auch. Manche davon grasen immer noch stillgelegte Strecken nach interessanten Überbleibseln ab, z.B. am Besten möglichst alte Bahn-Fernmelder, andere machen Fotos von interessanten Loks.
Gleiches Spiel bei der NATO-Airbase in der Nähe. Regelmäßig hängen Flugzeugfreaks in der Nähe rum und warten darauf, interessante Flugzeuge ablichten zu können. Und wenn die Antonow AN-225 Mrija mal landet könnte man bei manchen meinen, ihnen geht einer ab.
Firgurensammeln ist hier vllt. weniger wichtig, aber eine ausreichend große Szene gibt es trotzdem. Und in der haben sich die japanischen Modellfiguren auch seit den Neunzigern einen guten Ruf erarbeitet.

Was Lolicon angeht: Ich will es weder verteidigen noch verurteilen. Fakt ist allerdings, dass sich, wegen anderer Gesetzesregelungen eher auf´s Netz bezogen, aber auch im Westen eine entsptechende Szene ausgebreitet hat. Lolicon ist aber auch in westlichen Ländern teilweise legal. Ebenso sind soweit ich weiß bis heute in den USA echte Fotomagazine oder Webseiten von Kindern mit sehr wenigen Textilien legal. Der große Gegensatz zu Japan ist da wohl eher, dass man sowas in westlichen Ländern nur in keinem Laden sieht, existieren tut´s trotzdem.

Gib einem Mann Feuer, und er hat es einen Tag lang warm. Steck ihn in Brand und er hat es warm für den Rest seines Lebens.

Lesen ist eine intelligente Methode, sich selbst das Denken zu ersparen.

Commander Jeffer: Ich scheiß mir gleich Hosen

Bild von Watanuki

Find den Artikel Cool. Das auch Japanische medien zum teil keine ahnung haben hat mich überrast. & das Hentai zeugs so verbreitet ist find ich auch überaschend & Traurig. Dieser Artikel weckt auch schöne Erinnerungen an die Zeit als Anime für mich noch das gröste war. Heute ist das anders, Ich bin eher ein Otaku wens ums Snowboarden geht. Aber ganz wird mir die freude an Anime wol nie vergehen. Ausser der Markt im deutschsprachigen Raum wird wieder so klein wie 1995, früher war eben doch nicht ales besser :-)

Schöner Artikel, der mich wieder etwas mehr über die japanische Kultur gelehrt hat, die ich sehr interessant finde, weil sie einfach so verdammt eigen ist :D

Ich habe mal in einer Doku gehört, dass in Japan Mädchen und Jungen bis zum 18. Lebensjahr kaum Kontakt zueinander haben, da sie in der Schule stärker getrennt sind als es bei uns der Fall ist und auch nur wenig Freizeit haben, weil der schulische Drill so hart ist.
Dadurch kann ich mir zumindest zum Teil die große Hentai- und Loliconentwicklung und deren Lolita-Fixierung erklären, wenn Interaktion mit dem anderen Geschlecht und Sexualität bei Kindern und Jugendlichen so unterdrückt wird.

Bild von Vedek Sve

Danke für den interessanten Artikel. Wieder was gelernt.

Bild von captain carot

@ameisenmann: Lolicon würde ich nicht mal als groß ansehen. Hentai dürfte zeitenweise auch wegen der Gesetzgebung in Bezug auf Pornographie so außergewöhnlich erfolgreich gewesen sein, hat aber seinen weltweiten Siegeszug schon längst hingelegt.

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Commander Jeffer: Ich scheiß mir gleich Hosen

Bild von CycloneFox

Yay das Clannad Bild bei der News-Vorschau ist wirklich ultra-niedlich.^^

@GaiaGuardian: Im Bezug auf Clannad hast du nur fast Recht. Tatsächlich startete Clannad wie viele andere heute bekannte Anime und Manga Geschichten erst auf dem pornografischem Weg. Es ist in der Tat leider häufig so, dass sich aufgrund mangelnder Geldgeber solche Figuren erst in Ab-18 Visual Novels behjaupten müssen, bevor sie mit genug Beliebtheit in den Jugendfreien Sektor kommen und richtig bekannt werden.
Bei Clannad war es so, dass es als PS2 Spiel startete, dass dann so beliebt wurde, dass es anschließend noch mal in allen Altersstufen und auf mehreren Plattformen neu herauskam und später sogar von Toei Animations als Motion Picture verfilmt wurde. Noch später folgte dann gottseidank die Neuauflage des beliebten Animes als zunächst 24-teilige TV Serie von Kyoto Animation (<3), die dann später durch diverse extra-Folgen (Prequels und parallele Realitäten) und eine zweite Staffel ~After Story~ ergänzt wurden. Ich bin ein riesen Fan der Neuauflage.^^

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