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21.08.2011 13:00 — Daniel Hecht

Namco-Bandai nutzte die Gamescom, um den neuen Renderstreifen Tekken: Blood Vengeance zu promoten und gleichzeitig im Cinenova-Programmkino in Köln die deutsche Premiere mit zahlreichen Fans zu feiern. Zusammen mit Nina, M!atthias und Freundin haben wir uns den Streifen dank VIP-Tickets (nochmal dickes DANKE an Matthias!) am gestigen Abend ebenfalls angesehen.

Organisatorisch war der Abend leicht chaotisch: Dank einiger kostenloser Sitze (abseits der VIP-Ticket verwöhnten Fans und Journalisten) war bereits die Eingangshalle proppevoll. Leider scheint nicht jeder mitbekommen zu haben, dass Tekken: Blood Vengeance ab 16 ist – die Passkontrolle kam dementsprechend nicht ganz so gut an.

Alle anderen waren jedoch bester Laune: Freies Tekken T-Shirt, Popcorn und Softdrink sei Dank. Der Film selbst mag sicher nicht jedermann interessieren, das Line-up im Hintergrund sollte jedoch jeden Anime- und Videospiel-Fan hellhörig werden lassen: Dai Sato kennt man von Ghost in the Shell und der animierten Halo-Verwurstung Halo Legends sowie dem Philosophie-schweren Ergo Proxy und Samurai Champloo.

Produziert wurde der Streifen von Digital Foundry (Resident Evil: Degeneration, Appleseed), die musikalische Untermalung übernahm Hitoshi Sakimoto (Tactics Ogre, Ogre Battle, Final Fantasy Tactics, Valkyria Chronicles 2), einer der größten, japanischen Game-Komponisten.

Spoilern werde ich an dieser Stelle nichts, nur eine kleine Kritik: Es kommen viel zu wenige Charaktere aus der Serie vor! Zumindest werden die gezeigten Stars gut charakterisiert und verrichten ihren Job als Träger des Films – dennoch habe ich einige Klassiker wie Paul, Law oder Hwoarang vermisst, welche ohne Probleme in das High-School-Setting des Films gepasst hätten, und sei es nur als Sidekick. Schade!

Apropos High-School-Setting: Lasst Euch vom Untertitel "Blood Vengeance" nicht allzu sehr blenden! Über die gesamte Länge des Films wird vor allem "High-School-Action" im bekannten Manga- und Anime-Format geboten - düstere Action-Szenen machen nicht den Hauptteil des Films aus. Dazu kommt natürlich der Panda von Xiaoyu, der erstaunlich viel Fläche im Film einnimmt - übrigens tatsächlich lustiger als gedacht ;-)

Außerdem ein großes (zumindest für mich persönliches) Plus: Der Film lief auf japanisch mit deutschen (eher schlecht als recht übersetzten) Untertiteln. Die englische Sprachausgabe könnt Ihr in diesem Trailer hier vernehmen, eine deutsche Synchro konnte ich bislang nicht finden:

Allen voran Tekken-Fans sollten sich den grandios animierten Streifen trotz der zu erwartenden Story-Schwächen und einiger mieser Charakter-Gespräche nicht entgehen lassen - Spaß macht Tekken: Blood Vengeance allemal!

Die Blu-ray kommt übrigens zusammen mit Tekken Tag Tournament HD (dem aufgemotzten Klassiker) und Tekken Tag Tournament 2 Prologue (dank abgespeckter Kämpferanzahl und wenigen Arenen kaum mehr als eine Demo) unter dem Titel Tekken Hybrid für die PlayStation 3 in den Handel. Ein seltsames Paket, welches jedoch nicht zum Vollpreis angeboten werden soll - eine endgültige Preisempfehlung wurde aber selbst im Entwickler-Interview auf der Kino-Bühne nicht genannt.

Die "Voll"-Version von Tekken Tag Tournament 2 ist weiterhin für 2012 geplant.

Zum Abschluss noch der aktuelle Trailer zu Tekken Hybrid:

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20.07.2011 16:25 — Daniel Hecht

Es ist düster. Nein, das ist so nicht richitg. Es ist pechschwarz. Ich sehe nichts, nicht einmal die Silhouetten meiner eigenen Hände. Der Duft von Desinfektionsmittel reizt meine Nase. Harter, stählerner Untergrund bohrt sich in meinen Rücken. Eigentlich dürfte mein durch einige Nuyen cybernetisch verbessertes Rückrat nicht schmerzen - schließlich befinden sich kaum mehr menschliche Fasern auf der Rückseite meiner Körpers, nachdem dieser Bekanntschaft mit einem Taxi machen durfte.

Wohlgemerkt nach einem zehn Meter tiefen Fall aus einem Bürofenster einer kleinen Arkologie der Proteus AG in mitten von Seattle, nachdem mir mehrere Drekheads von Bodyguards den Arsch mit Blei durchsiebt hatten. Erinnerungen an Splitter, an Blut, das Geräusch des Aufschlags. Rücken sagt "Hallo!" zum Asphalt. Asphalt freut sich und schlägt zu. Gute, alte Freunde!

Shadowrun and MEEs ist ein Wunder, dass ich überhaupt noch lebe. Obwohl ich nicht viel auf den Begriff "leben" gebe. Die ausfahrbaren Stahlklingen in meinen Unterarmen, die Reflexbooster, die kleine, unter meinem dichten, schwarzen Haar kaum sichtbare Datenbuchse und mein verdammtes Rückrat haben einen Status, den man nur schwer mit "Leben" in Verbindung bringen kann. Ich bin ein Runner... und liege in einer Leichenhalle, zusammen mit vielen meiner Ex-Chummer und dem Stahl in meinem Körper.

Whites Hirn wurde durch schwarzes Eis geschmort wie ein Steak. Peppys Gesicht machte Bekanntschaft mit dem Asphalt, nachdem sein Rigger-Bike bei 150 unter seinen Beinen wegrutschte. Meine "Ex" Johanna bekam Besuch von zwei blonden Troll-Brüdern - zwei gebrochene Arme und eine zertrümmerte Nase hat die Gute zwar nicht verdient, aber der Betrug an mir selbst relativiert zumindest die Nase. Nicht jedoch den finalen Kopfschuss.

Ich trete die Klappe zu meinen Füßen mit selbigen auf, stoße mich von der hinteren Wand ab und ignoriere die Schmerzen, welche durch meine Schultern zucken. Die Bahre rollt wie geschmiert über die Schienen, ich schieße hinaus ans Licht. Plötzlich bin ich draußen, raus aus dem Loch. Der Geruch von Desinfektionsmitteln begrüßt mich in einer modernen Krypta. Doc Morris scheint nicht im geringsten überrascht und grinst mich verschmitzt an. "Ein ganz schön langer Weg zurück aus der Hölle, nicht?" Und danach, als wäre es ihm unangenehm: "Willkommen zurück!"

1W6 und 'ne Menge Karma

So (oder ähnlich) beginnen viele Geschichten im Reich von Shadowrun, einem "Pen & Paper"-Rollenspiel. Es sind Geschichten, bei denen ich selbst heute aufgrund ihrer juvenilen "Wir sind so cool wie Runner!"-Art grinsen muss. Aber wenigstens haben wir uns damals mal abseits der Glotze treffen können - die eigene Fantasie punktet immerhin mit der wohl stärksten Grafik und kommt zudem (auch ohne teure TV-Apperaturen) in Full HD... wenn man denn kreativ genug ist.

Rollenspiele waren für mich damals noch eine verrückte Welt. Spielen mit Papier und Würfeln? Werte ausrechnen, Charakterbögen ausfüllen und Karma nachhalten? "Würfel mal mit 2W6, um zu sehen, ob du die Tür auftreten kannst!" Hörte sich verdächtig für einen Job für die Mental-Politesse an. Aber es steckt doch EINIGES mehr dahinter. Während "trockene" Fantastereien wie Das Schwarze Auge eher weniger Einfluss auf mich hatten, blühte ich im von Magie und Cyberprothesen durchsetzten Asphaltdschungel von Shadowrun regelrecht auf.

GrimoireWas mir auch gleich den wenig geliebten Job eines Spielleiters einflößte. Ich erzählte die Geschichte, wachte über das Schicksal meiner Freunde... und ihrer Feinde. Verkörperte NPCs und Drachen. Um die Story kurz zu machen: Die Welt ist erwacht!

Die Magie ist zurückgekehrt und verwandelte Menschen in Trolle, Zwerge, Orks und Elfen. Sie brachte Drachen getarnt als Geschäftsmänner zurück an die Oberfläche und sorgte dafür, dass die einst unterdrückten Völker der Welt zu neuer Stärke fanden. Ebenso wie die Megakons, riesige Konzern-Zusammenschlüsse die ihre eigenen Ziele verfolgen und politisch autonom agieren können.

Außerdem wäre da noch die "Matrix", ein faszinierender, virtueller Ort und lange vor der Verfilmung präsent. Critter wie der gigantische Megalodon, Chimären, Teufelsratten und Zentauren. Moderne Waffen wie Schrotflinten, Maschinengewehre und Drohnen gesellten sich zu Astralreisen und magischen Sprüchen wie Feuerball, Gedankenkontrolle und Co. - die Mixtur ist bis heute exquisit und wird zumindest in den vielen, erhältlichen Regelwerken von einer extrem starken, künstlerisch-visuellen Seite begleitet. Cyberpunk. Dystopie. Geprägt von Gewalt und düsteren Aussichten.

Wer mal in das Pen & Paper-Rollenspiel hineinschnuppern will,  besorgt sich am besten eines der aktuellen Regelwerke. Hier ein Link zu amazon.de - mit knapp 30 Euro sind die dicken Wälzer zwar nicht billig, dafür sehr ausführlich und besonders für Spielleiter unverzichtbar.

Shadowrun und seine Videospiel-Eskapaden

Kommen wir endlich zum den gleichnamigen Videospielen, welche neben der bekannteren Version für das Super Nintendo später noch als eigenständige Mega Drive-Version und sehr viel längere Zeit später exklusiv als Ego-Shooter-Reinkarnation für Xbox 360 und PC erschienen - dort übrigens einer der wenigen Titel, die PC-Spieler und Konsolenzocker unter dem Live Anywhere Logo zusammen im Mehrspieler gegeneinander antreten ließen. Und definitiv einer DER Titel, welche die größte Fan-Wut seit Star Wars Episode 1 ausgelöst hat - das Spiel wurde regelrecht vernichtet. In den Boden gestampft.

Der Grund? Nun, zum einen prägte FASA Interactive das Spiel mit dem neuen Comic-Stil, der schon das Anfang vom Ende für die oben beschriebenen Regelwerke bedeutete. Anstelle düsterer Charaktere und fieser Mobster sehen die neuen Trolle, Zwerge und Elfen aus wie eine verzweifelte Mischung aus japanischem Manga-Stil mit Donald Duck und Co.

Geschmäcker mögen verschieden sein - aber viele Runner wendeten sich angewidert von ihrem versofteten Spieletraum ab, der darüberhinaus mehr auf gängigen Team-Shooter Mechaniken setzte, als den Rollenspielcharakter der Serie in den Vordergrund zu stellen.

Außerdem erschien Shadowrun 1996 (als letztes Spiel!) auch für das Mega CD - der Titel schaffte jedoch nie den Weg in den Westen und blieb mit seinem Manga-Stil Japanern vorbehalten.

Shadowrun Mega CD

Frisch aus der Leichenhalle: Jake Armitage

Den Fokus will ich hier auf die SNES-Version setzen - im übrigen auch die einzige Version, welche ich selbst gespielt habe. Aufgrund mangelnder Englisch-Kenntnisse anno 1994 nichtmal sehr weit - die Sprachbarriere sorgte bei meinem früheren Ich noch für viel Frust und Unverständnis. Viele Spieler schwören auf die Mega Drive-Version - ich tippe auf ein letztes Überbleibsel der alten "Nintendo vs Sega"-Grabenkämpfe. Was ich bis jetzt über YouTube von der Mega Drive Version gesehen habe lässt mich jedenfalls stark daran zweifeln, dass DIESE Version besser sein soll (hier ein Beispielvideo).

Rigger HandbuchProduziert von Beam Software und vertrieben von Data East beginnt die Super Nintendo-Version wie meine kurze Einleitung in einem Leichenhaus - zumindest für die damalige Zeit noch ein Ort, an dem eher weniger Videospiele ihren Anfang fanden. Spontan fällt mir nur noch Legacy of Kain: Blood Omen als Spiel ein, indem sich der Held zuerst aus seinem eigenen Grab befreien muss - aber vielleicht könnt Ihr mir da auf die Sprünge helfen ;-)

Als Jake ("Where am I? Who am I?") Armitage versucht Ihr im Laufe des Abenteuers Eurem Gedächnis auf die Sprünge zu helfen. Das heißt im Wesentlichen: Ihr klickt Euch durch zahlreiche Gesprächsoptionen um bestimmte Schlüsselwörter zu erlernen, welche Euch dann neue Gesprächsoptionen eröffnen. Nebenbei bewegt Ihr Euch durch die isometrische Landschaft und schickt Eure Feinde per Fadenkreuz und kultigen Ballersounds über den Jordan. Im späteren Geschehen heuert Ihr weitere Runner an, welche Euch im Kampf unterstützen und hackt Euch in einem Minispiel durch diverse Abschnitte der Matrix.

Zu Euren treuesten Freunden gehören jedoch nicht die werten Runner-Kollegen, sondern ein Hund... oder besser: ein schamanistischer Formwandler, der Euch gleich zu Beginn das Leben rettet. Dessen Identität und der Kampf gegen Oberfiesling "Draco" (...dessen Name schon auf den Endkampf hindeutet) setzen die Grundpfeiler der Geschichte.

Absolut fantastisch war auch die kultige Hintergrundmusik von Shadowrun - das Titelthema schallt heutzutage noch durch meine Ohren.

Bits in Buchstaben

Wer keine Lust auf das Spiel hat, der sollte sich die zugrunde liegende Geschichte mal in ausformulierter Form ansehen. Das Buch hört auf den Namen "Laß ab von Drachen" (im Original "Never deal with a dragon") und wurde von Robert N. Charrette verfasst - die Meinungen dazu schwanken jedoch zwischen "Grandios!" bis "Langweilig!".

Wo wir gerade von Büchern reden: Neben den Videospielen gibt es EINIGE Bücher zum Thema, von denen ich Euch vor allem die Klassiker von Nigel Findley wärmstens ans Herz legen kann. Darunter zum Beispiel 2XS, Der Einzelgänger, Schattenspieler und Haus der Sonne. Außerdem sehr interessant ist der Deutschland in den Schatten Zyklus von Hans Joachim Alpers (niemand geringeres als einer der Erfinder von Das Schwarze Auge und Mitbegründer von Fantasy Productions, Anfang diesen Jahres verstorben im Alter von 67 Jahren). Die drei Bücher hören auf die Namen Das zerrissene Land, Die Augen des Riggers und Die graue Eminenz.

Wer mit dem Rollenspiel nichts anfangen kann, der findet dort vielleicht einen etwas leichteren Zugang in die Materie.

Shadowrun SNES

Wie Ihr eventuell schon gemerkt habt: Diesmal gibt es keinen bestimmten "Moment" den ich mit Shadowrun verbinden kann. Es war sicher meine erste Begegnung mit dem Genre und ging weit über das Spiel hinaus. Im Keller oder im Garten mit Freunden hocken und durch die Schatten rennen. Die Bücher verschlingen. Verzweifelte Versuche die Sprachbarriere des Videospiels zu meistern. Wenn ich es mir genau überlege: Ich muss nochmal ab in die Schatten tauchen und dem Spiel eine zweite Chance geben.

Vielleicht kommt Ihr ja mit. Als Rigger oder Straßensamurai mit einer gigantischen Vindicator-Minigun. Als Schamane oder Decker. Wir sehen uns!

PS: Die Anschaffung des Original-Moduls wird heutzutage nicht billig - auf eBay kursiert der Titel von 30 bis 60 Euro aufwärts. Glücklich sind diejenigen, welche das Spiel noch besitzen sollten.

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12.07.2011 12:15 — Daniel Hecht

Um Nobuo Uematsu führt musikalisch aktuell kaum ein Weg vorbei - eigentlich Schade, denn dank der immer schneller voranschreitenden Mutation zum Superstar klingt mein persönliches Interesse an seiner Musik kontinuierlich ab. Ein Phänomen, welches dem Wort "Superstar" und mehreren Jahren Dieter Bohlen geschuldet sind.

Nicht dass man Bohlen und Uematsu in einen Korb werfen könnte - da liegen dann zum Glück noch immer (virtuelle) Welten dazwischen. Aber wenn ich mir die Anzahl der Fans anschaue - allen voran die epische Schlange an Autogrammjägern, welche am vergangenen Samstag bereits am frühen Nachmittag die Kölner Philharmonie belagerte.... dann vergeht mir persönlich ein wenig die Lust auf den ins Licht der Welt gezerrten und verspielten Musik-Zirkus. Dabei glänzen die Stücke von Uematsu für mich persönlich eigentlich erst im Stillen, im persönlichen Umfeld.

Uematsu Autogrammstunde

Ihr seht schon: Ich war nicht ganz zufrieden mit den Symphonic Odysseys. Einem immerhin knapp zweieinhalb stündigen Konzert des WDR Rundfunkorchesters und des WDR Chors (48 Sängerinnen und Sänger), stilecht im Takt gewedelt von Arnold "Arnie" Roth (dem wohl bekanntesten Dirigenten für Videospielmusik weltweit). Ebenfalls mit dabei war Benyamin Nuss, der mit seinen 23 Jährchen das Piano beherrscht wie... nun ja, zumindest wie kaum ein Mensch in dem Alter, den ICH persönlich kennen würde.

Vor kurzem war Benyamin noch auf eigener "Benyamin Nuss plays Uematsu" Tour, jetzt durfte sich der aufstrebende Klimperstar (den Uematsu persönlich mittlerweile ins Herz geschlossen hat) zusammen mit dem gigantischen Orchester und dem Chor in Mitten der Kölner Philharmonie beweisen.

Der Ablauf des Konzertes war gegliedert in mehrere Ausflüge in bekannte Uematsu Versoftungen, hier nochmal der genaue Fahrplan:

Final Fantasy
I. Grave - Allegro
II. Adagio cantabile
III. Allegro molto

King's Knight
A Pretty Day Out

Kölner PhilharmonieChrono Trigger
Silent Light

The Final Fantasy Legend
The Final Fantasy Legend II

Final Fantasy X
A Fleeting Dream

KURZE PAUSE

The Last Story
Spreading Your Wings

Final Fantasy XIV
On Windy Meadows

Blue Dragon
Waterside

Lost Odyssey
I. Prologue (Main Theme)
II. A Formidable Enemy Appears!
III. A Sad Tolten
IV. Dark Saint
V. Light of Blessing - A Letter
VI. Epilogue (Main Theme Reprise)

Zugabe
Final Fantasy X Ending Theme II.
Final Fantasy VII
(Mischmasch aus Those who fight / FF VII Battle theme, J-E-N-O-V-A, One-winged angel, Birth of god,.... Fehler vorbehalten ^^)

Bevor ich jetzt mit dem Kritikhammer aushole, möchte ich an dieser Stelle dennoch sagen, dass wirklich JEDER Fan von Spielemusik einmal auf so ein Konzert gehen sollte. Für mich persönlich war es bereits der vierte "Live"-Ausflug in virtuelle Musikwelten - vor mehreren Jahren durfte ich in Leipzig das famose Video Games Live Konzert erleben, danach folgte das bereits angesprochene Benyamin Nuss plays Uematsu in der Tonhalle Düsseldorf (wohlgemerkt nicht in der Tonhalle selbst, sondern einem eher lausigen Hinterzimmer), sowie erst kürzlich in Leverkusen auf dem Computerspiel-Sounds live in Concert (hier nochmal der LINK ZU MEINEM BLOG-BEITRAG).

Mein größtes Problem mit den Symphonic Odysseys war, dass nur ein kleiner Hauch der Lieder mein persönliches Zockerherz anrühren konnte - und DAS muss man bei so einem professionellen Aufgebot an Musikern erstmal hinbekommen!

Fangen wir in der ersten Hälfte an: Die Final Fantasy Einleitung war nett, wenn auch nicht weltbewegend. Wie auch mein selbstgedrehtes Video - deswegen werde ich alle weiteren Videos lieber direkt von YouTube nehmen ;-)

Das darauf folgende King's Knight kennt hierzulande keine Sau, entwickelte sich aber schnell zu einem meiner persönlichen Highlights des Abends. Das Spiel selbst ist wohl eine der sehr wenigen Mischungen aus Vertikal-Shmup UND Fantasy-Setting aus diesen frühen Tagen der Videospiele, erschien jedoch nie in Europa. Neugierige surfen mal auf Wiki vorbei oder schauen sich den folgenden Clip zum Spiel an:

Mit Orchester und Chor im Hintergrund hörte sich das Ganze dann so an:

Weiter ging es mit Chrono Trigger und Silent Light. Während bei Chrono Trigger meine Augen aufleuchteten, verschlossen sich meine Ohren nach längerer Zeit gelangweilt vor der traurig-depressiven Interpretation durch den WDR Chor - wohlgemerkt NUR dem Chor, denn das Orchester wurde zum Schweigen verurteilt. Hätte man lieber Benyamin Nuss auf dem Piano durch die Corridors of Time gehetzt - aber da bin ich mir nicht sicher, ob diese auch von Uematsu selbst komponiert wurden.

Geschmäcker mögen verschieden, aber selbst Final Fantasy Legend 1 und 2, sowie A Fleeting Dream aus Final Fantasy X konnten mich vor der Pause nicht mehr wirklich aus der Langeweile reißen - meine Frau behauptet sogar kurz eingenickt zu sein. Dafür durfte sie mit unserem 3DS ihre Sammlung an Puzzleteilen und Bekanntschaften ERHEBLICH aufstocken ;-)

Das größte Problem des (gesamten) Konzertes: Die Song-Auswahl wurde scheinbar eher von Musikern, als von Gamern getroffen. Oder anders ausgedrückt: Wenn ich bei Indiana Jones oder Star Wars anstelle der Titelmelodie andere Teile des Soundtracks aufgetischt bekomme (die zwar ohne Frage sicher gut sind... aber eben vollkommen unbekannt), festigt sich wenig überraschend ein dickes Fragezeichen auf meiner Stirn.

Dies soll jetzt bloß nicht als Aufruf zu mehr bekannten Melodien verstanden werden (ein paradoxer Gedanke, hatte ich mich doch erst eben noch über "Superstars" beschwert). Aber ein paar bekannte Melodien oder "heitere" Arrangements hätten den Odyssen sicher besser zu Gesicht gestanden.

Uematsu und das WDR Orchester

Immerhin konnte die zweite Hälfte des Abends trotz seltsamer Moderation einigermaßen versöhnlich stimmen. Das Stück Spreading Your Wings aus The Last Story war fantastisch, der Auftritt von Final Fantasy XIV eher schlechte Werbung für das Spiel, Waterside aus Blue Dragon läuft angeblich auf Dauerschleife im Badezimmer von Uematsu selbst und die gut 20minütige Lost Odyssey Suite setzte einen extrem starken Schlusspunkt. Der Soundtrack von Lost Odyssey ist für mich persönlich auch eine Spur zu düster und depressiv - aber das kann man dem Spiel bei DER Hintergrundgeschichte ja schlecht vorwerfen ;-)

Das schwülstige Ending Theme von Final Fantasy X hätte man als Zugabe auch gut sein lassen dürfen. Die zweite Zugabe kam in Form eines wilden Arrangements diverser Final Fantasy VII Songs - da hätte man sich meiner Meinung nach lieber auf One Winged Angel konzentrieren sollen, welches dank des extrem starken Chors Potential nach weit, weit oben gehabt hätte. Schade!

Fazit: Ein schöner Abend, an dem mir einige Melodien von Uematsu einfach fehlten... und die weniger bekannten Lieder nicht ganz so mitreißen konnten, wie gehofft. Kudos jedoch für die tolle Lichtshow und die "Mütze" von Uematsu - so cool kommt einfach kein anderer Komponist daher ;-)

Zum Glück haben wir es nach dem Konzert noch aus der Stadt geschafft - immerhin waren für später am Abend die Kölner Lichter angekündigt. Ein Feuerwerk welches ganz Köln auf den Kopf stellt. Zum Glück hatten wir die frühere Veranstaltung erwischt, welche trotz der "Ausverkauft!"-Ankündigung noch einige freie Plätze geboten hat.

Der WDR hat das Konzert übrigens im Livestream übertragen, viele aktuelle Videos zum Event findet Ihr auch bei YouTube. Ich persönlich war mal so frei zwei eigene Videos hier einzubetten - das komplette Programm findet Ihr hinter diesem Link auf YouTube und hier auf WDR.de. Übrigens sollte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die passende CD zum Event erscheint - trotz einiger Kritik dennoch eine klare Kaufempfehlung ;-)

Link zur offiziellen Symphonic Odysseys Seite
Link zur Spendenaktion des Roten Kreuz (Japan-Hilfe)
Link zum offiziellen Twitter

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10.06.2011 14:00 — Daniel Hecht

Womit wir eigentlich gleich zwei Fehler in der Überschrift hätten. Schließlich sind Final Fantasy, Kingdom Hearts, The Legend of Zelda und Super Mario Galaxy sicher alles, aber keine Computerspiele. Dass sich dieser Begriff bei den älteren Herrschaften noch immer festgesetzt hat ist sicher kein Beinbruch, mir persönlich läuft es aber immer kalt den Rücken runter wenn ich Computerspiele höre. Noch schlimmer: Telespiele. Relikte aus grauer Vorzeit. Bäh!

Aber egal ob jetzt Comperspiel-Sounds oder Videospiel-Sounds, Leverkusen hat sich am Dienstag Abend dieser Woche als hevorragender Gastgeber herausgestellt. Das Bayer Philharmoniker brillierte unter der Leitung von Dirigent Stefan Klieme und gab folgende Symphonien zum Besten:

Destati, The Other Promise und The 13th Anthology aus Kingdom Hearts kannte ich persönlich nicht allzu gut, von einem Orchester umgesetzt waren die Songs jedoch bombastisch. Aus der Zelda Reihe wurden die Thems zu Death Mountain, Hyrule Field und Kakariko Village zum Besten gegeben - kurz vor der Pause gipfelte der musikalische Ohrenschmaus in der"A Link to the Past Suite". Besonders beim Kakariko Theme sah ich mich praktisch persönlich durch das kleine Dorf rennen und Hühnchen mit Grasbücheln beschmeißen... herrlich!

Nach der Pause ging es weiter mit Super Mario Galaxy, Songs die mir bis heute das Pippi in die Augen treiben vor Freude. Ja, selbst harte Zocker werden durch den richtigen Umgang von Geigen so sehr gerührt, dass so ein Konzert ähnliche Körperreaktionen hervorruft, wie Zwiebeln schneiden... nur um einiges schöner. Nach Luma & The Star Festival und dem famosen Walzer Rosalina in the Observatory setzte das Bayer Philharmoniker bei Egg Planet & Gusty Garden Galaxy einen treffen Endpunkt des kurzen Ausflugs in die Welt des plauzigen Klempners.

Das Finale verwurstete vier Songs aus diversen Final Fantasy Teilen - für meinen Geschmack etwas zu viel "Mainstream". To Zanarkand eröffnete die Final Fantasy Reihe, es folgten das grandiose Kampf-Theme Don't be afraid, das leicht schwülstige Theme of Love und zum glorreichen Abschluss das epische One-Winged Angel - hier fehlte nur noch der bekannte "Sephiroth!" Operngesang zur absoluten Perfektion.

Leverkusen Computerspiel-Sounds

Das Konzert war zwar nicht ausgebucht (es gab noch einige, freie Plätze), das Publikum jedoch war begeistert. Über 10 Minuten Standing Ovations und ein extrem lauter Schwall an Applaus, Pfiffen, Zurufen rührten das Bayer Philharmoniker scheinbar so sehr, dass der letzte Song gleich nochmal gespielt wurde. Danach bebte die Bühne vollends unter dem lauten Getrampel der Zuschauer - SO etwas habe ich noch nicht in solch einer Location erlebt.

Womit wir wieder bei der Überschrift wären: Leverkusen rockt! Einfach fantastisch! Oder wie meine Frau es passsend ausgedrückt hat: "Die best-angelegten 8 Euro meines Lebens." Word!

Wir waren so frei einige Videos aufzunehmen. Hier könnt Ihr Euch Kakariko Village, Egg Planet & Gusty Garden Galaxy und Don't be afraid nochmal selbst anhören.

Hinter diesem Link kommt Ihr zum Bayer Philharmoniker - ich hoffe stark, dass dies nicht das letzte Konzert dieser Art für die Jungs und Mädels war. Besonders in der Hinsicht, dass Leverkusen sicher alles andere ist, als eine Weltstadt für Videospielmusik. Chapeau!

PS: Sollte ein Spielemusik-Konzert in Eurer Umgebung stattfinden - geht hin! Dieser noch immer recht neue Zweig an Unterhaltung ist immer mehr im Kommen und verdient jegliche Unterstützung! Go Go Gamers!

PPS: Hier ein 14-Tage gültiger Download der Videos (bis zum 23.06.) inklusive einem kurzen, leider vergurkten Einblick in "Death Mountain": LINK LINK LINK!

Nina und Daniel beim Computerspiels-Sounds Concert in Leverkusen

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11.05.2011 16:58 — Daniel Hecht

Update: Nachdem das Erdbeben und der Tsnunami weite Teile der japanischen Nord-Ost-Küste verwüstet hatten, war der Bedarf nach weiteren Japan-Reiseratgebern wohl erstmal gedeckt. Daher entschieden wir uns, den Beitrag kurzfristig von maniac.de zu entfernen – ein Essensratgeber war wohl das Letzte, was man in diesem Zeitraum lesen wollte.

Meinen japanischen Bekannten geht es zum Glück allen gut – und soweit ich das vom fernen Deutschland aus beurteilen kann, geht auch in Tokyo mittlerweile wieder alles gewohnte Wege. Einzig der Tokyo Tower und die Rainbow Bridge leuchten nicht mehr ganz so hell – es wird eifrig Strom gespart. Japanische Business-Leute dürfen im kommenden Sommer sogar mal ihre Krawatten lockern, schließlich verheizen auch Klima-Anlagen massig Strom.

Trotz Tsunami, Strahlenkatastrophe und Erdbeben: Für meine Frau und mich ist Japan dennoch nicht abgehakt. Und – so hart es sich angesichts zahlloser, noch immer in Notlagern wohnender Japaner anhören mag - die Welt dreht sich weiter. Wenn Japans Bevölkerung in Hinsicht auf die Katastrophe eines gezeigt hat, dann wohl eines weltweit einzigartigen Optimismus. "Wir bauen es wieder auf!" ...so der Grund-Tenor vieler Betroffener.

Kurz: Ich will und werde mit meinen Japan-Geschichten und -Ratgebern weitermachen. Und – sobald wir es uns wieder leisten können – werden wir unsere Freunde in Japan wieder besuchen. 

Hier also der dritte Teil meines Japan-Ratgebers - geschrieben vor dem großen Beben...

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Nachdem wir uns in den ersten beiden Teilen des Ratgebers mit der Planung eines Japan-Urlaubes und den dortigen Fortbewegungsmöglichkeiten beschäftigt haben, widmen wir uns diesmal der kulinarischen Seite des Landes: Es wird Zeit, sich mal etwas zwischen die Kiemen zu drücken!

Viele Europäer lassen sich alleine aufgrund der japanischen Futtergewohnheiten von einer Reise nach Nippon abschrecken - andere fliegen genau deswegen dorthin. Wir zeigen, was besonders lecker ist, wo man preiswert schnabulieren kann und welches Bier am süffigsten ist. Kampai und Itadakimasu!

Ich habe rund 15 Stunden Flug hinter mir und bin endlich angekommen: Ich habe Hunger! Ich habe Durst!

Der Flug von Deutschland nach Tokio lässt Euch gute 15 Stunden in einem Flugzeug sitzen - wenn Ihr Pech habt, seid Ihr dabei eingepfercht wie in einer Sardinenbüchse. Da wird dem Magen nicht nur vom Fliegen selbst schummrig! An Bord der meisten Airlines gibt es kleine Versionen von Cup Noodles, die Euch auf Euren Asientrip einstimmen. Positiver Nebeneffekt: Auf Futtersuche im Flugzeug könnt Ihr Euch mal die Beine vertreten - bei zwölf Stunden Flug keine schlechte Idee.

Nach der Landung in Narita befindet Ihr Euch in einer anderen Zeitzone (sieben oder acht Stunden im Voraus), das Gepäck-Schleppen drückt auf den Kreislauf... selbst der Geruch der Luft um Euch ist so verschieden, dass Hungergefühle ganz hinten anstehen. Dennoch solltet Ihr Euch gleich am Flughafen was zwischen die Beißerchen klemmen - Auswahl gibt es genug! Noch wichtiger sind Getränke - lasst ordentlich Wasser durch Euren Körper zirkulieren! Denkt immer daran: Die Fahrt nach Tokio dauert von hier aus noch gut ein bis zwei Stunden - je nachdem, wo Euer Hotel liegt und wie Ihr Euch fortbewegt auch mal länger.

Die häufigste Ankunftszeit in Narita ist Vormittags - das heißt Euer Körper ist auf 2 oder 3 Uhr morgens gewöhnt, während um Euch herum die Sonne vom stahlblauen Himmel strahlt (in Japan ist der Himmel blauer als hierzulande!) und emsige Japaner Euch, den Ausländer (Gaijin), mit großen Augen anstarren.

Futtersuche

Euer erstes Ziel lautet also: Überlebt den Tag, so gut Ihr könnt. Geht nicht schlafen! Ich bin sicher kein Ernährungswissenschaftler, aber die Erkenntnis dass Ihr nach 15 Stunden Flug, guten 9000 Kilometern Luftlinie und dem Wechsel von mehreren Zeitzonen nicht gleich zur XXL-Portion Curry oder Sushi greifen solltet, diktiert (eigentlich) der gesunde Menschenverstand.

Noch einmal die dringende Warnung: Egal wie müde Ihr seid - ein zu früh angesetztes Nickerchen zieht sich gerne mal 8 Stunden lang... und wenn Ihr dann vollkommen verwirrt mitten in der Nacht aufwacht, dann ist auch der nächste Tag im Land des Lächelns für die Katz. Wer morgens ankommt, stellt sich auf den ersten, großen Tiefpunkt am Nachmittag ein - haltet Euch durch einen ersten Trip ins Unbekannte wach (etwa durch munteres Videospiele-Shopping in einer der großen Elektronikketten Big Camera oder Yodobashi Camera).

Futter-Kultur in Japan: Ein Überblick

Wer nach Japan reist, dem muss eines klar sein: Japaner LIEBEN Essen. Während wir Deutschländer (Würstchen) uns immer mehr am amerikanischen Vorbild orientieren ("nicht darüber nachdenken, einfach rein damit!"), hat Essen in Japan einen hohen, fast künstlerischen Anspruch. Das heißt natürlich nicht, dass der typische Japaner beim Essen tief in sich geht - besonders zur Mittagszeit wird auch dort um die Wette geschlungen (schließlich lässt der Job keine Zeit zur eifrigen Auslebung der Futter-Kultur). Aber die Idee vom "Essen" selbst ist beileibe nicht mit der hierzulande üblichen zu vergleichen.

Sushi in Tokyo

Frischer gehts nicht: Sushi am Tsukiji Fischmarkt. Präsentiert wie ein Kunstwerk.

Wenn Japaner in eine andere Stadt reisen, stehen dortige Gerichte meist auf Platz 1 der To-Do-Liste. Jede Region hat ihre Spezialität - auch für deutsche Touristen lohnt eine Probe der lokalen Snacks (und sei es nur, um vor den japanischen Kollegen damit anzugeben). Dieselben freuen sich übrigens sehr über mitgebrachtes Essen - solange Euch der Zoll keinen Strich durch die Rechnung macht, sind Futter-Präsente in Japan hochgeschätzt.

Eigenheiten gibt es nicht nur beim Essen, sondern auch bei der Präsentation des Essens: Restaurants stellen ihr Essen als Plastik- oder Wachs-Nachbildung in Vitrinen aus - diese seltsamen Nachbauten sehen dem Original erschreckend ähnlich und sind bei Touristen ein beliebtes Mitbringsel. Wer den Fachbegriff dafür sucht: Shokuhin Sanpuru!

Kurz: Japan zelebriert Essen in einer Form, wie sie uns hierzulande fremd erscheint.

Plastic Food

Plastic Food 2

Zu den bekanntesten Gerichten gehört natürlich Sushi - aber Ihr braucht Euch jetzt keine Sorgen machen, dass es in Japan NUR Sushi gibt (in etwa das gleiche Vorstellungsvermögen haben Ausländer beim Wiener Würstchen, unseren "kaasigen" Nachbarn oder den ausschließlich Pizza- und Nudeln-mampfenden Italienern). Selbst wenn Ihr Hunger auf Sushi haben solltet - die Preise in Japan lassen sich auf keinen Fall mit den total überzogenen Preisen hierzulande vergleichen.

Worauf Ihr Euch dennoch einrichten solltet, ist Reis. Jede Menge Reis. Reis ist DAS Grundnahrungsmittel in Japan und wird zu beinahe jedem Gericht serviert - Kartoffeln und Pommes gibt es nur in den eher westlich angehauchten Restaurant- und Fast Food Ketten.

Weißer Reis ist Japanern heilig, "Gohan" ist nicht nur das Wort für eine ganze Mahlzeit, sondern auch für gekochten, weißen Reis. Dragonball-Fans kennen das Wort durch den Namen des Helden Son-Gohan.

Gohan

Dementsprechend ist es nicht schicklich, Soya-Soße auf Reis zu tropfen - eine Unsitte, welche ich als Salz-Junkie entwickelt habe. Beim Sushi-Essen dippt man nur den Fisch in die Soya-Soße, der Rest bleibt außen vor.

Neben Reis gehört auch Miso Suppe zu beinahe jedem Gericht dazu: Die kleine Suppe besteht hauptsächlich aus Wasser, Miso-Paste (aus Soyabohnen), Algenblättern und Tofu-Blöcken - geschmacklich irgendwo zwischen "Schuh-Sohle" und "Ich hab beim Badewannentauchen was zwischen die Zähne bekommen!". Von Gewürzen verwöhnte Europäer fragen sich in den ersten Augenblicken nach dem Genuss einer solchen Suppe: "Was zum Geier soll der Hype?"

Gebt Euch selbst etwas Zeit - die Miso Suppe "wächst" tatsächlich und spätestens nach Eurem zweiten Japan-Aufenthalt wollt Ihr das leckere Süppchen auch hierzulande nicht mehr missen.

Viele Menschen bezichtigen Japan zahlreicher, kulinarischer Diebstähle... und Recht haben sie! Das selbst hierzulande immer beliebtere Ramen (große Schüssel mit Nudelsuppe) stammt ursprünglich aus China, zählt mittlerweile aber zu den "Wa-Shoku"-Gerichten. "Wa 和" ist das Zeichen für Frieden und Harmonie und steht gleichzeitig als Kürzel für "Japan". "Shoku 食" bedeutet "Essen". "Wa-Shoku 和食" bezeichnet dementsprechend die "typisch japanische Küche".

Neben Ramen wurde auch Curry japanisiert. Dieses kommt als recht milde Variante zusammen mit Reis auf den Tisch und wird traditionell mit dem Löffel gegessen.

Aufstehen! Raus aus den Federn! Frühstück!

Ein japanisches Frühstück besteht  aus folgenden Ingredienzien: Reis, Fisch, eingelegtem Gemüse, rohem Ei oder Omelett, Miso Suppe und... Natto. Letzteres sind fermentierte, also gegohrene Soyabohnen - geschmacklich sicher nicht jedermanns Sache. Ziehen sich wie schleimige Popel und riechen wie verfaulte Eier - sind aber angeblich sehr gesund.

Wem dies alles morgens auf den Magen schlägt, der sucht sich so schnell wie möglich eine westlich angehauchte Bäckerei (zum Beispiel "Vie de France") in der Nähe seiner Absteige. Ein Frühstück mit Croissants, süß gefüllten Teigtaschen und leckeren Baguettes hat zumindest uns an einigen Tagen sehr geholfen. Milch und Kakao gibt es in kleinen Tetrapacks - entweder gleich in der Bäckerei, oder im nächsten Conbini (kleiner Supermarkt).

Vorsicht: Teigtaschen sind nicht immer mit dem gefüllt, womit Ihr denkt dass sie gefüllt sind. Süße Vorstellungen gepaart mit Ketchup oder Curry können zum Desaster werden - informiert Euch lieber doppelt!

Kaffeetrinker haben in Japan zahlreiche Möglichkeiten: Beinahe jeder Getränkeautomat bietet diverse "Kaffee-Laborversuche in Dosen" an. Ketten wie Starbucks haben auch im Land des Lächelns viele Fans - kein Wunder, dass immer mehr Nachahmer aus dem Boden sprießen.

Frühstück!

Rülpsen, Furzen, Suppe schlürfen - Was darf ich, was nicht?

Tischmanieren sind auch hierzulande ein eher unbekanntes Kapitel. In Japan beginnt man ein gemeinschaftliches Essen mit den Worten "Ich bediene mich / Ich bin so frei." - auf Japanisch hört sich das dann so an: "Itadakimasu!" ( -> "I-ta-da-ki-mas!", das "u" am Ende wird nicht gesprochen).

Man beendet das Essen mit einem "Es war sehr lecker" - hier wird es kompliziert: "Gochisōsama Deshita"->"Go-tschi-sō-sama-deschta". Achtet vor allem darauf, dass das "i" von "Deshita" nicht ausgesprochen wird.

Wer sich die obigen Wörter nicht merken kann, greift zur Allgemeinfloskel "Oishii" ("Lecker!") - damit kann man definitiv NIE etwas falsch machen (besonders um den japanischen Kollegen zu versichern, dass die glupschigen Tentakel absolut köstlich sind). Ebenfalls praktisch: Das Zeichen für "Groß" (bzw. große Portion): Ōkii . Die kleine Portion hört auf Chiisai .

Noch viel, viel komplizierter als die Aussprache von japanischen Wörtern, ist der Umgang mit Stäbchen. Es wird Euch aufregen. Ihr werdet leiden. Ihr werdet fluchen! Ich persönlich hatte gnadenlose Fingerkrämpfe. Aber irgendwann gelingt der Durchbruch - ja, man kann es lernen! Fixiert "einfach" das untere Stäbchen und bewegt nur das obere Stäbchen - Übung macht den Meister! Einen (von vielen) passenden Lehrgängen findet Ihr hinter diesem Link.

Wenn sich die Stäbchen dann trotz langjähriger Übung immer noch überkreuzen und sich die Finger brutal verknoten, kann man in Japan auch auf "normales" Besteck zurückgreifen - der "Easy-Modus" ist also immer mit dabei (gibt aber keine Achievements!). Zur Not bringen Stäbchen-Noobs einfach ihre eigene Gabel mit.

Manche mögen sich fragen, warum ein Land, welches die berühmtesten Messer weltweit herstellt, nicht auch auf diese während einer normalen Mahlzeit zurückgreift. Japanische Messer sind äußerst scharf  und sollten in keiner professionellen Küche fehlen, aber als Besteck auf dem gedeckten Tisch sind sie völlig fehl am Platz. Größere Stücke Fisch oder Fleisch sind entweder butterweich, oder wurden bereits vor dem Servieren in mundgerechte Stücke zerteilt. Ist dem nicht so, heißt es: Reinschaufeln! Oder wie Homer Simpson sagen würde: "Schlingt wie eine Ente!"

Tischmanieren auf Japanisch

Sushi dürfen übrigens mit den Händen gegessen werden, was das Leben ungemein einfacher macht. Weitere Tischregeln im Schnelldurchlauf: Stäbchen werden nicht vertikal in Schüsseln gesteckt und es soll kein Essen von Stäbchen zu Stäbchen gereicht werden - beides weckt Assoziationen mit japanischen Beerdigungs-Ritualen. Hier reichen sich Familienmitglieder auf diese Weise die Knochen des Verstorbenen.

Wer etwas von einer großen Platte nimmt, der benutzt die anderen, nicht vollgesabberten Enden der Stäbchen (wenn keine Servierstäbchen vorhanden sind). Die Reisschale kommt nach links, die Miso Suppe rechts. Letztere darf gerne laut geschlürft werden (ebenso wie jede andere Suppe). Die Reste schaufelt Ihr mit den Stäbchen heraus. Japaner sind was Essen angeht übrigens sehr penibel und möchten nur "reines" Essen in den Mund stecken. Daher sind Einweg-Stäbchen auch so beliebt.

Nach dem Essen verzichtet Ihr in Japan auf ein Trinkgeld - hier ist der Service ÜBERALL inklusive und ein Trinkgeld wird meist gar nicht erst verstanden. Kleiner Tipp noch: Beobachtet einfach mal einige Schlippsträger im Restaurant Eurer Wahl. So lernt Ihr die Sitten schneller, als Euch jeder Ratgeber zu erklären vermag.

Irasshaimase! Herzlich willkommen!

Wer in Japan ein Restaurant betritt (oder im übrigen beinahe alle anderen Lokalitäten), der wird von den Angestellten mit einem herzhaften Irasshaimase begrüßt - übersetzt einfach "Herzlich Willkommen!". Daraufhin fragt Euch das Personal: Nan-mei-sama desu ka? Oder auf deutsch: Wieviele Personen?

Ihr könntet jetzt auf Japanisch antworten - achtet dabei auf die japanischen Zählwörter für Menschen. Eine Person: hitori, zwei Personen:  futari, drei Personen: san-nin, vier Personen: yon-nin, fünf Personen: go-nin… und so weiter. Vor allem lasst Ihr bei der Antwort das „sama“ weg.

Einfacher geht es mit den Fingern: Wer Inglourious Basterds gesehen hat, der weiß, dass nur wir Deutschen mit dem Daumen anfangen zu zählen - so ist der ausgestrecke Zeigefinger auch in Japan das Zeichen für eine "Eins", gefolgt vom "Victory"-Zeichen als "Zwei".

Auf der Suche nach Futter

Weiterhin wählt Ihr zwischen Raucher- (kitsu-en-seki) und Nichtrauchertisch (kin-en-seki). In überfüllten Restaurants nehmt Ihr erstmal auf Wartebänken Platz (bei der Menge an Menschen keine Seltenheit!). Selbst das Eintragen in Wartelisten ist normal - hierbei hilft Euch die Bedienung. Je nach Restaurant-Typ könntet Ihr gefragt werden, wo genau Ihr sitzen wollt. Entweder am Tresen (Caunta, manch einer errät den englischen Ursprung), an einem normalen Tisch (teburu), oder an einem japanischen Tisch (zashiki).

In zahlreichen, klassischen Restaurants werdet Ihr die Möglichkeit bekommen vom Boden aus zu essen - ganz im japanischen Stil. Die Tische sind meist nur wenige Zentimeter hoch und die richtige Sitzposition ist für Anfänger gar nicht so einfach - mir sind jedenfalls gleich mehrfach die Beine eingeschlafen. Grundsätzlich gilt: Männer überkreuzen ihre Beine und bevorzugen den Schneidersitz, Frauen strecken ihre Beine auf eine Seite. Alternativ hockt man sich einfach auf seine Knie - was auf längere Zeit unglaublich schmerzhaft sein kann.

"Ober! Ich hätte gerne die Rinderroulade mit Kartoffeln und Krautsalat!"

Nachdem man sich gesetzt hat bekommt man die Speisekarte und normalerweise Wasser oder grünen Tee und ein kleines Handtuch gereicht. Jetzt kommt es zum schwierigen Teil: Aussuchen und Bestellen.

Schaut Euch die Karte an: Wenn Ihr Glück habt gibt es in dieser viele, bunte Bilder... oder sogar eine englische Karte! Wartet auf den Kellner oder betätigt die (nicht immer) vorhandene Klingel. Verständigt Euch mit Hand und Fuß oder geht zur Not mit dem Kellner vor die Tür und zeigt auf die (hoffentlich vorhandenen) Plastik-Nachbildungen. Irgendwie werdet Ihr an Euer Essen kommen, dafür werden die japanischen Angestellten schon sorgen! Viele Kellner neigen dazu die gesamte Bestellung zu wiederholen, wenn Ihr Glück habt sogar auf Englisch!

Vollgefressen? Satt? Dann geht's weiter mit der Rechnung! Entweder liegt diese bereits am Tisch, oder Ihr bezahlt einfach beim Rausgehen an der vorderen Kasse. Wenn Ihr mal nach der Rechnung fragen müsst: O Kaikei o negai shimasu (shimass).

Wenn Ihr getrennt zahlen wollt sagt einfach Betsu-Betsu und denkt daran kein Trinkgeld zu geben! Beim Herausgehen könnt Ihr Euch noch mit einem Gochisousama-Deshita verabschieden!

Es leuchtet in allen Farben! Was zum Geier liegt da im Getränke-Automaten?

Verglichen mit Europa sind Getränke jeglicher Form in Japan durchweg günstiger. Zu Mahlzeiten wird kostenlos Wasser oder heißer Tee gereicht. Unterwegs trefft Ihr alle fünf Meter auf einen (oder mehrere) Getränke-Automaten, welche Euch mit diversen Softdrinks, Kaffee-Mixturen, Tee... und einigen wirklich widerlichen Eigenkreationen überraschen können ("Mmmh,... schmeckt wie Seife! Lecker!").

Dies bezieht sich sowohl auf Städte, als auch Wanderwege, Tempelanlagen... es gibt kaum einen Ort, wo KEINE Getränke-Automaten stehen.

Getränkeautomaten in der Pampa

Selbst in den Außenbezirken vieler Städte seid Ihr nicht sicher vor Getränkeautomaten.

Zuviel Auswahl!

Süße Getränke sind dabei eher selten - für Aspartam verwöhnte Europäer anfangs eine Umstellung. Auch Kohlensäure ist wenig zu finden - stille Wasser und Tee-Getränke dominieren den Markt. Hier kurz eine Übersicht über die wohl wichtigsten Softdrinks, welche Ihr Euch an Getränke-Automaten ziehen könnt:

1.) Grün: Neben abgelaufenen Fruchtsaftgetränken und frisch aus dem Labor entlassenen Waldmeister-Getränken, steht die Farbe Grün in der japanischen Getränke-Hierarchie ganz weit oben für grünen Tee in diversen Geschmacksvariationen. Teilweise ist dieser sogar verbreiteter als Wasser - gewöhnt Euch besser früh an den Geschmack im kalten und warmen Zustand. Es ist beinahe unmöglich in Japan keinen grünen Tee zu trinken.

Ein weiteres "Grün" findet sich in diversen "Melon-Soda" Getränken - teilweise sogar als Fanta Marke oder zusammen mit Vanille-Eis. Schmeckt lecker und erfrischend... obwohl es grün ist.

2.) Rot, Orange, Gelb: C.C.Lemon als saurer Vitamin C Schock. Ansonten Fanta und diverse Limonaden. Gerne auch in exquisiten Geschmacksrichtungen in den nachfolgenden Farben.

3.) Lila, Grell Rosa, Hell Rosa: Ihr habt Lust auf Experimente? Dann versucht Euch doch mal an Trauben-Fanta. Oder einem Pflaumen-Slushi.

Blub Blub

Dosenpfand gibt es in Japan noch nicht.
Dafür werden Dosen und Plastikflaschen vom restlichen Müll getrennt.

4.) Klar und milchig weiß: Entweder Wasser oder Zitronenlimonade. Übrigens ist es immer wieder spannend zu verfolgen, wie sich die Werbe-Slogans der Firmen von denen hierzulande unterscheiden. Sprite zum Beispiel machte bei unserem Besuch Werbung mit "Sexier than water".

Sexier than Water

Wer das nicht so sieht, der greift zu einer gigantischen Auswahl an stillen Wassern. Wie bereits erwähnt: Kohlensäure ist in Japan eher spärlich vorhanden. Vorsicht bei milchig-weißen Getränken: Hierbei handelt es sich um Calpis- und Dakara Getränken. Diese schmecken ein wenig nach Yoghurt und basieren im wesentlichen auf Wasser und Milchsäure. Definitiv nicht mein Geschmack.

5.) Schwarz: Bei schwarzen Getränken an erster Stelle: Kaffee. Die Dosen werden meist heiß aus dem Automaten entnommen, geben einem verwöhnten Kaffee-Kenner aber nur einen wässrigen Bruchteil dessen, was dieser sich gewünscht hätte. Cafés im europäischen Stil sind für Kaffee-Trinker daher das Nonplus-Ultra.

Getränkeautomat in Tokyo

Wer japanischen grünen Tee ausprobieren möchte sollte mit einer milden Variante beginnen
und zu der hellgrünen Flasche ganz oben links greifen.
Weitere Tipps: Das günstige Wasser oben neben Vittel,
oder der warme Kakao (mittlere Reihe, zweiter von rechts).

Noch eine grundsätzliche Info: Die Farbe "Blau" im Beschreibungsschild steht für kalte Getränke, "Rot" für warme Getränke. Die größte Auswahl an Getränken findet Ihr im Conbini Eurer Wahl.

Supermarkt

Was ist eigentlich "Typisch Japanisch"?

Kleine Auflistung ohne Garantie auf Vollständigkeit:

Sushi,
Tofu
, bzw. Soyabohnen (in allen erdenklichen Variationen)
Soba
Nudeln (gebraten als Yaki-Soba, oder in Nudelsuppen),
Udon (dicke Teignudeln, sehr lecker!),
Ramen (diverse Nudelsuppen),
Gyoza (Teigtaschen mit Füllung, gebraten, gibt es in Ramen-Restaurants),
die bereits angesprochene Miso Suppe,
Takoyaki
(Teigkugeln mit glubschigem Tentakel-Inhalt, werden meist an Straßenständen verkauft und sind sehr beliebt)
Tonkatsu
(frittiertes Fleisch),
Curry-Reis
(japanische Variante, nicht so scharf wie andere asiatische Currys, Zutaten sind Rindfleisch, Möhren und Kartoffeln),
Tempura
(frittiertes Gemüse, frittierte Shrimps... eigentlich ALLES in frittierter Form)
Omu-Reis (Reis in einem Omelett mit lecker-schmecker Soße) und Okonomiyaki (japanischer Teigfladen mit diversen Inhalten, ähnlich Pizza).

Ein eigenes Thema sind japanische Donburi Gerichte (丼 wird übersetzt mit Schüssel, bzw. "Bowl"). Reis ist auch bei diesen Gerichten die Basis, dieser wird mit Gemüse oder Fleisch bedeckt und in einer Schüssel serviert. Leckere Donburi Varianten sind:

Gyudon (Reis mit viel saftigem Rindfleisch - auch als Beef Bowl bekannt),
Katsudon (frittiertes Fleisch mit Ei und Zwiebeln über Reis),
Oyakodon (wörtlich und ziemlich fies übersetzt: "Eltern und Kind", Hühner-Fleisch mit einem Ei oben drauf)

Udon Nudelsuppe

Udon Nudeln saugen sich gerne mit der Suppe voll - lecker!

Ramen in Fukuoka

Ichiran-Ramen in Fukuoka - angeblich eine der besten Nudelsuppen in ganz Japan.

Wenn es etwas teurer werden darf, greift Ihr am besten zum berühtem Kobe Beef (mit Bier massierte Rinder können nicht irren!), Sukiyaki oder Shabu-Shabu (hauchdünne Fleischscheiben in kochend heißem Wasser "schubbeln"). Letztere werden eher in Gemeinschaft gegessen (bzw. zelebriert), ganz ähnlich dem hierzulande bekannten Fondue.

Sushi! Sushi! Sushi!

Sushi gibt es in allen Formen und Farben, für Einsteiger am besten geeignet sind Sushi-Rollen mit Gurke, oder alternativ mit Lachs oder Thunfisch. Mein persönlicher Favorit: Sushi mit Schinken und Majo oben drauf - da kommt sogar europäisches Flair auf. Currywurst-Pommes-Sushi habe ich leider keines gefunden.

Grundsätzlich unterschieden wird zwischen Maki und Nigiri Sushi. Ersteres sind die bekannten Sushi-Rollen (außen mit grünem Seetang), letztere präsentieren sich als  kleiner Block Reis mit Fisch oben drauf. Wer keine Lust auf diverse Fisch-Sorten hat, der greift zu schmackhaften Tamago Nigiri (gesüßtes Omelett), oder Inari Sushi (süße und frittierte Tofu-Taschen, mit Reis gefüllt).

Nina vs Fisch

Die besten Sushi-Restaurants findet Ihr gleich am Tokioter Fischmarkt Tsukiji. Ganz im japanischen Stil gehalten sind auch die "Kaiten-Sushi" Restaurants. Sushi am Fließband ist eine geniale Erfindung der Japaner, die es mittlerweile zu weltweitem Ruhm gebracht hat. Hier probiert Ihr selbst ohne Japanisch-Kenntnisse Sushi nach Geschmack und angetrunkenem Mut aus - angelt Euch einfach den gewünschten Teller vom Fließband.

Die Teller werden daraufhin gesammelt und nach ihrer Färbung bezahlt. Grünen Tee, ordentlich Wasabi, Soya-Sauce und frischen Ingwer gibt es gratis obendrauf.

Wie wir alle wissen schlachten Japaner Wale nicht nur für wissenschaftliche Zwecke, sondern nutzen das Fleisch auch zum Verzehr. Wenn Ihr dies nicht unterstützen wollt, solltet Ihr Restaurants mit Wal-Sushi meiden. Kujira ( くじら oder als Kanji ) wird oft schon außerhalb dieser Restaurants angepriesen.

Walsushi

Ok, ich habe probiert. Ich mag kein Sushi!

Wer anstelle von Fisch und Reis lieber etwas herzhaftes schnabulieren will, der sucht die nächstbeste Yakiniku-Grillstube auf. Hier grillt Ihr feine Streifen Fleisch über dem Tischgrill. Denkt unbedingt daran, dass Ihr Eure Klamotten danach wechseln solltet - die riechen bis zur nächsten Wäsche nach Grillfest.

Yakiniku

Abseits der japanischen Küche gibt es Alternativen en masse: Chinesische Restaurants bieten Euch viele gedämpfte Gerichte und es schmeckt einfach eine ganze Spur anders als in denselben Etablissements hierzulande. Wirklich "exotischer" kommen Euch dann schon Döner-Läden in Mitten von Tokio  vor - aber auch indische Restaurants, sowie deutsche, italienische und französische Küche sind vertreten.

Pizza in Japan

Welche asiatischen Fastfood-Alternativen gibt es?

Wer gerne schnell und typisch japanisch futtern will, der kommt um zwei große Ketten nicht herum: Matsuya und Yoshinoya sind das japanische Pendant zu McDonalds und Burger King. Bei Matsuya sucht Ihr Euch Euer Essen am Automaten aus, bezahlt und erhaltet dafür einen kleinen Zettel - diesen einfach an der Theke abgeben, Platz nehmen und in nur wenigen Minuten bedient werden.

Matsuya 1

Seltener Anblick: ein vollkommen leeres Matsuya.

Matsuya 2

"Insert Coin" - Sucht Euch die Gerichte auf einer Karte heraus
oder probiert einfach auf gut Glück.

Auch hier gilt: Grüner Tee, oder Wasser gibt es gratis dazu. Im Menü gibt es meist eine Miso Suppe, Reis und einen kleinen Salat. Eingelegten Ingwer, oder ein rohes Ei sind weitere "Boni", welche wohl nur ich nicht zu schätzen weiß. Daumen hoch für Touristen: die meisten Gerichte stehen auch auf Englisch auf den Tasten der Automaten. 

Yoshinoya: Setzt Euch direkt an die Theke und bestellt per Karte (meistens zweisprachig, zur Not einfach draufzeigen). Die Kette ist bekannt für Ihre Gyudon (Fleischtöpfe) und dabei sehr schnell und sehr günstig. Von mir alle Daumen nach oben!

Weitere Alternativen: Sukiya bietet neben Gyudon noch Donburi und Curry an. Außerdem gibt es hier mehr Sitzplätze. Kouraku Ramen serviert Euch einfache Nudelsuppen und Gyoza, punktet mit langen Öffnungszeiten und angenehmen Preisen. Rakeru schließlich hat sich auf Omu-Reis spezialisiert.

Japan Fast Food

Was sind eigentlich Family Restaurants?

Wenn Ihr in Japan unterwegs seid, werdet Ihr früher oder später auf Euer erstes Family Restaurant treffen - es ist schwierig die Mischung aus Ami-Diner, deutscher Wurstbar und japanischer Höflichkeit zu beschreiben. Jedenfalls findet Ihr in Family Restaurants stets eine (beinahe zu) große Auswahl an diversen Gerichten (Pizza, Nudeln, Salate, Frikadellen, italienisches Brot, Tonkatsu, leckere Desserts). Wenn Ihr Euch mal wieder nicht auf ein Essen einigen könnt, sind Family Restaurants jedenfalls GENAU das RICHITGE für Euch.

Bestellt wird per Klingel an Tisch, Lunch Menüs sind sehr günstig, dazu kommt der Begriff Nomihodai (Drinkbar): Trinkt soviel und was Ihr wollt. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Saizeriya, Denny's, Jonathan's und Shakeys Pizza.

Tabehodai steht für "All you can eat" und wird manchmal auch charmant als Viking Dinner bezeichnet. "Hodais" sind meist zeitgebunden - aber das kennt man ja auch hierzulande.

Vitamine! Ich brauche Vitamine!

Obst in Japan ist vor allem eines: tierisch lecker! Die diversen Früchte sind saftig, süß... und meist eine ganze Spur größer, als hierzulande. An dieser Stelle ein kleines Einmaleins für Leute, die etwas Japanisch lernen wollen: Äpfel heißen drüben Ringo und sind absolute Geschmacksbomben - am populärsten sind die großen, roten Fuji-Äpfel. Nashi offenbart sich als seltsame Mischung aus Birne und Apfel - die Schale ist etwas härter, der Geschmack unaufdringlich, aber erfrischend.

Mandarinen hören auf den Namen Mikan und kommen ursprünglich aus China - heutzutage gehört Japan zu den größten Produzenten der auch als Mandarin Orange bekannten Früchte.  Yuzu und Sudachi stehen an der Stelle von Zitronen und Limonen - beide mit eigenwilligem Japan-Geschmack. Erdbeeren hören auf den Namen Ichigo, Pfirsiche auf Momo - beides übrigens auch beliebte Namen in zahlreichen Mangas und Animes.

Besonders im Sommer genial: Honig- und Wassermelonen (Suika), Ananas (Pineapple), sowie Kiwi als kleiner Vitamincocktail. Ebenfalls absolut wichtig für die japanische Futter-Industrie: Ume! Meist als "Pflaume" übersetzt, ähnelt das Zeug aus der Sicht eines Botanikers eher einer Aprikose - geschmacklich irgendwo zwischen saurer Sardelle und Marmelade.

Was ist dieses grüne Blubberzeug?

Wer Lust auf eine Begegnung mit einem tödlichen Fisch hat, der greift zu Fugu - dem berühmten Kugelfisch. Natürlich ist dieses Essen im wesentlichen nur Show (der Fisch darf nur von bestimmten Köchen zubereitet werden), aber für ca. 90 Euro darf man nachher zumindest behaupten einmal etwas "fast tödliches" gegessen zu haben. Schlechte Todesschauspiele vor Freunden und Gästen können lustig sein... oder aber die anwesenden Kellner erzürnen. Noch einen Schritt weiter geht übrigens ein Getränk mit Namen Hirezake - heißer Sake mit Fugu-Schwanz. Kampai!

Wem das zuviel des Guten ist, der hat dennoch eine breite Auswahl an WTF?-Gerichten: Japaner stehen auf Tentakel, Glubschi und Konsistenzen, an welche wir selbst in unseren kühnsten Träumen nicht denken würden.

Glubschi

Seltsame Gerichte in japanischen Kneipen:
Hier Tentakel Glubschi mit Wasabi Sauce

Die Schärfe von Wasabi lässt Euch die Nase flattern. Auf Sushi ist eine Prise Wasabi ein Muss!

Algen sind ein wichtiger Bestandteil der japanischen Küche und eigentlich überall enthalten. Für Maki Sushi und Onigiris werden Nori benutzt, in Miso Suppe gehört Wakame, in anderen Suppengerichten wird das Schlabberzeug Konbu genannt.

Matcha ist grünes Teepulver, welches für Teezeremonien benutzt wird. Japaner lieben den bitter-süßen Geschmack (kann etwas grün schmecken?) - etwa in Form von Matcha Kuchen, Matcha Shake oder Matcha Eis. Touristen müssen sich erst dran gewöhnen - Suchterscheinungen sind aber durchaus zu beobachten.

Das süße Bohnenmus Anko findet Ihr in allen möglichen Süßigkeiten, oder als Füllung von Teigtaschen - es schmeckt wie süße, geriebene Erde ("nomnomnom"). An manchen Straßenständen gibt es kleine Gebäckstücke namens Taiyaki, die wie Fische aussehen. Diese sind ebenfalls mit Anko gefüllt.

Katsuobushi sind getrocknete und geräucherte Bonito-Flocken, also geraspelter Fisch. Hört sich erstmal nicht ganz so "mjam" an, einige Gerichte werden damit aber typischerweise gewürzt und erhalten erst so ihren einzigartigen Geschmack. Okonomiyaki ohne tanzende Katsuobushi Flocken ist einfach undenkbar!

Glubschi 2

Es ist drei Uhr morgens und ich hab Hunger! Ab zum Conbini!

Kein Problem in Japan, immerhin gibt es an jeder Ecke Conbinis! Diese kleinen Shops gibt es in tausend Varianten, ganz nach dem amerikanischen Prinzip der Convenience Stores. Hier hören sie auf die Namen Lawsons, 7Eleven, Family Mart, oder Daily Yamazaki.

Japanische Conbinis haben für jeden Notfall eine Lösung parat: Windeln, Stecker, Zeitschriften, Atemschutzmasken, Süßigkeiten oder auch andere Snacks gibt es in Hülle und Fülle. Darüberhinaus gibt es in gut ausgestatteten Varianten Geldautomaten, Briefmarken, Kopiergeräte und Tickets für diverse Events (etwa das Ghibli Museum in Mitaka). Die kleinen Läden stecken voller Überraschungen, manche Japaner zahlen dort ihre Miete oder Stromrechnung.

Wenn Euch der Hunger in einen Conbini verschlägt habt Ihr eine hervorragende Auswahl an Cup Noodles und Mikrowellengerichte, die Ihr Euch direkt vor Ort zubereiten könnt. Onigiris (Reistaschen mit Algen umwickelt) gibt es in verschiedenen Sorten in der Kühltheke.

Meine Frau und ich sind große Fans von Nikuman (sehen aus wie Germknödel, sind aber mit deftigem Fleisch gefüllt), Pizzaman (dasselbe nur mit Pizza), oder Curryman (japanischer Curryknödel). Perfekt für den kurzen Hunger zwischendurch gibt es die Knödel gleich an der Kasse in einem Schaukasten.

Wer etwas Ur-japanisches ausprobieren möchte wagt sich an Oden Gerichte. Diese werden in Dashi-Brühe zubereitet, sehen eher aufgebläht als appetitlich aus und stehen ebenfalls an der Kasse bereit zum Mitnehmen.

ICH WILL SÜßIGKEITEN! SOFORT! Sonst hol ich meine verdammte Mami!

Erstmal zur Beruhigung: Ja, es gibt Süßkram. Nun zur schlechten Nachricht: Beinahe jede Süßigkeit schmeckt grundverschieden zu den hierzulande bekannten. Zumindest für mich als Schoko-Junkie war die Umstellung gewaltig. Klassische Schoko-Riegel wie Snickers findet Ihr meist nur in den Conbinis - und auch dort sicher nicht zum Vorteilspack, sondern (meist) nur einzeln. Kitkat ist noch am weitesten verbreitet und kommt in extravaganten Variationen daher: Weiße Schokolade und Erdbeerfüllung? Her damit!

Japan Sweets

Eine Unmenge an japanischem Süßkram erwartet Euch: Milky Bonbons,  japanische Reissnacks (Sembei), alle Pocky Varianten und Matcha Bonbons sind nur die Spitze des Eisbergs! Testet es aus!

Japaner haben nicht nur den Eiffelturm aus Frankreich geklaut: Auch Crêpes erfreuen sich in Nippon größter Beliebtheit - nur werden sie dort kalt verzehrt. Zum Beispiel in Mitten des Jugendviertels Harajuku in Tokio - hier werden sie mit Eiskugeln und Obst verziert und gerollt. Macht Euch auf eine Geschmacksexplosion und "some sweet lovin'" gefasst.

Crepes

Das Einzige, was Ihr wirklich nach mehreren Wochen vermissen werdet ist vernünftige Schokolade - selbst weltweite Schoki-Produkte wie Snickers oder Kitkat schmecken in Japan dezent fad und versprühen so gar kein Schoko-Feeling. Schoko-Junkies lecken verzweifelt die Schokolade von den knorrigen Pocky-Sticks... oder wenden sich einem ganz anderen Süßigkeiten-Gebiet zu: Kuchen! Oder wie Japaner sagen würden: Kääääjkiiiiii!

Denn: The Cake is not a lie! Zumindest nicht in Japan. Kuchen schmeckt dort klasse, ist jedoch winzig portioniert. Schlaue Schlemmermäuler greifen zu leckeren Dessert-Sets mit Getränk und einer Kugel Eis dabei. Schokokuchen gibt es ab und an auch in Kaiten-Sushi Restaurants - richtet Euch auf eine saftige, vollmundigen Schoko-Erfahrung ein.

Kuchen

Verdammt, das ist ein verdammt guter Burger! Verdammt!

Wem der ganze Japan-Kram nach einiger Zeit auf den Magen schlägt, der kann auch dort zu typisch amerikanischen Fast-Food Ketten eilen und sich den Wunsch-Burger zwischen die Kiemen klemmen. Überraschung: Besonders McDonalds sticht in Sachen Qualität und Geschmack die Filialen hierzulande aus. Man kann fast sagen: Die Burger sehen tatsächlich so aus, wie es auf den Photoshop-Werbeflächen verbreitet wird.

Oder um es mit meinen Worten zu sagen: Willkommen im Burger Wonderland!

Burger Burger Burger!

Bei Ur-Japanischen Burgerbuden sind die Portionen relativ klein. Die Läden haben ihre Größen auf das Essverhalten von Japanern abgestimmt und bieten lieber kleinere Portionen an, als dass jeder Japaner Essen liegen lässt. Mos Burger präsentiert sich unter dem Motto "fresh & natural" - daher gehen sie auch nicht in den Preiskrieg mit McDonalds. Die Burger dort sind relativ klein, dafür aber sehr frisch zubereitet. Eine gute Alternative!

Lotteria serviert Euch sehr kleine Portionen und ist eher nicht zu empfehlen. Burger King ist noch am expandieren, daher weniger präsent als McDonalds Filialen. Beliebter ist da schon KFC, welche sich im Vergleich mit Deutschland ebenfalls sehr positiv hervortun.

Kneipen - gibt es sowas überhaupt in Japan?

In Sachen Alkohol greifen Japaner gerne zu XXS-Varianten - stämmigen, deutschen Biertrinkern huscht schnell ein Grinsen über das Gesicht, wenn Mini-Bierflaschen und winzige Gläser serviert werden. Beliebt sind diverse Biersorten (Kirin, Asahi, Yebisu, Sapporo) und auch Whiskey (uisuki), während sich jüngere Japaner gerne mit Sake und Shochu (Getreideschnaps) abfüllen.

Japanisches Bier ist grandios süffig - die hohe Kunst des Bierbrauens haben die Japaner während der Meiji Zeit zum Glück von den Deutschen abgekupfert. Abraten kann man daher nur von Happōshu: Das ist ein modernes Bierimitat, um die japanische Alkoholsteuer zu umgehen. Pfui!

Chuhai gibt es meist in Dosen - das japanische Pendant zu Alkopops sozusagen. Es gibt mannigfaltige Geschmacksvariationen gepaart mit Alkohol, Zuckerschock inklusive.

Schwierig für Touristen ist die Suche nach einer entsprechenden Izakaya ("Kneipe"). Oft befinden sich diese im Keller, oder in den höhren Stöcken von Gebäuden, daher lohnt sich (wie immer in Japan!) der Blick nach oben! Ein gemeinsames Kneipengelage beginnt man übrigens mit erhobenen Gläsern und einem "Kampai!".

Kampai

In Izakayas gibt es diverse Alkoholika, manchmal auch Cocktails und vor allem jede Menge Snacks zu günstigen Preisen. Kleine Portionen Ramen, Sushi, Pizza und eingelegte Beilagen gehören zu jedem Kneipenbesuch, ebenso wie Edamame - Soya (mal wieder)! Edamame sind noch nicht ganz gereifte Soyabohnen, die Ihr Euch als Snack aus der Hülse drückt. Als Kult gelten mittlerweile die Werbespots mit Mameshiba, einer Bohne, die wie ein Hund aussieht und immer seltsame Fakten ausplaudert.

 

 

In Japan schenkt man sich übrigens nicht selber nach - man wartet, bis einer der anderen Gäste das Glas wieder auffüllt. Wer keinen Durst mehr hat lässt das volle Glas einfach stehen.

Ok, jetzt weiß ich Bescheid. Aber WO diniere ich wie ein König?

Eine Auflistung von diversen Restaurants macht an dieser Stelle keinen Sinn - und selbst das Suchen nach Top-Adressen im Internet kann sich im realen Tokyo als schwierig erweisen (siehe Adressen-Wirrwarr im letzten Beitrag). Deswegen: Probiert einfach aus - Auswahl gibt es sicher genug! Wer doch einen guten Ratgeber sucht: Kauft Euch den Lonely Planet (gibt sogar eine Ausgabe extra für Tokio) oder surft mal auf www.japan-guide.com vorbei.

Ich bin Vegetarier / Veganer: Was sind meine Alternativen?

Schwieriger wird der Nippon-Ausflug für Vegetarier und Veganer, welche keinen Fisch essen. In vielen Gerichten ist Dashi (Fischfond) enthalten - auch wenn man deutlich sagt, dass man Vegetarier oder Veganer ist und kein Fleisch und keinen Fisch essen möchte, bekommt man oft trotzdem Spezialitäten wie Katsuobushi (geraspelte Fischflocken) serviert – ironischerweise über dem ganzen schöne Tofu verteilt. Als wir das Personal einmal darauf angesprochen haben, wurde vehement betont Katsuobushi wäre doch kein Fisch,... es wäre eben Katsuobushi. Keine Chance zur Diskussion!

Selbst große Ketten wie Yoshinoya und Matsuya bieten außer kleinen Salaten nichts Fleisch- bzw. Fischloses an. Abhilfe schaffen kalte Buchweizen-Nudeln (Udon) mit Soja-Sosse – gibt's in jedem Kombini. In Sushi-Läden schlägt man sich mit Inari (süße fritierte Tofutaschen mit Reis) oder Gurken- und Avokadomaki durch. Ebenfalls immer wieder gut für zwischendurch sind vegetarische Snacks in Bäckereien - für Veganer ist dies keine Alternative, da japanische Bäcker alle Leckereien mit Eigelb aufpeppeln, damit es schön glänzt.

Kappabashidori

Zuckersüße Tipps für Diabetiker

Da mein Xbox Live Nickname Insulino nicht nur aus Jux und Dollerei gewählt ist, hier ein paar kleine Tipps für den erfolgreichen Japan-Schlemmer-Urlaub trotz Diabetes:

1.) Auf dem Hinflug und Rückflug lasst Ihr das Langzeitinsulin weg und fangt hohe Werte einfach mit zusätzlichem Normal-Insulin ab. Messt ruhig etwas öfters Euren Zucker - auf dem Flug ist es eh stinkend langweilig, da kann man auch mal seinen Accu-Check (oder sonstige Geräte) zur "Beschäftigung" herauskramen.

2.) Das erste Langzeitinsulin spritzt Ihr am besten erst, wenn Ihr bereits die erste Nacht in Tokio verbracht habt - so hatte der Körper genug Zeit sich zu "akklimatisieren" und Euch droht keine Unterzuckerung während der ersten Nacht (lieber ein wenig zu hoch, als zu tief!).

3.) Vorsichtig spritzen und viel messen - dies gilt sowohl für den Flug, als auch die ersten zwei Tage in Japan. Akzeptiert auch mal einen Zucker von 200 aufwärts - besser zu hoch, als unterzuckert durch die grellen Hochhausschluchten von Tokio zu flanieren.

4.) Falls Ihr es noch nicht könnt: Lernt Reis in BE (bzw. KE) umzuwandeln, bzw. Reis richtig einzuschätzen. Das macht die Berechnung eines japanischen Essens erheblich einfacher.

5.) Cola- und Pepsi Light sind in Automaten und sogar Restaurants nur spärlich vertreten, grüner Tee ist eine Alternative. Ebenso sollte man sich als Diabetiker auf viel stilles Wasser gefasst machen. Cola-Junkies wie ich decken sich im Supermarkt mit Light-Getränken ein.

 

So, das war es erstmal wieder - ist dann doch mehr geworden, als ursprünglich geplant :-) Wer den ersten Teil verpasst hat, der kann sich hinter diesem Link noch einmal in Sachen Reise- und Gepäckplanung schlau machen. Alle Infos zur Fortbewegung in Japan gibt es im zweiten Teil.

Im vierten Teil versuchen wir Euch Japanisch beizubringen und zeigen Euch endlich, wo es das grandiose Nerd-Zeug in Akihabara und anderen Orten zu kaufen gibt!

Übrigens: Wer sich mal hierzulande selbst an Sushi versuchen will, der sollte mal einen Blick in unseren (bereits älteren) "Wie mache ich Sushi"-Beitrag werfen.

Sushi zu Hause

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10.05.2011 16:40 — Daniel Hecht

Die Welt der Videospiele hat sich in den letzten Jahren fundamental verändert. Schlauchlevel, einsteigerfreundliche Bedienung, unendlich Leben (ohne Action Replay!), Rücksetzpunkte und automatisches Speichern nach jeder Feindberührung... da verzweifeln ältere Hardcore-Zocker, während jüngere Spieler dem neuen System kaum Beachtung schenken. Schließlich kennen sie es kaum anders.

Ein wesentliches Mittel um den Spieler in eine neue Spiel-Umgebung einzuführen, sind Tutorials. Hier werden gleich vor Beginn des Spiels die wesentlichen Steuerungsvorgaben erläutert und erlernt - jedenfalls soweit alles gut läuft. Andere Spiele verkleiden das Tutorial und setzen es mit dem Spielbeginn gleich - so dürft Ihr die Geschichte bereits erleben, ohne Euch durch doppelt-virtuelle Trainingsräume zu bewegen.

Der Grund für Tutorials scheint einleuchtend: Spieler, welche noch nie einen Ego-Shooter gezockt haben, wissen halt nicht, dass man mit diesem Knopf schießt oder mit diesem anderen Knopf zoomen kann. Oder das Feuer-Elementare am besten mit Wasser-Magie erledigt werden. Oder dass man für einen weiten Sprung erst mal Anlauf nehmen sollte. Ihr merkt schon worauf ich hinaus will: Vollkommen sinnlose Erklärungen von Dingen, welche (eigentlich!) durch gesunden Menschenverstand selbstverständlich sein sollten.

Gehen wir etwas weiter zurück in der Zeit und begeben uns ins ferne Japan. Hier - allen voran in den schillernden Hochhausschluchten der Millionen-Metropole Tokyo - steht jeder Mensch einem dichten Schilderwald gegenüber. Es werden nicht nur Richtungen ausgewiesen, sondern es wird erklärt und informiert bis die Schwarte kracht.

Lasst mich kurz mal einige Beispiele aus meinen Reisen ins Land des Lächelns ausgraben, um Euch näher zu verdeutlichen, was ich meine. Auf Cola-Dosen sind Bedienungsanleitungen gestanzt, welche Euch erläutern, dass man doch die Lasche nach oben ziehen muss. "Du musst doch nur den Nippel durch die Lasche ziehen, und mit der kleinen Kurbel ganz nach oben drehen...".

Clash of the Japanese

An diversen Ecken im Untergrund warnen Euch Schilder davor, dass eventuell andere Menschen um die Ecke kommen könnten - Vorsicht vor einem Zusammenstoß ist geboten! Baustellen leuchten in allen Farben des Regenbogens und sind mit Schildern beinahe zugekleistert - egal ob eine Glühbirne in einer Straßenlampe ausgetauscht wird, oder die Straße für wenige Meter gesperrt wurde.

Japanische Schilderkultur

Wer findet das Mäcces-Zeichen?

Ein Thema, welches in diversen Videospielen japanischer Herkunft gerne mal aufgegriffen wird. Streng genommen ist es japanischer Lebensstil - die Schilderkultur. Diese Kultur findet seit den frühen Tagen auch virtuellen Einzug: In vielen Spielen erläutern Euch Comic-ähnliche Wegschilder die Steuerung oder geben wichtige Hinweise. Super Mario World hatte seine "Sprechboxen", bei Donkey Kong Country Returns klären Euch Schweine im Hintergrund über Steuerungsfinessen auf, in Rollenspielen sind Weg- und Info-Schilder beinahe so üblich wie Rundenkämpfe.

Das System wurde weitergereicht, adaptiert und modifiziert - in Super Mario Galaxy haben die Schilder sogar eigene Namen (Schildbert, Schildhilf, Schildfried und Schildbürger). Kurz gesagt: Diese Schilder sind einer der wohl wichtigsten Startpunkte der hier beschriebenen Tutorials.

Neben Schildern und diversen Variationen spielten auch NPCs eine wichtige Rolle in der Einführung von Spielelementen - oder um den bekanntesten Ausspruch von Falco Lombardi gleich mal als Beispiel zu nehmen: "Do a barrel roll!". Leider habe zumindest ich das Gefühl, dass die virtuellen Begleiter heutzutage ihren Job als Tutor kaum mehr wahrnehmen - und dies trotz besserer K.I., cleverem Text-Scripting und allgemein höherer Spielerbindung. Eine vergessene Möglichkeit?

Eine andere Annährung an das Thema sind die Spieler selbst. Während Spieler A ein kurzer Blick ins Handbuch genügt um die gesamte Steuerung zu überblicken ("Ah, so funktioniert ein Ultra-Move!"), tut sich Spieler B schon schwer damit gleichzeitig zu rennen UND zu springen. Ein großer Graben, der besonders heute weiter klafft wie nie zuvor - schließlich stoßen immer mehr Anfänger in das Reich der Videospiele vor. Ob über Facebook oder iPhone, ob über die Wii, Playstation 3 oder einen Handheld.

Demzufolge erleben wir zurzeit auch einen Boom an Tutorials - aus eigener Erfahrung mit der Facebook-App "Die Siedler - My City" kann ich sagen: Tutorials nehmen einen sehr wichtigen Platz in der Spielentwicklung ein und werfen teilweise mehr Fragen auf, als das eigentliche Spiel. Sieht Spieler B den großen, roten Pfeil? Versteht Spieler C, dass man eine Produktionsstätte anklicken kann um Brot zu produzieren? Wie lang muss das Tutorial sein? Welche Elemente müssen vorgestellt werden? Fragen über Fragen!

Tust du Controller!

Kein Wunder, dass unter der Prämisse "Unsere Spieler sind zunächst einmal alle potentielle Idioten" das eigentliche Spiel gleich zu Beginn leiden muss. Um es mit Büchern zu vergleichen: Anstelle mir nur ein gutes Buch zu kaufen, bekomme ich den Schriftsteller gleich mit aufgezwungen. Und bevor ich anfange zu lesen, erzählt der mir erst mal, wie das denn jetzt alles gedacht war mit den Hobbits und Elben, wie man die Seiten umblättert ohne den Buchrücken zu schädigen und wie man am besten ein Lesezeichen setzt. Kurz: Bevor ich in die fantastische Geschichte einsteigen kann, werde ich mit Infos bombardiert, die ich

a.) entweder längst kenne b.) die mich nicht sonderlich interessieren c.) die mich in letzter Instanz davon abhalten überhaupt eine Verbindung mit dem Buch aufzubauen.

Ganz anders sieht es aus, wenn der im Beispiel genannte Autor Informationen rund um die Anfänge des Buches preisgibt - Informationen, welche ich im Buch selbst nicht finde. Ein Musterbeispiel für ein gutes Tutorial möchte ich bei Fallout 3 setzen - natürlich nur eines von vielen Beispielen. Aus den Augen eines Säuglings wird Euch die Bewegungssteuerung erklärt, aus den Augen eines Kleinkindes erforscht Ihr den ersten Raum, agiert mit Objekten und setzt sogar die Attribute für Euren späteren Charakter fest. Nachdem Ihr einige Jahre später aus dem Untergrundbunker an die frische, verstrahlte Luft ausbrecht, habt Ihr die wesentlichen Spiel-Elemente begriffen, ohne gelangweilt oder ernüchtert zu sein.

Fallout 3 Tutorial

Das Tutorial von Fallout 3 ist ein zentrales Story-Element, führt Euch perfekt an die Steuerung und das Interface heran und hat eine angenehme Länge. Letzteres hingegen ist ein Stichwort für viele schlechte Tutorials: Die Dauer desselben. Wer heutzutage ein Spiel kauft, muss einige Minuten dafür einrechnen das Spiel überhaupt auf den letzten Stand zu bringen (Updates!) oder auf der Festplatte zu installieren. Wer diesen nervigen Zeitfaktor hinter sich gebracht hat, der sieht sich nur ungerne einem Tutorial gegenüber, welches ihn für eine weitere Stunde fern der gewünschten Spielwelt hält.

Erstaunlicher Weise sind nicht nur Hardcore-Zocker vom Tutorial-Überfluss genervt - immer wieder darf ich auch in meinem Nichtspieler-Freundeskreis betrachten, wie Info- und Dialogkästchen schnellstmöglich abgebrochen werden. Ein Spiel lernen wollen und ein Spiel mal kurz nebenbei für einige Minuten spielen - ein gigantischer Unterschied, der bereits ganze Genres ihren guten Ruf gekostet hat. Das erinnert mich an die Zeit zurück, in der man VOR seinem virtuellen Ausflug einen neugierigen Blick in die beiliegende Anleitung des Spiels warf. Was erwartet mich? Wie wird gesteuert? Was sind die wichtigsten Charaktere?

Heute muss alles schnell, schnell, schnell gehen. Überraschung: Es funktioniert dennoch. Selbst die dümmsten und unfähigsten Gelegenheitszocker finden irgendwann den Sprung-Knopf. Und ja, sie werden damit über Hindernisse springen - ob mit, oder ohne Tutorial. Trial and Error ist eine Spielweise, welche die wenigsten Hersteller noch auf dem Schirm haben. Super Meat Boy... anyone?

SF4: Was soll ich drücken?

Kommen wir kurz noch zu einem letzten Punkt auf unserer Tutorial-Reise: Dem Schwierigkeitsgrad. Ein verblüffendes Phänomen der heutigen Zeit sind abnehmende Schwierigkeitsgrade. Will heißen: Je länger Ihr zockt, levelt und verschiedene Kombos auswendig lernt, desto einfacher erscheint das Spiel. Letztes Level? Langweilig! Endboss: Für die Katz! Allen voran bei modernen Rollenspielen im Stil von Dragon Age 2 oder Mass Effect 2 fällt dies auf und entpuppt sich als genaues Gegenteil zur Retro-Spiele-Kultur. Super Mario Bros. wurde nicht einfacher, es wurde verdammt schwierig. Die letzten Dungeons in The Legend of Zelda: A Link to the Past entpuppten sich als fiese Kopfzerbrecher. Tetris wurde schneller... nicht langsamer.

Mein Fazit:

Heutige Spiele brauchen nur in ganz, ganz seltenen Fällen eine Einführung! Also eine Bitte an alle Studios und Hersteller da draußen: Nutzt die Arbeitszeit, welche Ihr in sinnlose Tutorien packt, lieber für zusätzlichen Content. Und: Verkürzt Eure Tutorials so gut es geht. Macht Tutorials optional... oder bindet sie charmant in die Spielwelt ein. Wenn Ihr Spieler schon zu einem Tutorial zwingen müsst - belohnt uns dafür! Haut Achievements raus, oder eine ganz spezielle Waffe. Passt Euer Tutorial an die Spielwelt an - nicht anders herum! Verpackt Eure Hilfe-Stellungen besser!

Tipps & Tricks im Ladebildschirm sind eine der wenigen, sinnvollen Entwicklungen der letzten Jahre ("Ach, wenn ich alle drei Tasten drücke, kann ich meinen Gegner erniedrigen? Cool!"). Enttäuscht bin ich jedoch immer wieder von diversen Optionsmenüs - wie schwer kann es sein eine übersichtliche Anleitung und Controller-Belegung ohne fünffache Bestätigung (oder einen zweiten Bildschirm, siehe Nintendo DS) angezeigt zu bekommen?

Kurz: Nervt uns nicht weiter mit miesen und langweiligen Tutorials!

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27.04.2011 15:58 — Daniel Hecht

Beim Durchsuchen meiner Dreamcast-Sammlung stand ich mal wieder vor der Frage: "Mmmmh. Ein neuer Retro-Moment wäre mal wieder 'ne tolle Sache. Was meinst du, m'in Jong? Kriegst deinen faulen Hintern mal wieder hoch? Schauen wir mal... was eignet sich denn überhaupt noch für den nächsten Retro-Moment?"

Ich wurstel mich durch Crazy Taxi (zu seicht), Sonic (zu seicht... und viel zu schnell!), Shenmue (zu populär) über Dynamite Cop (zu gut... he, das könnte man doch nehmen!) und bremse meinen Zeigefinger von 120 auf 0 Km/h samt Schleudertrauma. Leider kommt Monsieur "Ich bin die Größe hinter Looser" einen Zentimeter zu spät zum Stillstand. Sword of the Berserk: Guts' Rage strahlt mich da vom blauen Verpackungsrücken an. Na ok. Dann halt das :-)

Sorgsam ziehe ich die Dreamcastverpackung aus dem Regal - immerhin haben die ollen Doppelhüllen die schlechte Angewohnheit leicht Risse davonzutragen. Verdammt sie hat schon einen Riss. Grmbl. Wieder 30 Euro Sammlerwert für'n Anus. Alter Falter, knutsch mir die Kimme.

Das Artwork, welches mich von der Verpackung anstrahlt hat nur wenig mit dem großartigen Manga-Vorbild zu tun, welches bereits seit mehr als einem Jahrzehnt als DER Geheimtipp für nerdige Manga-Boys mit Mittelalter-Tick gilt. Große Zweihänder, Dämonen mit Titten und soviel schwarzes Blut, dass Mangaka Kentaro Miura sicherlich mehr als 1000 Zeichenfedern dafür hat ausbluten lassen.

Berserk Guts

Definitiv nichts für ein junges Publikum - aber wer achtet im Manga-Handel schon auf sowas? Das Spiel hingegen hat den obligatorischen "NICHT geeignet unter 18 JAHREN" Sticker in grell roter Farbe auf der blauen Packung prangern. Eine wesentliche Ironie am Jugendschutz ist ja, dass er schlecht mit der Zeit gehen kann. Und so kann das eifrige Gemetzel von Guts im Zeitalter von "Ich drück dir deine Augen durch den Schädel!" - Kratos und "Ich punkte am liebsten mit meiner Kettensäge" - Jack (Madworld, falls jetzt nicht gleich jeder drauf kommen sollte) nur noch wenig durch Brutalität glänzen.

Berserk 06 MangaWas das Spiel auch gar nicht nötig hat. Schließlich geht es um Berserk. Einer der besten Fantasy-Geschichten der letzten 20 Jahre. Fassen wir kurz zusammen: Waisenjunge Guts wächst bei seinem fiesen Ziehvater Gambino auf und tötet diesen eines Tages in Notwehr. Schon der junge Guts ist ein begabter Kämpfer - nicht unbedingt ein feiner, ritterlicher Kämpfer, als vielmehr ein brutaler, ausdauernder Berserker mit unzerstörbaren Überlebenswillen.

Nach längerer Reise schließt sich Guts dem Heer der Falken an - einer Elite-Truppe der besten Kämpfer des Landes, angeführt von Sunnyboy "der mit mit dem langen, lockigen Haar" Griffith. Der sich darauf anschließende Aufstieg der Falken gehört mit zu den besten Manga-Geschichten, welche ich bislang lesen durfte... und findet seinen Abschluss in einer fiesen Tragödie, welche ich Euch an dieser Stelle nicht spoilern will.

Übrigens ist der Manga danach noch lange nicht abgeschlossen - nein, hier fängt die Geschichte erst an! Guts wird von Dämonen mit dem Berserker-Mal gezeichnet und verwandelt sich fortan zum schwarzen Berserker-Ritter. Auf seinem Weg abseits der Falken findet er zahlreiche neue Freunde - darunter die Elfe Puck, welche in den verstörenden und düster-blutigen Zeichnungen von Miura hin und wieder für etwas Aufheiterung sorgt, sowie Kjaskar, seine Jugendliebe, welche ihren ehemaligen Kampfgeist verloren hat und kaum mehr als ein geistig zurückgebliebenes Wrack ist.

Berserk 24 MangaZum mittlerweile 35-Band starken Manga (übrigens noch nicht abgeschlossen!) gesellten sich im Laufe der Zeit gleich zwei Videospiel-Adaptionen hinzu: Das hier thematisierte Sword of the Berserk: Guts' Rage für die Dreamcast, sowie Berserk: Millennium Falcon Hen Seima Senki no Shō ("Chapter of the Holy Demon War") für Playstation 2 (2004). Letzterem blieb eine Veröffentlichung außerhalb Japans leider verwehrt - dabei braucht sich der Titel definitiv nicht vor dem Erstling verstecken.  

Guts' Rage hingegen wurde hierzulande 2001 von Eidos vertrieben, denen das Spiel übrigens nicht blutig genug war. So entschied sich die Firma extra für den West-Release nochmal 30 Prozent mehr rote Suppe ins Spiel zu pumpen. Verkehrte Welt!

Angesiedelt ist die eigens für das Videospiel entworfene Geschichte übrigens zwischen Teil 22 und 23 der Manga-Serie: Die Falken haben sich "aufgelöst" und Guts zieht alleine mit Elfe Puck und seiner geliebten Kjaskar durch die Lande... bis sie auf Rita und ihre Künstler-Familie treffen.

Die Synchro zum Spiel hat sich Eidos einiges kosten lassen - deswegen liest sich der Cast auch wie ein frühes "Who is Who" der Synchro-Szene. Held Guts (Michael Bell) kennt man aus dem PsOne-Klassiker Soul Reaver (Raziel!), außerdem sprach er "The Fear" in Metal Gear Solid 3, Peter Jacob in Eternal Darkness, sowie Sed aus Lost Odyssey - von Medivh in Warcraft III: Reign of Chaos ganz zu schweigen.

Ihr seht schon - alleine Herr Bell hat einiges auf dem Kasten. Die Auflistung der anderen Charaktere würde den Rahmen sprengen, aber ein Ausflug in die unbekannte Welt der Synchronsprecher offenbart immer wieder Überraschendes! (Elfe Puck wird von Cam Clarke gesprochen - besser bekannt als Kaneda aus dem Kult-Anime AKIRA! Wow!).

Eine weitere, nette Randnotiz: Sword of the Berserk: Guts' Rage erschien nur zwei Wochen (Ende 1999) vor Shenmue in Japan. Beide Titel gehörten übrigens zu den ersten Spielen, in denen Quick-Time-Events (QTEs) vorkamen - nur prägte später Shenmue's Director Yu Suzuki den Begriff als solchen und die Verbindung mit Sword of the Berserk geriet in Vergessenheit.

Was macht das Spiel denn jetzt eigentlich eines Retro-Moment würdig, wenn man die Brutalität und Literweise Blut beiseite schüttet? Klare Antwort: Das Schwert! Ich erinnere mich ohnehin nur an sehr wenige (bis gar keine) Spiele, in denen Schwerter von Helden mit der Umgebung kollidieren können. Guts' Schwert hingegen KANN mit der Umgebung kollidieren - was bei einem über 2 Meter langen und dermaßen breiten Zweihänder auch nicht wirklich überraschend ist.

Berserk 22 MangaKurz: Guts' Rage ist bis heute eines der wenigen Spiele, welche trotz des wenig realistischen Ansatzes ein fulminantes Schwert-Gefühl entstehen lassen. Der Zweihänder prallt in engen Kerkern gerne mal gegen die Wände - zum Glück hat unser Berserker-Held aber anstelle eines linken Armes noch eine "eingebaute" Armbrust parat, welche Euch die fiese Dämonenbrut in engen Korridoren vom Hals hält.

Aber wenn Ihr mit dem Zweihänder durch Horden von Mutanten schnetzelt und die Rotoren des Dreamcast-Vibrators in Euren Händen kaum zur Pause kommen - ja, dann spürt Ihr eine Prise Schwertmagie, die man seitdem nur in wenigen Spielen vermittelt bekommen hat.

Die schiere Größe des Schlächters ist übrigens ungeschlagen, soweit ich weiß. Ich meine... welcher Videospielcharakter trägt schon so ein Schwert mit sich herum? Link? Nee, dagegen ist selbst das Master Schwert ein Brotmesser. Alucard? Nicht mehr als eine heiße Nadel! Ryu Hayabusa? Zumindest blutiger. Aber größer? Cloud Strife... ah jetzt ja! Hier hätten wir endlich einen Kandidaten.

Welches Schwert war zuerst da? Das von Cloud oder das von Guts? Nun, Final Fantasy 7 erschien 1997, erste Demos (Tobal Nr. 1!) und Bilder gab es bereits 1995. Die Erstausgabe des Mangas erschien am 26. November 1990. Noch ein Sieg für Guts!

Der Soundtrack zum Spiel stammt von Susumu Hirasawa - einem recht eigentümlichen Musiker, dessen Werke Euch zuletzt wahrscheinlich im grandiosen ("wischt mit Inception den Boden auf") Anime "Paprika" durch die Ohrmuschel gesaust sind (zum Beispiel der Titeltrack -> Link!). Das bekannteste Werk aus Berserk ist dieses hier, charmant untermalt mit einigen Bildern aus dem sehenswerten Anime (und nein, er singt nicht "Horses" sondern "Forces"!):

Derselbe Song dient als Anfangsmelodie des Spiels. Doch seht selbst - hier die ersten 10 Minunten, in denen bereits eines klar wird: Das Spiel geizt nicht mit Zwischensequenzen. Ganz und gar nicht! Soweit ich mich entsinnen kann, wurde die Länge der teils exzellenten Sequenzen damals sogar kritisiert.

Weiteres Merchandise? Nicht nur die Zeichnungen von Miura begeistern Berserk-Fans - auch die zahlreichen Fan-Artikel sind dank ihrer düsteren und detaillierten Oberflächen sehr beliebt. Infos findet Ihr unter anderem auf www.art-of-war.co.jp

Ihr seht schon - ich könnte ewig weitererzählen. Berserk ist eines der ganz großen Themen, und Ihr dürft mich ruhig Fanboy schimpfen - wenn nicht hier, wo dann? Doch bevor ich Euch weiter nerve, will ich diesen Retro-Moment Moment sein lassen - und nicht zur Lebensgeschichte aufplustern.

Als Berserker mit Riesenschwert auf Dämonenjagd gehen? Mein neuer Retro-Moment!

Kleiner Tipp für alle, die jetzt erst auf den Geschmack gekommen sind: Neben den eher schlecht erhältlichen 35 Einzelbänden, hat Planet Manga auch eine "Berserk Max"-Reihe gestartet, in der jeweils zwei Mangas in einem Band enthalten sind - soweit ich weiß ist bereits Teil 16 aus dieser Reihe veröffentlicht (also bis Manga 32).

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23.03.2011 17:24 — Daniel Hecht

Ja, ich weiß: Der neue Retro-Moment ist längst überfällig. Aber auch ein Daddler braucht mal Schreibpause (und hat diese für einen schnellen Durchmarsch durch Mass Effect 1 perfekt genutzt). Dazu kommt, dass dies hier kein "normaler" Retro-Moment wird. Ihr seht schon an der Überschrift, dass ich hier nicht über ein spezielles Spiel meiner Jugend schwafeln will - sondern diesmal etwas weiter aushole.

Außerdem habe ich die lästige "...der Woche" Phrase gestrichen. Will heißen: Der Retro-Moment kommt jetzt, wenn er kommt ("It's done when it's done!") - dies lässt mir mehr Freiräume auch mal wieder normale Blogbeiträge zu verfassen und am Japan-Ratgeber zu werkeln (diese Zeile wurde geschrieben, als Japan noch nicht im Chaos versunken war - ich denke dass Japan-Ratgeber momentan nicht besonders sinnvoll sind und mir laufen noch immer kalte Schauer ob der Katastrophe über den Rücken).

Kommen wir zum Thema! Trailer. Trailer zu Videospielen. Beim Schreiben des letzten Retro-Moments über Super Mario 64 bin ich auf das legendäre Nintendo 64 Promo Video gestolpert und habe mir gedacht: Verdammt, damals hatten Trailer noch einen anderen Stellenwert als heute. Und - was nicht unerheblich ist - sie kamen auf VHS-Kassetten!

In Teil 2 und Teil 3 bekommt Ihr noch Perlen wie Pilotwings 64 und Wave Race 64 zu sehen - sowie eine Vorschau auf die Titel der Zukunft. Verdammt, ich habe dieses Video geliebt und bestimmt mehrere Male täglich verschlungen!

Mein erster Trailer dagegen war... aus Papier. Denn damals gab es noch keine Trailer. Bin mir nichtmal sicher ob es Trailer zu Filmen gab, geschweige denn zu Videospielen. Was natürlich Quatsch ist. NATÜRLICH gab es Filmtrailer. Aber Videospiele? Pah, damals waren Videospiele in etwa so bekannt und verbreitet wie Betamax-Videospieler heute. Und so war meine erste Begegnung mit dem neuen, "soon to be revolutionary" Medium aus Papier. Ein dünnes Werbepamphlet für das Nintendo Entertainment System.

The Goonies 2Nagelt mich nicht darauf fest, das einzige woran ich mich heute noch erinnere... sind die Goonies! Das Spiel hörte auf den Namen The Goonies 2 und erschien im 19. Dezember 1988 über Konami in Europa. Da war ich gerade mal sieben Jahre jung. Eigenartig dass ich mich so gut daran erinnern kann, aber das Spiel hatte etwas, was sicher für einen ganz eigenen Retro-Moment reichen würde (Erinnerungsflash gibt's im YouTube-Video).

"Etwas, was die Gedanken beflügelt. Etwas, was mich wuschig macht. Etwas was die Vorfreude schürt." Meine eigenwillige Interpretation von Trailern. Genau so etwas hielt ich mit diesem billigen Werbeheftchen in meinen jungen Pummelhändchen. Die Goonies wurden auf zwei Seiten mit einigen Screenshots und üblen Werbe-Texten abgehandelt. Weitere "Themen" rangierten von Duck Hunt bis zu Tetris.

Ich zeichnete damals bereits erste Level aus The Goonies 2 aus dem Heft auf Papier nach, so fasziniert war ich davon. Zum Level-Designer hat's leider bis heute nicht gereicht.

Steigen wir erneut in die Zeitmaschine und überspringen wir gleich mehrere Jahre übelster Trash-TV-Werbung und einer extrem jugendlichen Ausrichtung des Mediums. Wir landen 1994, im Jahr des Affen. Donkey Kong um genau zu sein. Donkey Kong Country, um noch genauer zu sein. Videospielzeitschriften gehörten mittlerweile zur täglichen Lektüre - die Erstausgabe der MAN!AC erschien übrigens im November 1993.

Trailer für Videospiele steckten noch in ihren Kinderschuhen - dafür kam zu Donkey Kong Country das passende VHS-Tape in den Handel. Ich habe Bauklötze gestaunt, ob der genialen Animationen der Kongs... und der grandios gestalteten Hintergründe. So gehört Donkey Kong Country mit zu den ersten "Trailern" an die ich mich überhaupt erinnern kann.

Ganz nebenbei: Was war das eigentlich mit Nintendo und brutaler Metal-Teaser-Mucke? Jedes Werbevideo wurde damals noch mit brutalen Riffs unterlegt - weit abseits der heutigen Friede-Freude-Eierkuchen Ausrichtung. Bitte ändern ;-)

Nur wenig später betritt ein weiteres, großes Thema die Trailer-Bühne: die E3. Ich war bereits zu dieser Zeit so vernarrt in Trailer, dass ich mir die überteuerten E3-Berichterstattungen auf VHS kaufte. Ich weiß nichtmal, wer diese Kassetten vertrieben hat - jedenfalls gab es jedes Jahr pünktlich zur E3 bis zu 6 Stunden Videomaterial auf VHS, verkauft in einem kleinen Gamestore hier in Düsseldorf (den es heute natürlich nicht mehr gibt - Friede seiner Asche).

Ganz im Ernst: ich habe die 6 Stunden immer komplett durchgehalten. Gebannt vor der alten Röhre hockend. Verdammt, ich habe mir sogar sämtliche Ausschnitte zu Madden, NHL und NBA Spielen angesehen - ein Genre, mit dem ich bis heute nichts anfangen kann. Habe Wunschlisten erstellt. Habe mich dem PR-Teasing hingegeben wie eine willige Spielerhure. Ja, Leute, berieselt mich mehr mit dem Zeug! Ich will mehr sehen!

Damals war die Gefahr noch groß, dass die im Trailer präsentierten Inhalte vorgerendert und geschönt warten - nicht dass es so etwas heute nicht mehr geben würde, nur ist heute der "Wollen die mich verarschen?"-Ausfall vor der heimischen Konsole wesentlich geringer, als zu Beginn der Playstation oder der Dreamcast Ära. Da wurden aus vorgerenderten Heroen plötzlich fies flackernde Pixelgewulste.

Auf der anderen Seite wurden in diesem langen Zeitraum absolute Trailer-Legenden geboren, wie der erste Auftritt von Metal Gear Solid auf der Playstation, die Vorstellung von Final Fantasy 7 (und der damit beschlossene Siegeszug von JRPGs im Westen) oder die Rückkehr von Link in Ocarina of Time.

Neben der E3 und der Tokyo Game Show (die erste fand 1996 statt), wurde das Internet im Laufe der Jahre immer wichtiger. Anfangs dank mieser Leitungen kaum etwas für die Masse, gewannen Trailer über YouTube spätestens nach der Jahrtausendwende immer mehr Publikum. Weiteren Aufwind gab es durch diverse Internetportale (IGN, Gametrailers, Kotaku und Co.). "Der Trailer" galt nicht mehr nur als simples Werbemedium, sondern wurde zum Lifestyle-Gut einer ganz neuen Generation an Spielern - ich persönlich nenne die Jungs und Mädels gerne "Generation Hollywood".

Heutzutage gibt es mehr Trailer als Spiele - denn nicht alles, wozu wir einen Trailer finden, erscheint letztendlich in spielbarer Form... oder neigt zu längerer als ursprünglich geplanter Abstinenz. Duke Nukem Forever, Starcraft: Ghost und (um etwas aktueller zu bleiben) True Crime: Hong Kong sind nur einige von vielen Beispielen, in denen Trailer bereits erstes Interesse geweckt hatten, letztendlich aber nie ein passendes Spiel dazu erschien.

Viel wichtiger: Wir können uns nur einen Bruchteil dessen leisten, was Trailer uns für "Interessant, wird gekauft!" erachten lassen.

Dazu kommt etwas, was unter dem lauten Aufschrei "SPOILOR!1zwölf!" in zahlreichen Foren verteufelt wird. Dank akuter Trailerschwemme werden wir nicht "nur" heiß auf das jeweilige Spiel gemacht, nein, uns wird ein großer Teil des Spiels bereits gezeigt. Überraschungen während des Spielerlebnis? Nada! "Den Boss hab ich schonmal gesehen, mein bester NPC-Freund hat zwar ins Gras gebissen - aber Wurst! Wußte ich eh schon! Oh, es gibt im letzten Level eine Szene, in welcher der Boss aus dem Wasser springt und mit Raketenwerfer beharkt werden muss? Schon getan, schon gesehen."

Kurz: "Luke, ich bin dein Vater!" in einer ganz neuen, teils erschreckend weitreichenden Dimension.

Das Problem: Nicht nur wir Spieler feiern neue Trailer wie ein vorgezogenes, aus seiner hübschen Verpackung gerissenes Weihnachtsgeschenk. Auch die Medien - also streng genommen doch wieder wir, schließlich hocken auch am anderen Ende letztendlich Gamer - lassen nichts aus, um den neuen Trailer von "Boah Krasser Ego-Shooter mit Krieg und so, Teil 18" wenige Sekunden vor der Konkurrenz zu zeigen. Geschwindigkeit ist alles.

Für mich persönlich ein gutes, aktuelles Beispiel: Marvel vs Capcom 3. Leute, was gab es da für Trailer! Erstmal hätten wir da die eher cineastisch angehauchten Trailer, in welchen die Superhelden sich in schnellen Schnitten eines auf die Moppe geben. Die Charakter-Trailer, in denen praktisch jeder Charakter einzeln vorgestellt wurde. Die Kombo-Trailer, in denen das Spielsystem vorgestellt wurde. Als Marvel vs Capcom 3 dann endlich herauskam, war mein Interesse (und ja, ich hatte durchaus Interesse!) beinahe vollkommen erloschen. Ich hatte jeden Kämpfer gesehen. Jeden Special-Move sowohl in linker, wie in rechter Ausführung gesehen. Jede Siegespose begutachtet.

Ein anderes Beispiel: Call of Duty: Black Ops. Hier wird weniger verraten, dafür aber auch praktisch NICHTS aus dem Spiel selbst gezeigt. Eine cineastische Sequenz jagd die andere... und macht uns wuschig auf ein Spiel, welches kein einziges Mal aus der gewohnten Ego-Perspektive gezeigt wird.

Kurz: Ich bin Trailer-satt. Und: Ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige Gamer bin, der in den letzten Jahren so mit Trailern gefüttert wurde, dass sich das innere Spielkind vor Überdruß übergeben muss. Nein, wir haben den Zeitpunkt noch nicht erreicht, an dem Trailer obsolet werden - dafür ist die Branche und die Kundschaft zu groß geworden, viele "neue" Zocker sind erst mit diesen Trailern aufgewachsen, als dass sie diese bereits jetzt verteufeln könnten.

Aber irgendwo tief in uns drin, wünschen wir uns diese Zeiten doch zurück. In denen man nicht wußte, was hinter dem Geschenkpapier steckt. In denen Überraschungen noch wirkliche Überraschungen waren. Doch Trailern deswegen eine Abkehr erteilen? Nein, sicher (noch) nicht. Wir als Konsumenten werden gerne geteased.

"Etwas, was die Gedanken beflügelt. Etwas, was mich wuschig macht. Etwas was die Vorfreude schürt." Hoffentlich kann ich diese Definition auch noch in 10 Jahren nutzen.

Anhand von Trailern durch die Zeit reisen? Mein neuer Retro-Moment!

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23.02.2011 17:08 — Daniel Hecht

In Momenten, in denen es mir wirklich, wirklich schlecht geht, denke ich IMMER an das erste Level in Super Mario 64. Ich weiß nicht, ob mich dies zu einem schlechten Menschen macht - immerhin könnte ich auch an meine Hochzeit denken. Oder an die wunderbare Zeit mit meiner Frau in Tokio. Oder an viele andere (weitaus realere) Gegebenheiten.

Aber nein - wenn mich die Schmerzen in Form von fiesen Grippe-Viren, der plötzlichen Erkenntnis dass ich allergisches Asthma habe (und der Weg zum nächsten Krankenhaus ziemlich weit sein kann, wenn man keine Luft mehr bekommt) oder ich mich während meiner Jugend den schwülstigen Schmerzen von Teeny-Depressionen hingegeben habe (Teenage Wasteland!), immer dann spielt sich diese kurze Sequenz vor meinem inneren Auge ab.

Mario 64

Blauer Himmel, grüne Wiesen. Mario prescht vorwärts, vollführt einen Dreifachsprung inklusive Salto... und rennt an dem wohl eindrucksvollsten Kettenhund der Mario-Historie vorbei. Es ist nur diese eine Sequenz, dieser kurze Beginn von Kurs Numero Uno. Der darauffolgende Spurt den Berg hinauf - nicht wichtig. Das Schloss mit seinen vielen Bildern - nicht wichtig. Die epischen Kämpfe gegen Bowser - nicht wichtig.

Da ich Mario's Rücken in meiner nachgespielten Traumwelt sehen kann, bin ich natürlich nicht Mario. Wer ist schon Mario? Nein, ich bin nicht Mario - ich sehe ihm nur zu. Drückt mal jemand auf die Rückspultaste? Danke!

Irgendwann im Sommer 1996. Es ist heiß... und ich bin gerade mal 15 Jahre alt geworden. Neben Playboy-Ausgaben und gebrannten Porno-CDs bestimmen Videospiele mein kleines Nerd-Leben. Mein Bruder und ich sind mit unserer Mutter zu Besuch bei meiner Oma. Zu diesen Zeiten gliederte sich meine Verwandtschaft noch in "die böse Oma" und "die liebe Oma". Letztere gab mehr Taschengeld. Kann mich noch gut daran erinnern, dass sie Stephan (einem guten Freund - bis heute) mal einen 10 Euro Schein in die Hand drückte. Oder waren es damals noch DM? Weiß der Geier.

Ich schweife schon wieder ab. Jedenfalls wohnte meine Oma in Monheim, einem kleinen Kaff zwischen Düsseldorf und Leverkusen, nahe am Rhein gelegen. Und da ich meine Oma mochte, mochte ich auch Monheim. Meine Oma kaufte mir viele Videospiele. Heute wohne ich selbst hier, in der alten Wohnung meiner Oma. Es ist ein ganz kleines bißchen so, als hätte ich das damals schon gewußt - das heimelige Gefühl dieser vier Wände hat sich nie verändert. Meine Oma ist mittlerweile weit über 90 und lebt bei meinen Eltern.

Damals thronte in Mitten des hiesigen Einkaufszentrum ein kleiner, üsseliger PC-Shop, der auch einige Videospiele im Programm hatte. Überteuert. Abgelegen. Aber hinter der Schaufensterscheibe war ein großer Fernseher aufgebaut, inklusive Nintendo 64 und Super Mario 64. Die kleinen Hocker davor waren für Kinder gedacht. Super Mario 64 sollte hierzulande erst am 1. März 1997 erscheinen. Aber dort lief es bereits. Kein Traum. Kein Wunschdenken. Schlicht ein japanischer N64 mit einer japanischen Version von Super Mario 64. Zeit ins Bild zu springen!

Mario 64 Level 1

Der Verkäufer schien das Teil mit guten Gewissen gekauft zu haben – schließlich bot er den unwiderstehlichen Deal “Zwei Euro pro viertel Stunde” an. Nagelt mich nicht darauf fest. Können auch 5 DM gewesen sein. Es war nicht billig. Es ist lange her. Und mein Erinnerungsvermögen ist nicht das beste. Woran ich mich jedoch stark erinnere ist die erste Begegnung mit einem N64-Controller.

Über Jahre hinweg waren wir an einfache Pads wie das vom Super Nintendo oder der Playstation gewöhnt worden – Nintendo machte den ersten Schritt in Richtung Analog-Controller. Dennoch fühlte sich das Pad zunächst seltsam an. Die gelben C-Knöpfe schienen auf den ersten Blick viel zu klein, das Umgreifen zwischen Analogstick und Digitalkreuz war absolut ungewohnt. Dennoch gehörte es zu DEN Momenten meiner Videospielgeschichte, dass ich Mario mit dem knubbeligen Stick nach vorne bewegte und sich meine Daumenporen in die hauchdünnen Rillen des Sticks drückten.

Mario verfiel in einen gemütlichen Trab,… und rannte drauflos. Gehen. Traben. Rennen. Gehen. Traben Rennen. Das erste Mal im Schlossgarten schwimmen gehen. Schwimmen in 3D. Nicht das 3D, welches wir heutzutage meinen. Es folgten der erste Dreiersprung in 3D (“Uaaa, Huuhuuu, Yippiiieh!”), das erste Treffen mit Lakitu (inklusive Erklärung wie man eine virtuelle Kamera zu führen hat), der erste Schritt ins Schloss (samt fieser Bowser Lache)… und das erste Bild.

Bilder in die man hineinspringen konnte, waren selbst damals nichts besonderes. Jedenfalls glaub ich das heute – es gab bestimmt schon vorher 2D-Spiele, in denen Bilder ins nächste Level führten (klärt mich auf!). Der schicke Welleneffekt, welcher beim Abtauchen ins Bild über den Bildschirm waberte war jedoch sicher neu und faszinierend. Ebenso faszinierend ist es, wie selbstverständlich wir heutzutage realistische Wellen- und Wasser-Effekte empfinden – das Nintendo 64 war damit jedoch absoluter Vorreiter (siehe auch das fantastische Wave Race).

Ich denke ich könnte endlos weiter lamentieren - immerhin gehört Super Mario 64 bis heute zur absoluten Elite der Videospiele. Aber ich muss nicht viel mehr reden - beinahe jeder von Euch dürfte das Spiel selbst gespielt, die knuffigen Soundeffekte genossen und mit schweißnassen Händen das erste Mal Bowser am Schwanz gepackt und den ersten Wurf in eine Mine meilenweit vergeigt haben.

Deswegen nur soviel: Super Mario 64, besonders die Vorstellung an meine ersten Schritte im virtuellen Pilzkönigreich, helfen mir heute dabei schwierigen Momenten zu entfliehen. Andere machen Yoga, wieder andere gehen zum Psychiater, ganz andere wandeln ihren Schmerz in Aggressionen um. Vielleicht bin ich deswegen so eine ausgeglichene Person. Weil ich an Mario denke. Und was kann daran schon falsch sein?

Yoga für die Seele mit Super Mario 64? Mein Retro-Moment der Woche!

Mario and me

PS: Ok, ich habe doch gegoogelt: "Der Euro wurde am 1. Januar 1999 als Buchgeld, drei Jahre später am 1. Januar 2002 erstmals als Bargeld eingeführt." (Wiki) - Also spart Euch die Kommentare. Es waren DM!

PPS: Der fiese PC-Laden existiert nicht mehr.

PPPS: Meiner Oma geht's noch immer gut. Sie erzählt zwar immer die gleichen Geschichten, aber sie erkennt mich noch. "Kein Kadette hat er gesagt." Nein, ich bin kein Kadette. Noch immer nicht. Liebe Grüße an Omi aus einem Medium, welches sie (leider) nie verstehen wird.

PPPPS: Meine andere Oma ist mittlerweile tot. Und sie war natürlich keine böse Oma.


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16.02.2011 17:23 — Daniel Hecht

Hachja, sie werden soooo schnell erwachsen. Stolze 20 Lenze zählt der Retro-Moment jetzt schon... und wächst mir langsam, aber sicher über den Kopf hinaus. Lasst mir Euch eines sagen: Es ist gar nicht so einfach sich jede Woche auf's neue an ein fantastisches Spiel seiner Jugend zu erinnern. Auch wenn es sich verlockend anhören mag. Es ist nicht einfach. Wirklich nicht.

Euch allen möchte ich jedenfalls ein ganz, ganz dickes Dankeschön für all die netten Kommentare geben. Gute 500 Kommentare bis heute übrigens - bin stolz auf Euch :-D

So ist meine Schreibe zwar noch immer nicht gut genug um die Marmelade auf dem Toast vor mir zu finanzieren, aber es gibt Aufwind. Noch mehr Aufwind, als die Linsensuppe meiner Schwiegereltern mir gestern ohnehin schon gegeben hat.

Conker Oh Shit!

Angefangen hat alles mit einem Ausflug in die versauten Welten von Conker dem Eichhörnchen, Zwischenstopps gab es in der Slime World, bei einem Besuch der Kanoni-Brüder in Secret of Mana, einer aufregenden Begegnung mit pixeligen Zombies, sowie noch viel, viel pixeligeren Alien-Ärschen. Unter den Konsolen habe ich bisher vorwiegend das NES (mea culpa!), dicht gefolgt von der guten alten PSOne und dem Super Nintendo mit Momenten bedacht - aber auch Exoten (3DO, Lynx) und aktuellere Konsolen (Dreamcast, PS2) durften mal ran.

Fehlt noch... richtig! Das Mega Drive! Das Master System! Der Game Gear! Problem: Ich besitze zwar ein Mega Drive und einen Game Gear, ersterer wurde jedoch (lang, lang ist's her!) nur aufgrund der Sonic-Saga gekauft, während letzterer den Weg über meinen Bruder in meine Sammlung fand. Dementsprechend schwierig sind Erinnerungen zurück an die Sega-Zeit, welche für mich unglücklicherweise erst mit dem Dreamcast begann.

Überhaupt sind Erinnerungen ein seltsames Phänomen: Der genannte Dreamcast liegt beispielsweise bereits gute 11 Jahre zurück - vom Gefühl her könnte es gestern gewesen sein, dass ich mit Ryo Hazuki durch seinen Dojo getrappelt bin und mich das erste Mal Lan Di stellen musste. Dass ich mit einem Taxi ("It's time to make some craaazy money!") unter den Klängen von Bad Religion durch San Francisco rasen durfte (Runterschalten, Hochschalten, Gas geben!). Dass ich ungläubig auf den großen Wal starrte, der da hinter Sonic aus dem Meer sprang.

Shenmue Retro Moment

Erstaunlicherweise habe ich an die "neue" Generation kaum mehr Erinnerungen, während ich Euch beinahe blind jedes Spiel aus der NES-Zeit runterbeten könnte. Dies hat nicht zuletzt mit dem absoluten Overkill an neuen Spielen zu tun - ein bekanntes Problem, welches schon in zahlreichen Blogs angesprochen wurde. Ungespielte Perlen, welche im Regal vor sich hinmodern. Der Grund: Ich werde erwachsen. Wir werden erwachsen. Zumindest was mangelndes Zeit-Management betrifft. Und die Welt um mich herum altert beinahe genauso schnell - plötzlich wird munter geheiratet, die Streber von Gestern offenbaren sich als die neue, konservative Elite und selbst Nachwuchs ist kein Tabu-Thema mehr.

Kurz: Das innere Kind leidet, wenn es um Steuererklärungen, Job-Suche, Ehe-Krisen und weltliche Dinge fernab der träumerischen, virtuellen Spielewelt geht. Und das Kind hat plötzlich nicht mehr die Zeit für sein Hobby, welche es noch vor einigen Jahren hatte. Da ist es dann auch kein Wunder, dass epische Rollenspiele mittlerweile zum puren Zeit-Luxus gehören - und es ist der wohl wesentliche Grund, warum "Quickies" wie Arcade-Spiele, Handy-Spiele und facebook-"Ja, ich lasse mein Gehirn an der Rezeption zurück"-Kram in einem Aufwind stehen, der seinesgleichen sucht.

Leider steht die Branche vor einem schwierigen Spagat: Die Kreativ-Köpfe alter Zeiten danken ab, während die neuen Game-Designer kaum mehr drauf haben, als Zahlen in Excel-Tabellen hin- und herzuschubsen. Nur wenige der abertausenden Neuerscheinungen verkaufen sich richtig gut, dennoch liegt der Fokus nicht auf "Kreativität" - vielmehr wird nachgeahmt und kopiert. Aus einem guten Spiel wird schnell eine mehrteilige Saga und neue Konzepte müssen erst von den Frauen der Chefs (von den Firmenleitern deren Schwagern Vätern) absegnet werden.

FPS Design heute / damals

Aber ich schweife mal wieder ab. Immerhin war zumindest letzteres zu Zeiten von Street Fighter 2, Street Fighter 2 Turbo, Super Streeet Fighter 2 oder einer kleinen Serie namens Mega Man nicht anders. Nur hatte ich damals noch keine Ahnung davon, was in den Firmen meiner Lieblingsspiele so abging. Damals gingen die Hassgesänge der Fans gegen die Konkurrenz der heimischen Konsole ("Nintendo stinkt und Kirby ist schwul!"), heute geht der Forenhass in Richtung aller Publisher - kein Wunder, wenn sich ein hohes Tier mal wieder als absolut ahnungslos herausstellt und mal eben 500 Leute auf die Straße setzt.

Es bleiben die Erinnerungen an die Spiele. Ich denke nicht, dass ich in zwanzig Jahren einen Retro-Moment über Call of Duty: Serbia Mass Destruction verfassen könnte. Oder über Zelda 10: The Legend of Link travelling through time again. Oder über Marvel VS Super Street Figher 8 Turbo. Oder Final Fantasy 19. Im Gedächnis bleiben die Spiele, welche zuerst kamen. Welche ein Genre gründeten, oder abseits der Masse schwammen. Katamari Damacy. Nier. Deadly Creatures. Brütal Legend. Guitar Hero.... bevor es von den geldgierigen Bossen bei Activision zu Tode vergerockwaltigt wurde.

Das Wichtigste zuletzt: diese Erinnerungen gehören uns allen. Doom hat uns nachweislich nicht zu Massenmördern mutieren lassen, sondern es hat unser kartographisches Gedächnis geschult. Und Mario hat uns beigebracht, worum es im Leben wirklich geht: Die Prinzessin retten. In welchem verdammten Schloss sie sich auch verstecken mag. Die Prinzessin retten!

Euch einen an den Bart labern und in der Vergangenheit schwelgen? Mein zwanzigster Retro-Moment der Woche!

PS: Wer mal wieder einen richtigen Flashback sucht, dem kann ich zur Zeit wärmstens das PC-Spiel Desktop Dungeon empfehlen. Ihr benötigt stolze 4,5 MB freien Platz auf Eurer Festplatte, der Download ist kostenlos und erfolgt über diese Seite. Ist zwar ein PC-Spiel... aber verdammt, aus diesen Zeiten sind wir langsam raus, in denen man keinen "Spiele-PC" zu Hause stehen hatte. Wobei Ihr Desktop Dungeon übrigens auch noch gut mit Eurer alten Möhre von 1995 zocken könntet. Oder auf dem Teil, über welches Ihr diesen Text lest.

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