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10.09.2010 16:28 — Benjamin Hillmann

Im Fahrwasser von Matthias' reichlich diskutierter Auseinandersetzung mit Activisions virtueller Geschlechterpolitik sorgte die Meldung um Jade Raymond und den Ausbau von Ubisofts Toronto-Studio ebenfalls für ordentlich Gesprächsstoff. Schließlich ist die Videospielindustrie ein überwiegend von Männern dominierter Spielplatz. Böse Zungen behaupten sogar, Jades Führungsposition wäre bloß plumpe PR-Taktik, um die Aufmerksamkeit der an Testosteron überbrodelnden Zockerwelt auf sich zu ziehen. Frauen am Schalten und Walten in der Videospielindustrie? Gibt es das wirklich? Wer einen Abstecher in die Geschichte unseres Hobbys macht, kommt schnell zu der eindeutigen Erkenntnis: Ja!

saDa gibt es z.B. Roberta Williams, die 1979 zusammen mit ihrem Ehemann Ken den Entwickler On-Line Systems gründete, später bekannt unter dem Namen Sierra On-Line bzw. Sierra Entertainment. Williams ist damit Ziehmutter vieler kultiger Adventure-Titel wie z.B. Al Lowes Leisure Suit Larry-Reihe oder den King's Quest-Spielen, an denen sie bis Teil VII sogar selbst programmierte. Bei dem Larry-Vorgänger Softporn Adventure posierte sie sogar auf dem Cover (Bild rechts, ganz rechts) – man kann wohl in den meisten Fällen froh darüber sein, dass sich männliche Kollegen daran kein Beispiel genommen haben.

Doch auch im Shooter-Genre fühlt sich das weibliche Geschlecht schon lange wohl. So zeichnet sich z.B. für das lange in Deutschland indizierte River Raid auch eine Frau verantwortlich. Carol Shaw programmierte das Shoot'em up 1982 für Activision.

mieMie Kumagai (Bild links) arbeitete seit 1993 nicht nur als Produzentin für Segas Hitmacher AM3 (heutzutage passenderweise bekannt unter dem Namen Hitmaker) und hat so ihren Teil zu Arcade-Perlen wie Virtua Tennis und Crazy Taxi beigetragen, sie wurde 2003 sogar zu Präsidentin des Studios ernannt. Auch wenn das japanische Geschäftswesen für alles andere als Gleichberechtigung unter den Geschlechtern bekannt ist, beschäftigt gerade die japanische Videospielindustrie mehr Frauen als die westliche Konkurrenz. Dass Videospiele in Nippon schon weitaus länger mit der Alltags-Kultur als im Westen verwoben sind, spielt hier sicherlich eine Rolle.

ahAber auch im Westen gibt es Beispiele jenseits der üblichen Tätigkeiten im PR- oder Marketing-Bereich. Und ich beziehe mich jetzt einmal nicht auf Jade Raymond (und nutzte es auch nicht als Möglichkeit ein Bild von ihr zu posten). Wenn es eine Frau gibt, die in den letzten Jahren Zockerherzen zum Glühen gebracht hat (und zwar durch die Qualität der Spiele), dann ist das wohl Amy Henning (Bild rechts).

Die Amerikanerin verhalf in den späten 90ern Crystal Dynamics und der Legacy of Kain-Reihe zu großem Ruhm. Nach der Mitarbeit am Erstling Blood Omen hielt sie bei den Nachfolgern Soul Reaver, Soul Reaver 2 und Defiance als Autorin, Produzentin und Game Director alle Fäden in der Hand. Die komplexen und erfrischend andersartigen Geschichten rund um Obervampir Kain, Racheengel Raziel und deren Kampf gegen die Kräfte des Schicksal begeistern noch heute.

srEndgültig an die Spitze der aktuellen Entwickler-Elite katapultierte sich Henning mit ihrem Wechsel zu Naughty Dog und der Veröffentlichung von Uncharted: Drakes Schicksal. Nicht nur überwachte sie als Kopf der Produktion den kreativen Entstehungsprozess von Nathan Drakes erster Schatzsuche und dem Nachfolger Uncharted 2: Among Thieves, die Abenteuer des flapsigen Glücksritters stammen auch aus ihrer Feder.

u2Jade Raymond und Amy Henning sind nicht die einzigen Frauen hinter Blockbuster-Produktionen wie Assassin's Creed und Uncharted. Während den meisten Gamern schon jetzt bei jedem neuen Detail zu Deus Ex: Human Revolution der Sabber auf's Joypad tropft, wissen vielleicht die wenigsten, dass auch an Square-Enix' Cyberpunk-Opus eine Frau werkelt. Mary DeMerle ist die leitende Autorin hinter dem Plot um Protagonist Adam Jensen und schreibt seit mehreren Jahren an der Geschichte.

Videospiel-Entwicklerinnen arbeiten heutzutage an der ersten Designfront und das nicht nur bei Ponyhof- und Schuhladen-Simulationen, wie so mancher Couch-Macho gerne behaupten würde. Und gerade das beliebte (aber inzwischen auch arg ausgelutschte) Action-Genre könnte einen gewissen femininen Touch vielleicht ganz gut vertragen. Schließlich bewies Film-Regisseurin Kathryn Bigelow (Bild unten) mit Tödliches Kommando – The Hurt Locker dieses Jahr bei den Oscars nicht nur, dass eine Frau auch einen packenden Kriegsfilm inszenieren kann, sondern führte der Männerwelt vor, wie echtes Testosteron-Kino aussehen kann.kb

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20.04.2010 16:41 — Benjamin Hillmann

ebertRoger Ebert, renommierter Filmkritiker und allgemein anerkannter "Kino-Papst“ der USA (Bild rechts), sorgt aktuell für Unmut bei leidenschaftlichen Videospielern. Der 68-jährige Pulitzer-Preisträger äußerte sich in einem Online-Artikel erneut  negativ über den Stellenwert von Videospielen als Kulturgut. Sein Urteil: "Videospiele werden niemals Kunst sein“. Bevor die ersten von Euch jetzt Fackel und Mistgabel hervorkramen, muss man Ebert zugestehen, dass er kein typischer "Videospiele sind doof und gefährden die Jugend“-Unkenrufer ist.

Sein Artikel ist eine Antwort auf einen 15-minütigen Uni-Vortrag von Kellee Santiago, Präsidentin des Indie-Entwicklers thatgamecompany (Bild links). Die vertritt die Auffassung, dass Videospiele längst Kunst sind, was Ebert versucht mit Gegenargumenten zu widerlegen (den Vortrag findet Ihr als Video unten, leider ohne deutsche Untertitel)

santiagoZuerst einmal sei gesagt, dass Roger Ebert allgemein neuen Medien und Trends gegenüber recht aufgeschlossen ist. Der Filmliebhaber macht in Sachen Twitter-Meldungen sogar Hideo Kojima Konkurrenz. Der Grund, warum er ausgerechnet Videospielen den künstlerischen Mehrwert abspricht, ist die wohl herausragendste Eigenschaft von Spielen: die Interaktivität.

Laut Ebert sei ein Spiel etwas, das man gewinnen kann. Es hat Regeln, Punkte, Ziele und ein Endergebnis. Kunst hingegen sei etwas, das man nur erleben kann. Ein Videospiel, das versuche eine Geschichte zu erzählen, sei nicht mehr als eine Imitation von einem Film oder einem Roman. Es wäre laut Ebert kein Spiel mehr. Kunst sei etwas festes, stringentes mit einer deutlichen Intention. Angeblich konnte ihm noch niemand ein Spiel vorführen, dass dem Vergleich mit großen Dichtern, Filmemachern, Autoren und Komponisten standhalten würde.

flowerDie in Santiagos Vortrag gezeigten Beispiele (u.a. Flower für PS3) seien seiner Meinung nach jämmerlich. "Für die meisten Spieler stellen Videospiele einen Verlust von wertvollen Stunden da, die wir lieber nutzen sollten, um uns zu kultivieren, zivilisieren und zu empfinden“ urteilte Ebert in einem älteren Beitrag.

Ich persönlich habe ein Problem mit Eberts Argumentation. Der gute Mann urteilt (wie so viele andere auch) über Videospiele durch Szenen und Sequenzen, die ihm vorgespielt oder gezeigt wurden. Er hat aber anscheinend selbst noch nie ein Videospiel gespielt. Dabei ist sein Mantra als Filmkritiker ironischerweise, dass niemand über Filme urteilen sollte, der nicht regelmäßig auch Filme rezipiere. Ich habe großen Respekt vor Eberts Arbeit als Filmjournalist, jedoch ist meiner Meinung nach das Medium 'Videospiele' bereits weiter fortgeschritten, als er es wahrnimmt.

shadowVideospiele sind natürlich artverwandt mit klassischen Brettspielen, bieten inzwischen aber zumindest auch die Möglichkeit, komplexe Inhalte widerzugeben. Games stellen also eine Art "Mischmedium“ da, dessen volles Potential erst noch erschöpft werden muss. "Videospiele werden niemals Kunst sein" ist für mich in diesem Zusammenhang ein zu früh gefälltes Urteil.

Ebert fragt am Ende seines Artikels, warum Spieler überhaupt so erpicht darauf seien, Spiele als "Kunst" anerkannt zu sehen.

Natürlich kann mir als Spieler die ganze Diskussion am Netzteil vorbeigehen. Wenn ich aber mal abends lieber eine Runde Shadow of the Colossus oder The Legend of Zelda: Ocarina of Time  spiele, als zu einer DVD oder einem Buch zu greifen, lasse ich mir nicht gerne sagen, dass ich mich an jenem Abend mit "niederen Dingen“ beschäftigt habe.

Sind Videospiele Kunst? Haben sie das Potenzial dazu? Oder haltet Ihr die ganze Diskussion sowieso für überflüssig? Schreibt mir Eure Meinung zum Thema!

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26.02.2010 13:26 — Benjamin Hillmann

Viele Entwickler pochen aktuell auf die wachsende Wichtigkeit von innovativen und gut erzählten Geschichten in Videospielen. Dadurch ist vielerorts eine hitzige Debatte zwischen Spielern, Journalisten und auch Entwicklern über die Zukunft des Mediums entbrannt. Steht eine komplexe Geschichte wirklich im Widerspruch zu einem unterhaltsamen Spielablauf?

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