
Früher, da waren RPGs etwas für ganze Kerle – da wurde die Party selbst erstellt, da brütete man über Skill-Trees und beim Ausflug in den Dungeon lag stets Karo-Papier parat, damit man sich in den verschlungenen Gängen nicht verläuft. Genau diese Zeiten bringt seit ein paar Jahren Atlus‘ Etrian Odyssey-Reihe zurück und tritt den eindrucksvollen Beweis an, dass man für ein gutes RPG weder eine dekadente Automap noch komplexbeladene Helden oder androgyne Schurken und schon gar keine Render-Sequenzen braucht. Es gibt eine Stadt mit Herberge, Kneipe, Gemischtwarenhändler und anderen Anlaufstellen für angehende Helden. In der Nähe lockt ein Dungeon voller Geheimnisse, Gefahren und Artefakte.
Schritt für Schritt erkundet Eure fünfköpfige Truppe die 30 Stockwerke des Labyrinths aus der Ego-Perspektive. Verfärbt sich eine kleine Anzeige rot, dann wisst Ihr, dass ein rundenbasierter Kampf bevorsteht. Neben normalen Nieswurzen tummeln sich die fiesen F.O.E.s in den Stockwerken: Diese Monster sind stärker als reguläre Gegner und wischen mit einer unvorbereiteten Party locker den Boden auf – da Ihr sie aber seht, könnt Ihr sie umgehen.
Auf dem unteren Schirm zeichnet Ihr eine Karte mit: Zwar hält das Spiel automatisch jeden Eurer Schritte fest, allerdings kritzelt Ihr Wände, Schatztruhen, geheime Durchgänge, Fallgruben und andere wichtige Orte von Hand ein. Das sorgt für Motivation: Bei jedem Dungeon-Ausflug erkundet Ihr ein paar Meter mehr, durch Eure Kartografen-Tätigkeit habt Ihr das Gefühl, mit der Umgebung peu à peu vertrauter zu werden.
Während sich das zweite Etrian Odyssey noch ein wenig wie eine Mission-Disc zum Erstling anfühlte, bietet der dritte Teil eine Menge Neues: Ihr stapft nicht nur durch den Dungeon, Ihr fahrt auch zur See. Nach kurzer Spielzeit leiht man Euch ein Schiff und Ihr erforscht die Inselwelt rund um Armoroad. Dabei gilt es nicht nur Gefahren auszuweichen, eine Reise verlangt auch den entsprechenden Proviant. Zudem wurden sämtliche Charakterklassen der Vorgänger ausgetauscht: Im dritten Teil zieht Ihr u.a. als Gladiator, Ninja, Kampfmönch, Prinz oder Pirat ins Abenteuer. Durch die neuen Skills und die Umverteilung bekannter Techniken freuen sich Veteranen auf neue Herausforderungen.
Auch im dritten Etrian Odyssey ist der Anfang nicht leicht. Die Kämpfe sind hart, die Einnahmen zunächst mager und die Preise hoch. Aber Durchhalten lohnt sich: Holt Ihr Euch zuerst noch die ein oder andere blutige Nase, stellt sich – sobald Ihr die Grundzüge des Spiels verstanden und erste Erfolgserlebnisse vorzuweisen habt – ein gnadenloser Suchtfaktor ein. Der F.O.E. muss doch zu schaffen sein, und wenn man schon mal im Dungeon ist, dann könnte man doch noch ein paar Rohstoffe sammeln; und außerdem wollte man ja mal eine Figur in einer neuen Klasse erstellen... und ehe man sich versieht, ist eine weitere Stunde vorbei.
Kurzum: Etrian Odyssey III ist ein Spiel für Tüftler, für Forscher und klassische Abenteurer. Wer von seinen RPGs lieber an der Hand von Rendersequenz zu Rendersequenz geführt wird, der beißt sich hier die Zähne aus. Wer dagegen auf motivierendes Dungeon-Design, spielerische Freiheit und knackige Herausforderungen schwört, der gönnt sich das neue Etrian Odyssey und wird für den Rest des Jahres keine neuen Spiele mehr brauchen.
+ toller Soundtrack
+ neue Charakterklassen
+ neues Seefahrt-Element
86 |
Habt Ihr die hohen Einstiegshürden genommen, lässt Euch der grandiose Dungeon-Crawler mit Seefahrer-Bonus nicht mehr los. |
Kommentare
hmm... überleg mir gerade ernsthaft den ersten Teil zu zulegen...
ist ja schon für n paar Euro zu Kriegen..
Es ist eines von diesen Spielen wo man sich richtig ärgert,daß man keinen DS hat.
Zockt:Akai Katana,The Witcher 2,Persona 3 Portable,Treasure of the Rydras
Erinnert ein bisschen an die guten, alten RPG-Klassiker aus den 80'ern!? Denke mit Nostalgie an "The Bard's Tale III" auf dem C64 zurück... das waren noch Zeiten. Hoffentlich erscheint dieser Teil auch noch auf Deutsch. Mit dem Kauf des ersten Teils liebäugel ich jetzt auch schon, seit ich den Test in der letzten M! gelesen habe. Klingt echt gut!!!
Selten habt ihr mich verstanden, selten auch verstand ich euch.
Nur wenn wir im Kot uns fanden, so verstanden wir uns gleich.
ich hab den ersten teil letzte woche für 12 euro bei karstadt bekommen und nicht bereut LOL....
Ein Deutschland-Release ist unwahrscheinlich. Der erste Teil lief ja eher mäßig (ums mal nett auszudrücken) und schon der zweite kam nicht mehr hierher.
Daher rate ich allen, die drüber nachdenken: Riskiert es und holt euch den ersten - der kostet 10-12 Euro und ist jeden Cent wert.
Zockernator hat recht - EO hat so einiges mit den alten Computer-Klassikern gemeinsam.
www.bravenewgaming.de
Ich fand den ersten Teil äußerst zäh und das obwohl ich old-school RPGs eigentlich liebe. Schätze, ich habe auch nicht viel mehr als 10h gespielt. Oder nimmt das Game erst später richtig an Fahrt auf?
Das Leben ist zu kurz für Casual Games.
Spielt gerade Dark Souls, Battlefield 3, Xenoblade Chronicles, Final Fantasy IV The Complete Collection
Der erste Teil ist am Anfang schwer - man muss reinkommen, herausfinden was man sich zutrauen kann und was nicht und vor allem lernen, das man manche Gegner besser umgeht, selbst wenn man alle anderen Viecher eines Stockwerks aus den Latschen haut.
Hat man das verinnerlicht, dann läufts rund.
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In Anbetracht meiner akuten Demon's Soul-Sucht kann es wohl nicht am Schwierigkeitsgrad liegen ;-) Irgendwie war das ganze einfach zu monoton. Ich hatte gehofft da kommt ein Flair a la Eye of the Beholder auf, aber vielleicht war das die falsche Erwartung.
Das Leben ist zu kurz für Casual Games.
Spielt gerade Dark Souls, Battlefield 3, Xenoblade Chronicles, Final Fantasy IV The Complete Collection