
Seite 3
Die Inszenierung von Days Gone kann sich sehen lassen: Die Landschaften und Charaktere sind ein Augenschmaus, kleine Details an Deacons Kleidung lassen uns ebenso mit der Zunge schnalzen wie die hübsch-hässlichen Freaker. Auch die Wettereffekte sind eine Wucht und haben Auswirkungen auf Euer Bike: Auf regennasser Straße oder matschigen Waldwegen bricht Euer Stahlross leichter aus. Ein Highlight ist auch der Schnee, der die Landschaft trügerisch friedlich erscheinen lässt.
Leider wird das Kinoflair gerade in den Zwischensequenzen immer wieder durch Ladezeiten unterbrochen – so lang wie zum Release sind sie nach einigen Patches aber nicht mehr. Die Abstürze aus unserer Testversion 1.02 wiederholten sich ab dem von uns nochmal genau geprüften Patch 1.07 nicht. Die Bildrate gerät im Süden der Karte, den Ihr erst im letzten Teil der Story freischaltet, selbst mit einer PS4 Pro immer wieder gehörig ins Stottern. Dabei ist es scheinbar egal, ob Ihr gerade einsam durchs Mondlicht fahrt oder von hunderten Freakern gejagt werdet. Die Pop-ups ab mittlerer Distanz bei Fahrten mit dem Bike sind dagegen verschmerzbar.
Bei der Vertonung können wir dagegen nicht meckern: Deacon und Co. klingen auf Deutsch und Englisch passend, Schritte auf Teppichboden und Stein hören sich unterschiedlich an und bei aktiviertem Surround-Sound hallen Schussgeräusche von fernen Bergwänden wider. Der Soundtrack erinnert ein wenig an The Last of Us.
In dessen Sphären stößt Days Gone insgesamt nicht vor, auch Horizon: Zero Dawn und God of War sind polierter, ausgefeilter und makelloser. Bend Studio zeichnen ein gewohntes, aber durch die Wahl der ländlichen Region trotzdem interessantes und atmosphärisches Bild der Postapokalypse. Deacon entpuppt sich nach und nach als tiefgründiger Charakter – eine klarere Storystruktur hätte der Spannung aber gutgetan. Zudem bedient man sich reichlich abgenutzter Klischees und Designideen: Springer-, Schrei- und hünenhafte Rammzombies kennt man spätestens seit Left 4 Dead – und das erschien immerhin vor elf Jahren! Und dass Regierungsorganisationen und Biolabors in solchen Geschichten nie etwas Gutes im Schilde führen, weiß man.
Trotzdem ist Oregon eine Motorradreise wert, denn es sieht hervorragend aus und offenbart erkundungswilligen Bikern schöne, gruselige und detailverliebte Schauplätze. Und wenn Ihr Euch unvermittelt einer riesigen Freakerhorde gegenüberseht und überlegt, wie Ihr gegen die Masse von Zähnen und Klauen ankommen sollt, sind die vielen eingestreuten Standardmissionen schnell wieder vergessen.








