
Seite 3
Waffen zum Selberbauen gibt es leider keine mehr. Modifikationen wie Zielfernrohre und diverse unterschiedliche Munitionstypen, die sich an Nachladebänken zudem selbst herstellen lassen, bringen aber genügend Tiefe für Waffenbastler. Durch merklich zähere Gegner muss diese auch voll ausgeschöpft werden. Erscheint neuerdings nämlich ein rotes Schildsymbol vor dem Energiebalken eines Kontrahenten, verursacht Ihr wenig bis keinen Schaden. Per Druck aufs Digikreuz müsst Ihr zum Beispiel auf panzerbrechende Geschosse umstellen, wenn Ihr einem hartschaligen Radskorpion begegnet. Merklich einfacher werden die knackigen Kämpfe, wenn Ihr Euch früh einen Begleiter schnappt, der fortan an Eurer Seite kämpft. Dabei haben Eure NPC-Kumpels jetzt wesentlich mehr Substanz als die Pappkameraden aus Fallout 3. Das neue Menürad, mit dem Ihr nicht nur auf das Inventar Eurer Begleiter zugreift, sondern auch diverse Befehle erteilt, ist allerdings fast überflüssig. Meistens lasst Ihr die Burschen einfach draufhalten und streicht zufrieden grinsend Erfahrungspunkte und Beute ein.
Die Überlebens-Fertigkeit schließlich richtet sich vor allem an Spieler, die im Hardcore-Modus erstmals mit Erschöpfung, Hunger, Durst sowie Munition mit Eigengewicht konfrontiert werden und die sich deshalb an Lagerfeuern alle möglichen Gerichte, Getränke und Heilwässerchen zusammenbrauen. Spielt Ihr ohne Hardcore-Modus, dürft Ihr die Lagerfeuer trotzdem benutzen und etliche neue, leider hässliche Pflanzen sammeln und verarbeiten.
Man kann New Vegas vorwerfen, nicht über denselben politischen Biss wie Fallout 3 zu verfügen und eine weniger bedeutsame Geschichte zu erzählen. Deutlich mehr Sand im Kasten hat das Spin-off aber, wenn es um Handlungsfreiheit und Betätigungen abseits der Hauptquest geht. Seen laden zum Tauchabenteuer, Raketenbasen, Flughäfen und Munitionsfabriken zum Erkunden. Allein die Vielzahl unterschiedlicher Fraktionen bietet experimentierfreudigen Spielern Spaß für Stunden. Da Ihr nun nicht mehr ausschließlich nach Eurem Karma beurteilt werdet, sondern bei jeder Gruppierung einen individuellen Ruf erwerben könnt, kommt eine bislang ungekannte taktisch-soziale Komponente ins Spiel. Richtig bewusst wird Euch das, wenn Ihr mit New Vegas die erste ”Fallout”-Stadt betretet, die diesen Namen verdient! Slums mit verwahrlosten Kindern, der Strip im Neonlicht und Glücksspiel-Minigames locken zum ausgiebigen Zeitverzocken. Dieses unreine Juwel ist es auch, um das die mächtigsten Stämme des Mojave-Ödlands kämpfen. Dabei stehen paramilitärischen Gruppierungen (wie der Republik Neu Kalifornien) oder alten Bekannten (wie der Bruderschaft des Stahls oder den Supermutanten der Nightkin) schrille Gangs gegenüber, die auf bekannten Vegas-Themen basieren. Die Kings sehen alle aus wie Elvis und die faschistoiden Sklavenhändler der ’Caesar’s Legion’ spielen auf das neo-antike Vegas-Hotel Caesars Palace an. Auf wessen Seite Ihr Euch letztlich schlagt, bleibt Euch überlassen. Wählt mit Bedacht, denn nicht zuletzt davon hängt es ab, was Euer Kurier am Ende, wenn nach zig Spielstunden die letzte Kugel verschossen, der letzte Kronkorken gesetzt und der letzte Pokerchip verspielt wurde, in seinem persönlichen Jackpot finden wird.










