
Dieser Artikel stammt aus der M! 359 (August 2023).
MERING • Mit mehr als 50 Millionen verkauften Exemplaren hat The Witcher 3: Wild Hunt erst Ende Mai eine weitere Bestmarke geknackt. Vier Wochen nach dieser Erfolgsmeldung brachte Netflix Staffel 3 seiner Ende 2019 überraschend stark gestarteten und 2021 passabel fortgeführten The Witcher-TV-Serie an den Start. Wir haben die ersten fünf Folgen bereits gesehen (die letzten drei werden erst Ende Juli ausgestrahlt) und waren hin und her gerissen. Kurz zur Einordnung: Während Staffel 2 lose auf Sapkowskis ”Witcher”-Romanen ”Der Letzte Wunsch”, ”Das Erbe der Elfen” und dem Anfang von ”Die Zeit der Verachtung” basiert, liegt der Schwerpunkt hier nun gänzlich auf den Ereignissen des letztgenannten Buches. Los geht es mit einer durchaus packenden Auftaktfolge, in der Geralt, Yennefer und Ciri auf der Flucht vor Kopfgeldjägern quer durchs Land reisen und dabei nicht nur viele alte Wunden heilen, sondern auch – fast schon wie eine Art Familie – enger zusammenfinden. Spätestens in der Mitte der zweiten Episode fängt der Plot dann jedoch an sich zu verrennen und verwirrend zu werden.
Zum einen, weil die Macher rund um Showrunner Lauren Schmidt Hissrich oft zu schnell und häufig zwischen zu vielen Storysträngen und erzählerischen Tonalitäten wechseln. Viele Szenen wirken gehetzt, überflutet von zuweilen belanglosen Dialogen und können dadurch kaum Spannung aufbauen. Zum anderen werden zwischendurch noch weitere Nebenschauplätze eröffnet, die das erzählerische Gesamtkonstrukt unnötig verkomplizieren und dazu führen, dass die Hauptfiguren Geralt (Henry Cavill), Yennefer (Anya Chalotra) und Ciri (Freya Allan) letztendlich noch weniger Screentime erhalten, als ihnen gebührt hätte. Schade zudem, dass Barde Rittersporn der Humor größtenteils abhanden kam und die Inszenierung furchterregender Schurken hier deutlich schlechter gelingt als in Staffel 1 und 2. Ein echter Lichtblick sind indes die Kämpfe. Serientypisch rasant geschnitten, toll choreografiert und dargestellt aus teils abenteuerlichen Kameraperspektiven, geht es hier ordentlich und mit viel Blut zur Sache. Auch Duelle mit neuen Monstern sind an Bord und durchaus sehenswert, unterm Strich aber meist deutlich kürzer als der Schlagabtausch mit menschlichen oder elfischen Kontrahenten. Macht unterm Strich eine Staffel, die bis dato deutlich hinter der ersten und zweiten zurückbleibt und viele Fans enttäuschen dürfte – nicht zuletzt, weil man zu wenig auf Logiklücken achtete und es mit dem Quellmaterial oft nicht so genau nahm. Ob die letzten drei Folgen das Ruder noch herumreißen können, verraten wir im nächsten Heft.








