Kommt es oder kommt es nicht? Bislang noch unklar, ob Syndicate wirklich offiziell in Deutschland erscheint, denn das Spiel hing noch in der USK-Prüfung fest. Die Gründe sind bereits nach wenigen Minuten klar: Blut, fliegende Körperteile und Gewalt gegen Zivilisten. All diese Elemente sind Teil des düsteren Shooters rund um den Syndikat-Agenten Miles Kilo, der als Teil des EuroCorps-Konzerns feindliche Übernahmen und Industriespionage nicht mit Laptop und Handy, sondern mit Schrotflinte und Flammenwerfer ausführt. Er hält sich dabei aber nicht wie Cyberpunk-Kollege Adam Jensen mit tiefgreifenden Fragen, Gesprächen und multiplen Lösungswegen auf in Syndicate wird geballert, bis die Rohre glühen. Und das so knackig wie lange nicht mehr.
Der schweigsame Kilo wurde als erster Agent mit dem Dart-6-Chip ausgerüstet, der es ihm erlaubt, sich in die Prozessoren anderer technisierter Menschen zu hacken und sie zu manipulieren. Die dafür erforderliche Energie sammelt Ihr durch Kopfschüsse und Kill-Serien. Habt Ihr genug gemordet, zwingt Ihr in der Nähe befindliche Gegner mit einem Druck auf die Schultertaste zum Selbstmord, blockiert kurzzeitig ihre Waffen oder zieht sie auf Eure Seite. Später stoßt Ihr aber auch auf Kämpfer, die keine Elektronik in der Rübe haben, dann ist Umdenken angesagt.
Für simple Rätsel lässt sich der Mikrochip ebenfalls nutzen: Viele Feinde verfügen über einen Schutzschild, den Ihr immer wieder runterfahren müsst, außerdem steuert Ihr damit Aufzüge, Hallentore und Barrieren, die Euer Vorankommen blockieren oder als Kugelfang dienen.
In den Gefechten gegen Konzerntruppen und andere Agenten sind diese Fähigkeiten bitter nötig, denn bereits auf der normalen Schwierigkeitsstufe geht richtig die Post ab. Selbst der einfache Soldat hält eine Menge aus, versteckt sich und wechselt blitzschnell die (unzerstörbare) Deckung. Später pusten Euch Granaten, schwer gepanzerte Minigun- und Raketenwerferschützen und MG-Türme schnell das Licht aus. Zum Glück lässt sich der Dart 6 aber auch noch anders verwenden. Auf Knopfdruck wechselt Ihr temporär in eine Schwarz-Weiß-Sicht, in der einmal ausgemachte Feinde selbst hinter Deckung orange leuchten, was sich besonders in Kombination mit einem durch Wände feuernden Maschinengewehr als nützlich erweist. Außerdem läuft das Geschehen in diesem Sichtmodus in Zeitlupe ab und Ihr steckt mehr Treffer weg, ehe Euch der ewige Systemabsturz droht. Um von dem kleinen Helfer in Eurem Kopf noch mehr zu profitieren, sammelt Ihr an vorgegebenen Stellen des Spiels die Chips von konkurrierenden Konzernen aus den Köpfen Eurer Widersacher und schaltet damit eines von 17 Fähigkeiten-Upgrades frei.
Das zur Verfügung stehende Waffenarsenal ist mit Pistolen, verschiedenen automatischen Gewehren und einer Handvoll schwerer Geräte nur Standardkost, es klingt dafür aber sehr wuchtig und befriedigend. Eure Tragekapazität ist auf zwei Schießprügel plus Granaten begrenzt, sekundäre Feuermodi sorgen dennoch für genügend Abwechslung in den Massenschlachten.
Grafisch gibt es weder viel zu meckern noch zu loben. Die Waffenmodelle sind detailliert aber gewöhnlich, die Levels zeichnen sich fast ausnahmslos durch glatte futuristische Designs, überstrahlendes Licht und holografische Einblendungen aus, geraten bei viel Weitblick aber auch gerne mal ins Stottern. Bis auf ein paar Sammelgegenstände bieten sie neugierigen Agenten keinen Grund, auf Erkundungstour zu gehen. Zudem reagieren weder Glasscheiben noch Gegenstände oder Mauern auf Beschuss, schade! Dafür beleben panische Zivilisten viele Levelabschnitte, laufen schreiend durch die Gegend, kauern sich am Boden zusammen und kümmern sich um Verwundete. Mordlustige Spieler laufen hier ungestraft Amok, sinnvoll ist diese Munitionsverschwendung allerdings nicht.
Nach dem Abspann der vorhersehbaren Geschichte ist noch längst nicht Schluss. Ein Koop-Modus für bis zu vier Spieler wirft Euch online auf neun verschiedene Karten, auf denen Ihr gemeinsam mehrstufige Missionen gegen harte und zahlreiche KI-Schergen erledigt. Teamarbeit ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Heilt Ihr Euch fleißig gegenseitig, belebt gefallene Kameraden wieder und setzt Gruppenfähigkeiten wie einen Schutzschild ein, habt Ihr gegen die zielsicheren künstlichen Heerscharen eine Chance. Dabei gilt: Je mehr Spieler sich beim Hacken einer Sicherheitstür oder eines Boss-Schildes beteiligen, desto schneller haben Eure Maßnahmen Erfolg. Auch das nützliche Dart-Display steht hier zur Verfügung, auf die Zeitlupenfunktion müsst Ihr aber verzichten.
Alles was Ihr tut, spült Erfahrungspunkte auf Euer Konto, Ihr seht jederzeit während der Matches, wer gerade in Führung liegt. Am Schluss der Runde steigt Ihr ab und an im Rang auf, kauft neue Waffen, verbessert alte und schaltet nach und nach neue Fähigkeiten frei. Ein Fest für Mannschaftssportler, allerdings ist es schade, dass man nicht mit mehreren menschlichen Teams gegeneinander antreten oder in die Rolle der Konzernsoldaten schlüpfen kann.
- fordernde Feuergefechte
- Gegner lassen sich auf drei Arten hacken und begehen damit Selbstmord, feuern auf eigene Leute oder werden geschockt
- knackiger Online-Koop-Modus für bis zu 4 Spieler mit auflevelbaren Charakteren
- Zivilisten werden bei Waffeneinsatz in Mitleidenschaft gezogen
- steigerbare Fähigkeiten
- Levelschläuche lassen Wahl- und Interaktionsmöglichkeiten vermissen
- Verlauf der seichten Geschichte ist viel zu vorhersehbar
Tobias Kujawa meint: Mit dem Ur-Syndicate hat der schwedische Ego-Shooter nur noch den Namen und das Szenario gemein. Statt Gruppentaktik steht hier knallharte Action im Vordergrund, mit der leider langweiligen Kampfmaschine Miles Kilo an vorderster Front. Doch so wenig Charakter der Agent hat, soviel Kampfkraft besitzt er. Mit den Chip-Fähigkeiten machen die fordernden Gefechte richtig Laune und trösten darüber hinweg, dass es abseits der blutigen Pfade kaum etwas zu entdecken gibt. Im Vorfeld wurde oft ein Vergleich mit Deus Ex angestellt, doch der hinkt gewaltig. Über die Rollenspielanteile, Charakterentwicklung und Storyelemente von Syndicate können Adam Jensen und J.C. Denton nur müde lächeln, dafür hat Kilo ganz klar die Nase vorn, wenn es um packende Schießereien gegen Dutzende Bösewichte und einen tollen Mehrspieler-Modus geht.
Matthias Schmid meint: Schon lustig, dass der neue Starbreeze-Shooter Syndicate fast zeitgleich mit The Darkness II erscheint schließlich hat mir dessen Vorgänger das schwedische Entwicklerstudio so sympathisch gemacht. Leider scheint den Nordmännern die Hintergrundgeschichte diesmal egal zu sein sonst hätten sie der cool designten und angenehm nüchternen Welt wohl mehr als eine 08/15-Story rund um korrupte Konzerne spendiert. Dämlich finde ich zudem die kleinen Buchstaben tja, dann lese ich die ganzen Schriftstücke halt nicht! Spielerisch gefällt mir der knackige Shooter sehr gut: Die Chip-Funktionen verleihen den Gefechten Pep, die Waffen haben Druck und die Rückmeldung, wenn ein Feind erledigt wurde, ist vorbildlich. Noch spaßiger finde ich nur den Koop-Modus hier haben es Teamspieler leicht und werden zudem artig mit Punkten belohnt.
Schnell, brutal, hart Syndicate sorgt für glühende Zeigefinger und ist sowohl allein als auch im Koop-Modus eine echte Herausforderung, lässt aber eine packende Hintergrundgeschichte vermissen.
| Singleplayer |  | 80 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |