Börsenwert halbiert: Embracer reduziert

3
1020

Dieser Artikel stammt aus der M! 359 (August 2023).

KARLSTAD • Embracers globale Einkaufstour, die letztes Jahr in den Übernahmen von Comicverlag Dark Horse, Brettspielfabrik Asmodee, Indie-Marktführer Limited Run, Lara-Croft- und Tolkien-Rechten sowie dem Einstieg arabischer Geldgeber gipfelt, stoppt im Frühling 2023, als Gründer und Chef Lars Wingefors die Quartalszahlen bekanntgibt: Er spricht von ”Verspätungen”, ”schwächerer Kundennachfrage”, ”lauem Empfang wichtiger Veröffentlichungen” und informiert, dass eine ”maßgebliche strategische Partnerschaft”, die man Monate verhandelte, letztlich platzte. Statt Milliarden-Gewinn sei ein Jahres­verlust von bis zu 780 Millionen Euro zu verkraften (siehe M! 358).

Kurz nachdem unsere letztmonatige Meldung in den Druck ging, wendet sich ­Wingefors in einem offenen Brief an die Belegschaft und stellt sich in einer Videokonferenz den Fragen der Analysten: Durch Restrukturierung und konzernübergreifende Kostensenkungen, also ”Studioschließungen, Projektstopps, Stellen­abbau” (wie Gameswirtschaft.de griffig zusammenfasst), soll Embracer in drei Phasen bis März 2024 wieder flottgemacht werden, vor allem der Schuldenberg, den die Studio- und IP-Käufe der letzten drei Jahre anhäuften, abgebaut und ein ”hoher Cash-Flow-Bestand” gesichert werden. Kurz: Die Phase ungezügelter Investitionen ist bei Embracer vorbei.

Wie viele Stellen gestrichen, welche Studios geschlossen und welche Projekte beerdigt werden, verrät Wingefors in seinen Mitte-Juni-Stellungnahmen nicht. Bereits offiziell angekündigte Spiele sollen kaum betroffen sein, meldet Gameswirtschaft.de, und dass die Embracer-­Verschlankung ”keine Auswirkungen” auf das kommende Tomb Raider-Spiel hat, welches Crystal Dynamics für und mit ­Amazon Games entwickelt. Auch der Perfect Dark-Reboot für Xbox und ­Windows sei nicht in Gefahr.

Aktuell betreibt die Embracer-Gruppe 138 interne Entwicklungs­studios, besitzt und kontrolliert 850 Marken und beschäftigt weltweit rund 17.000 Personen. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 2,6 Milliarden Euro ist Embracer der zweitschwerste Spielehersteller ­Europas (nach Ubisoft) und mit THQ Nordic, Plaion (vormals Koch), Fishlabs, HandyGames, Piranha Bytes & Co. einer der größten Arbeit­geber der deutschen und österreichischen Branche.

 

 

 

 

 

3 Kommentare
neuste
älteste
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
captain carot
11. Oktober 2023 10:02

Die Meldung ist ja nicht mehr neu. Von den ‚Mittelspielen‘ verkauft man wohl oft genug, aber dass nach dem rasanten Wachstum irgendwann die Bremse reingehauen wird und man sich gesundschrumpft (finanziell) war absehbar. Unterm Strich lief das Spielchen deutlich länger als ich geglaubt habe

Max Snake
11. Oktober 2023 9:57

PC und Videospiel bringt großes Geschäften. Mal höhen und tiefen.

belborn
11. Oktober 2023 8:31

War auch sportlich alles zu kaufen was sonst keiner haben wollte und mit den Spielen die wenn’s gut kommt einen bescheidenen Gewinn abwerfen und damit zu glauben eine sprudelnde Geldquelle gefunden zu haben.Trotzdem schade,THQ hat einiges bewegt,viele vergessene Marken reaktiviert z.B.Gothic,Spellforce oder Disciples Liberation(das ist richtig gut).Leider interessiert das kaum jemanden.