
Meinung
Michael Herde meint: American McGees bezaubernd verschrobene Vorstellung des Wunderlandes fällt in die seltene Kategorie von Games, die auf Bildern besser aussehen als in Bewegung. Als Spiel ist es nämlich dermaßen langweilig, dass es nur der famose Stil ins Mittelmaß retten kann. Die talentlosen Levelgestalter können bestenfalls einen Schnupperkurs in Gamedesign an der Abendschule besucht haben, denn für jeden halbwegs versierten Daddler besteht wegen formelhaft wiederkehrender Doppelsprungpassagen akute Einschlafgefahr. Unerfahrene Spieler wiederum, die sich von Story oder Optik locken lassen, kapitulieren bei Kämpfen angesichts der verwirrenden Kamera, einer im späteren Verlauf zu großen Gegnerzahl und der schwachen Steuerung. Manch fragwürdige Platzierungen von Checkpoints vor Ladebildschirmen, eine Geschichte mit viel Leerlauf, Texturen auf N64-Niveau sowie oft fade Musik machen meinen Grafikflash kaputt. Lediglich das flottere, mitreißend inszenierte vierte Kapitel mit der Herzkönigin wird dem Stilkracher gerecht.
Michael Pfeilschifter meint: Wenn mich jemand nach einem aktuellen Titel fragen würde, auf den der Spruch ”style over substance” zutrifft, dann wäre Alice: Madness Returns meine Antwort. Dabei strotzt das Spiel nur so vor Potenzial. Der Ansatz, eine düstere Interpretation des Alice-Kosmos in einem abgefahrenen Action-Adventure umzusetzen, weiß durchaus zu gefallen. Die Spielwelt ist durch die Bank mit schrulligen, bizarren, teils sogar verstörenden Figuren bevölkert, über deren Geschichte und Beweggründe ich gerne mehr erfahren würde. Dies wird mir jedoch verwehrt. Auch die ordentliche Synchronisation lässt Alice: Madness Returns nicht aus dem unteren Genredurchschnitt herausragen. Ständig beschleicht einen das Gefühl, dass – abgesehen vom teils grandiosen Stil – das wohl wichtigste Spielelement vergessen wurde: der Spielspaß.










