Call of Juarez: The Cartel – im Klassik-Test (PS3 / 360)

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Abwechslung von den tumben Schießereien, in denen Ihr ab und an für kurze Zeit in einen Zeitlupenmodus umschaltet und Eure Gegner begleitet von besonders flapsigen Sprüchen ins Jenseits pustet, bieten neuerdings Fahrzeug-Abschnitte. In denen brettert Ihr über Highways und durch die Wüste und kämpft hauptsächlich mit der schwammigen Steuerung und den viel zu spät auftauchenden Wegpunkten. Immerhin lassen sich aber fast alle fahrbaren Untersätze mit ein paar gezielten Schüssen (auf die Fensterscheiben!) in die Luft jagen. Damit löscht Ihr effektvoll mehrere der spanisch fluchenden Feinde auf einmal aus, die sich auch sonst nicht sonderlich intelligent anstellen. Innerhalb der mannigfaltigen Levels zeigen nun Silhouetten an, wo Ihr zusammen mit Euren Partnern im Call of Duty-Stil Türen eintretet und Räume stürmt oder wo Ihr am besten im Schutze des Deckungsfeuers Eurer Kollegen Gegnergruppen flankiert.

Lobten wir den Vorgänger Bound in Blood noch für seine Charaktere, die stimmige Grafik und das ungewöhnliche Setting, so patzt The Cartel in diesen Bereichen. Evans, Guerra und McCall sind unsympathische, gefühlskalte Klötze, die sich nicht scheuen, den Tod eines Informanten mit einem lockeren Spruch zu quittieren oder eine wehrlose Stripperin an der Gurgel zu packen. Die Grafik wirkt in Zeiten von Killzone 3 und Crysis 2 mit kaum vorhandenen Schatten, groben Texturen und unnatürlich animierten Figuren antiquiert. Der Schritt vom Wilden Wes­ten hin zum heutigen Los Angeles raubt der Serie ihre Identität und Individualität. Verfolgungsjagden zu Pferde oder mit der Kutsche sind genauso passé wie die spannenden Duelle Mann gegen Mann und das vorsichtige Taktieren mit nur sechs Kugeln im Revolver. Mit 30 Schuss pro ­Magazin kann man nun einmal verschwenderischer umgehen.

Unterm Strich bleibt ein ordent­licher Ego-Shooter im Stil von ­”Desperado” und ”Machete”, der durch Abwechslung und die Abwesenheit von US-Soldaten und patriotischen Parolen glänzt, dem es aber an spielerischem Tiefgang und Intelligenz mangelt. Wer über die technischen und erzählerischen Schwächen hinwegsehen kann und neue Koop-Herausforderungen sucht, der riskiert im Sommerloch einen Blick. Call of Juarez-Fans der ersten Stunde, die auf coole Sprüche pfeifen und nicht auf echtes Wild-West-Flair verzichten wollen, begleiten lieber John Marston durch Rockstars Red Dead Redemption.

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