Der Schattenläufer und die Rätsel des dunklen Turms – im Klassik-Test (Wii)

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Ein Turm im grellen Sonnenschein. Das Licht so hell, dass es alle Objekte als scharfe Schatten an die Wand bannt. Einer von ihnen ist der Schatten eines kleinen Jungen, der von seinem Körper getrennt ­wurde und nun versucht, in dieser Scherenschnittwelt die Spitze des Turms zu erklimmen, weil dort sein lebloser Körper auf ihn wartet. Ein ­interessantes Szenario!

Ihr steuert den Schattenläufer, das Abbild des Jungen, das sich nur in der Dimension der Schatten bewegen kann. Soll heißen: Es wandelt nicht durch die dreidimensionale Welt, sondern läuft zweidimen­sional auf den an die Wand projizierten Schemen. Das lässt Raum für extreme Blickwinkel und optische Täuschungen in der Schattenwelt – könnte man meinen. Doch leider haben die Entwickler oft ein im wahrsten Wortsinne plattes Abbild der stofflichen Welt erschaffen.

Eure Handlungsmöglichkeiten beschränken sich meist aufs Laufen und Hüpfen. Nachdem Ihr eine Klinge gefunden habt, kommt noch das Schlagen hinzu – verteidigt Euch mit simplen Schwertstreichen gegen unzählige Schattenmonster.

Leider bekämpft Ihr die vielgestaltigen Feinde nur durch simples Vorrücken, Zuhauen und dem Zurückweichen vor der Gegen­attacke – in 2D. Die Schattengestalten sind zum Großteil schöne, grazile Wesen – gleich Schneeflocken oder Insekten. Doch so einfallsreich ihr Design ist, sie wirken allesamt harmlos. Überhaupt macht der Titel einen sehr kindlichen, fast naiven Eindruck.

Versperrt eine Wand den Durchgang, könnt Ihr meist per Remotezeiger ein bestimmtes Objekt oder die Lichtquelle selbst bewegen, um Schatten zu verschieben bzw. den Schattenwurf zu ändern und so neue Wege zu öffnen. Beispielsweise bringt Ihr eine Lampe zum Schwingen und verringert so die Distanz eines unüberwindbar erscheinenden Abgrunds. So setzt sich Euer Weg durch den Turm aus Hüpfeinlagen, vielen kleinen Schalter- und Licht­rätseln, zahlreichen Monsterkämpfen und willkürlich verteilten Schattenfluren zusammen. Letztere sind kurze Extra-Levels, in denen Ihr simple Denkaufgaben löst. Wer sich gut umsieht, findet auf jeder Ebene des Turms drei ’Monitoraugen’ – ­diese benötigt man, um den Etagenausgang zu öffnen. Optional sammelt Ihr Gedächtnisfetzen des Schattenläufers – deren Inhalt ist jedoch dürftig und treibt die Geschichte nicht voran.

Darin liegt ein Hauptmanko des Spiels: Nachdem Ihr am Anfang in die stimmungs- und geheimnisvolle Welt des Schattenläufers geworfen werdet, passiert (zu) lange nichts. Ihr erklimmt stundenlang spielerisch sehr ähnliche Etagen des Turms und wartet sehnsüchtig auf einen Twist im Spielverlauf, auf weitere Zwischensequenzen, auf Story! Die dürftige Klangkulisse des Spiels und die rustikale Grafik nähren die aufkeimende Langeweile. Dass Ihr vom Garten über den Bahnhof in das Wohngebiet des Turmes kommt, seht Ihr vielleicht an den Farben der Echtwelt, in der Schattenwelt aber ändert sich nichts. Weil zwischen den Gebieten ein Aufzug fährt, könnt Ihr die Levels (auch nach dem Ende) nach nicht gefundenen Dingen durchforsten. Dies ist praktisch, da Ihr spät im Spiel Werkzeuge erhaltet, mit denen Ihr auch in tieferen Etagen neue Wege erkundet.

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