El Shaddai: Ascension of the Metatron – im Test (360)

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”Hm, sieht komisch aus und heißt auch komisch, dieses Spiel. Pff, das ist nix für mich – ich warte lieber auf Call of Duty und Uncharted 3…” Wer so denkt, möge rasch weiterblättern und den kurzen Flash, den ihm die Bilder auf dieser Doppelseite verschafft haben, wieder vergessen. Sorry, dass wir Dich mit einem Produkt, das nicht Deiner Erwartungshaltung entspricht, belästigt haben. Fühlt Ihr dagegen aufkeimende Neugier oder denkt Ihr einfach nur ”Verdammt, sieht das abgefahren aus”, dann tretet bitte ein. Dieses Spiel ist eine Reise in eine abstrakte Wunderwelt, ein Farben- und Formenrausch in 2D und 3D. Es ist der viel zitierten Drogenfantasie eines verspulten Entwicklergeists näher als jedes andere bisherige kommerzielle Videospiel und es verdient das adelnde Adjektiv ’bildgewaltig’ von der ersten Sekunde bis hin zum Abspann nach gut acht Stunden optischer Ekstase.

Doch warum hat das Spiel einen so merkwürdigen Namen: weil es die Geschichte Enochs erzählt, der als Mittelsmann zwischen Gott und den gefallenen Engeln agieren soll – siehe Kasten links unten. El Shaddai ist eine der jüdischen Bezeichnungen für den einen Gott – so wie ’Jehova’, ’Jahwe’ oder ’Adonai’. Und der Untertitel Ascension of the Metatron deutet auf die Himmelfahrt des Hauptcharakters Enoch hin, der laut den Henoch-Büchern von Gott in den Stand des Engels Metatron berufen wurde. Gleichwohl es dem Spiel nicht immer gelingt, Euch die komplexe Geschichte verständlich zu vermitteln und vor allem in der ersten Spielstunde viel zu viel Namen und Story-Schnipsel auf Euch einprasseln, stellt die Rahmenhandlung eine angenehme Abwechslung zu den üblichen Terroristen-haben-Atomwaffen- und Orks-greifen-das-Dorf-an-Szenarien dar.

Spielerisch ist El Shaddai eine Mischung aus Devil May Cry light und einer fast schon banalen Jump’n’Run-Mechanik. Letztere verzichtet großteils auf verzwickte Sprungpassagen – manche 3D- und fast alle 2D-Passagen setzen auf die hypnotische Macht der bewegten Bilder statt auf herausfordernd platzierte Plattformen. In der anderen Hälfte des Spiels balgt sich Held Enoch mit einer überschaubaren Gegnerschar – via überschaubarem Kampfsystem. Euch steht lediglich ein Angriffsbutton zur Verfügung, Zahl und Rhythmus Eurer Tastendrücke entscheiden über die Art der Attacken. Zusätzlich blockt Enoch, rollt zur Seite und schleudert Feinde in die Luft, um dort weiter auf sie einzuschlagen.
Die entscheidenden Faktoren sind jedoch Zustand und Art Eurer Waffe: Nach einigen Attacken verliert das Mordinstrument seinen blütenweißen Schimmer, leuchtet schmutzig rot und richtet kaum noch Schaden an. Dann solltet Ihr kurz auf Abstand gehen und die Waffe per Tastendruck effektvoll reinigen. Weil Enoch stets nur einen Monstermeuchler (von insgesamt drei) tragen kann, kommt der Waffenwahl große Bedeutung zu: Ihr solltet den Gegner mit der stärksten Waffe zuerst in die Knie zwingen – dann schnappt Euch sein Kampfgerät und beharkt den Rest der Truppe. Zusätzlich könnt Ihr ab und an den feurigen Erzengel Uriel zu Hilfe rufen – dann werden alle Hiebe kraftvoller und Uriels wuchtiger Finisher setzt selbst den dicken Bossen kräftig zu. Die wenigen Bosskämpfe können mit der simplen Dynamik der Standardkämpfe nicht mithalten, zu oft sind die Attacken vorhersehbar und treffen trotzdem ihr Ziel. Geht Enoch daher mal die Puste aus, dürft Ihr ihn (begrenzt oft) ins Leben zurückholen. Wer trotzdem draufgeht oder in Abgründe purzelt, kehrt an fair verteilten Checkpoints zurück, zusätzlich wartet ca. alle 20 Minuten der Engel Lucifel, der Gott per Handy (!) über Euren Fortschritt informiert und diesen auf Festplatte bannt.

Der bei Weitem größte Pluspunkt von El Shaddai ist das enorme Spektrum der visuellen Ausdrucksformen in den Levels: Enoch läuft durch wabernde 3D-Landschaften ohne Texturen, verschwimmt dank überragendem Shadereinsatz mit dem Hintergrund, tanzt durch zerfließende 2D-Bilder oder rast auf dem Cybermotorrad durch eine Techno-Welt. Wenn Ihr schließlich Sawakis niedlicher Interpretation der Nephilim-Riesen auf der Rübe herumhüpft oder durch 2D-Level gewordene Kirchenglasfenster wandelt, die selbst Papa Ratzinger wuschig machen würden, dann wisst Ihr: Videospiele sind Kunst. Nur ein Narr würde daran noch zweifeln.

+ grafischer Knaller
+ tolle Musik
+ wahnsinnige optische Abwechslung
+ simples, aber effektives Kampfsystem

– leicht unpräzise Steuerung
– schwer zugängliche Story

Matthias Schmid meint: 2011 ist mein Jahr der Grafik-Knaller: Erst bombardiert mich Killzone 3 mit dreckigem 3D-Krieg in Perfektion, dann verpasst mir Kirbys wollige 2D-Optik einen Zuckerschock. Doch El Shaddai schlägt beide, ach was – es schlägt sie alle! Grafisch zumindest. Was Verzauberer Sawaki hier vom Stapel lässt, ist schwer in Worte zu fassen – ein bildgewaltiger Superlativ jagt den nächsten, ständig hat mich El Shaddai mit neuen Farbsets und Stilkapriolen überrascht. Dank des gut funktionierenden Kampfsystems samt taktischem Waffenklau kann ich sogar mit den repetitiven Arenafights, der unzureichend erklärten Bedeutung der roten Sammel-Orbs und der hektischen 2D-Sprungsteuerung leben. El Shaddai berauscht, hypnotisiert und bricht mit Konventionen – gebt diesem Experiment eine Chance!

Michael Herde meint: Langweilig, primitiver Aufbau, wirre Story, hakelige Sprungsteuerung – Vieles lässt sich an El Shaddai zu Recht kritisieren. Spötter mögen gar behaupten, das Spiel sei nur eine interaktive Winamp-Visualisierung. Doch mich hat El Shaddai berührt wie zuletzt nur Shadow of the Colossus: Auch hier hat die Monotonie für mich meditativen Charakter, die mir etwa beim ähnlich gelagerten Alice fehlte. Also: Japanische Sprachausgabe anstellen und abtauchen ins Bildermeer. Danke, dass es so etwas heute noch gibt!

Spielerisch simpler, visuell überragen­der Mix aus Action und Jump’n’Run – ein unvergessliches Erlebnis für aufgeschlossene Gamer.

Singleplayer82
Multiplayer
Grafik
Sound
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Doublefine
3. Oktober 2012 21:46

ACHTUNG! Dieses Spiel nimmt einen gefangen, sofern man sich darauf einlässt. Das Kampfsystem ist wirklich minimalistisch bietet aber erstaunlicherweise doch Tiefgang (meiner Meinung mehr als das von Darksiders[welches auch auf 1Taste basiert]) Die Story ist halt Bibelbla und ich war zu keinen Zeitpunkt wirklich daran interessiert. In diesen Spiel reden die Bilder, die unsichtbaren sichtbaren Wände welche im Takt der Musik tanzen. El Shaddai ist weit abseits des Mainstreams und wird viele Leute nicht glücklich machen, aber dies kommt im Test auch deutlich zur Geltung. Wer offen daran geht wird nicht enttäuscht. Habe es damals direkt 2mal gekauft. Ein Exemplar für meinen Bruder eines für mich. Mein Bruder is beiweiten nicht so angetan davon wie ich, erkennt aber denn künstlerischen Gehalt des Spiels an. Wir haben es beide beendet jedoch landet es bei mir auch noch knapp 1Jahr nach dem Erwerb in der Box. Bei ihn ist es der Exot in seiner Sammlung.

Disco Victim
10. Oktober 2011 19:32

hier:http://www.zavvi.com/elysium.search?searchFilters=&search=el+shaddaiEdit: oh, irgendwas falsch gemacht, egal, bei zavvi halt 😀

10. Oktober 2011 19:03

Wenn man es irgendwann für 20 Euro bekommt, werde ich es mir kaufen! Der Grafikstil ist finde ich sehr interessant, und wenn dann auch noch die Atmosphäre stimmt, kann ich über den ein oder anderen Mangel durchaus hinwegsehen.

Disco Victim
10. Oktober 2011 18:48

: es gibt im Store eine Demo. Mit der Demo kann man sich ein recht gutes Bild vom Spiel machen.

bastien
10. Oktober 2011 18:11

also enslaved fand ich super…mal kein reines mainstream game. hat mir viel freude bereitet. von ein paar bugs wie zu leise stimmen mal abgesehen.

f42425
10. Oktober 2011 17:38

Sorry, Inetprobleme

f42425
10. Oktober 2011 17:38

Sorry, Inetprobleme

f42425
10. Oktober 2011 17:38

Sorry, Inetprobleme

f42425
10. Oktober 2011 17:35

Also, wenn ich schon lese:+ simples, aber effektives Kampfsystem- leicht unpräzise Steuerung- schwer zugängliche StoryDas sind Gameplaytechnisch schon 2 Megaminuspunkte und wenn die Story einen noch nicht mal abholt, dann finde ich 82 zu individualistisch bewertet. Muss es aber natürlich noch selbst spielen.Wie man simples, aber effektives Kampfsystem und das überstylomate Kampfsystem von Devil May Cry in einem Satz bringen kann, finde ich ein wenig unpassend. Spielen möchte ich es auf jeden Fall mal. Vielleicht ist es wirklich besser, bei solchen Kunsttiteln, auf eine Bewertung in Form einer Zahl zu verzichten. Zumindest bringt mir Herr Herde, die für mich wichtigen warnenden Worte. “”Langweilig, primitiver Aufbau, wirre Story, hakelige Sprungsteuerung”” Man muss wohl richtig Bock auf den Titel haben, dann wird es schon….Ich kann meinem Vorredner nur beipflichten. Bei Enslaved war ich vom simplen, aber effektiven Kampfsystem, gepart mit billigen Zwischenbossen auch bedient. 2x durch in einer Woche und dann schnell, noch die CE Version hochpreisig verkauft. Scheiß auf Platin, nur schnell weg mit dem Ding….Ich mag ja auch Spiele, die künstlerisch was bieten, aber dann bitte gute Steuerung und bitte auch ein ordentliches Kampfsystem.

APT
APT
10. Oktober 2011 13:39

Der test liest sich für mich wie damals der test zu Enslaved. Nochmal falle ich auf sowas nicht rein.Zwar interesiert mich die geschichte aber das klingt wieder so als wenn das spiel nur von der präsentation lebt und sonst nicht viel zu bieten hat.Zu ner anderen jahreszeit hätte ich vielleicht zugeschlagen… aber das spiel einen monat vor beginn der blockbuster lawine zu veröffentlichen war taktisch nicht sehr smart (m.M.n.)