Atari kauft beliebte Games-Datenbank

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Dieser Artikel stammt aus der M! 344 (Mai 2022).

NEW YORK • Das US-Unternehmen Atari, das sich vor neun Jahren aus Bankrottresten des einstigen Konzerns zusammensetzt, seitdem ­Download-Remakes klassischer Titel und eine VCS-Mikrokonsole vermarktet und nebenbei virtuelle Casinos und echte Hotels plant, zahlte ­Anfang März 1,5 Millionen US-Dollar, um sich eine der weltgrößten Datenbanken zum Thema Videospiele einzuverleiben. Mobygames.com wird 1999 von den amerikanischen DOS- und Windows-Freaks Jim Leonard und Briean Hirst gestartet, wächst über PC-Infos und -Bilder schnell hinaus, sammelt Reviews, Credits, Screenshots und Cover-Artworks zu 300.000 Titeln auf fast 400 Konsolen und Computern, seit 2014 auch ­Automaten. Ein paar hundert internationale ”Contributoren” bestücken und korrigieren die nicht-kommerzielle ”Aggregator”-Webseite, darunter auch zahlreiche deutsche Sammler.

Als die Gründer MobyGames 2010 zu Geld machen und an den US-Videospiel-Verleih GameFly verkaufen, sind viele der ehrenamtlichen ­Mitarbeiter enttäuscht und steigen aus. Doch unterm Strich schaden der Seite Kommerzialisierung, weitere Verkäufe, Renovierung und Re-Renovierung nicht: Heute gilt MobyGames als das Games-Gegenstück zur International Movie Database (IMDB), dem größten Filmlexikon der Welt.
”Um die Geschichte und die Macher der Videospiele zu ehren, gelobt Atari, zum Wachstum und Erfolg der beliebten Videospieldatenbank beizutragen”, schwurbelt die Pressemitteilung. Was Atari mit ­MobyGames anfängt, ist nicht bekannt. An Ausrichtung und Betrieb wird sich vorerst aber wohl wenig ändern. ”Uns ist es wichtig, dass MobyGames jedes Stückchen seiner Integrität behält”, erklärt Atari-CEO Wade Rosen: ”Wir verbessern die Seite für Kontributoren und Nutzer.” Die bislang hobbymäßige Weiterentwicklung der Datenbank soll professionalisiert, der zwei Jahrzehnte alte Code durch ein frisches Frontend und neue Tools ersetzt werden.

Moby überschneidet sich inhaltlich mit der Games-Sparte von Metacritic.com und noch mehr mit der Gamefaqs.com-Datenbank, die bereits 1995 als reine Tipps-Sammlung gestartet, ebenfalls von internationalen Hobbyisten mit Informationen und Bildern ­gespeist und 2002 vom US-Börsenunternehmen CNET gekauft wird. Damals fließen beachtliche 2,2 Millionen US-Dollar, wobei die Zuarbeiter, die bis heute mehrere hunderttausend Lösungen und Reviews einstellten, nichts daran verdienen. CNET schluckt auch Metacritic.com, der Medienkonzern CBS wiederum CNET. Heute gehören beide Game-Dienste der US-Firma Red Ventures, die auch ZDNet, Giant Bomb, Gamespot und die amerikanische Tradionsmarke TV Guide besitzt.

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