Niantics Brille für den Metaversum-Durchblick

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Dieser Artikel stammt aus der M! 352 (Januar 2023).

SAn FRANCISCO • Den gewaltigen Erfolg der Augmented-Reality- und GPS-Expedition Pokémon Go (2016) kann keine der späteren Apps von Niantic wiederholen und so versucht sich die 2015 als Google-Spin-off gegründete Firma neu zu erfinden. Das Pokémon-Geld gibt Niantic für Zukäufe aus, übernimmt das kalifornische AR-Labor Escher Reality, eine englische Firma, die auf neuronale Netze spezialisiert ist, das Marvel Strike Force-Studio Seismic und den Holo-Display-Hersteller DigiLens. Andererseits wickelt Niantic viele AR-Projekte schnell wieder ab (Harry Potter: Wizards Unite, Catan sowie das Transformers-Spiel Heavy Metal), entlässt im Frühjahr knapp 100 Beschäftigte und behält nur zwei Spiele in der Pipeline: den Knuddelwesen-Trainer Peridot und das Online-Basketball-Turnier NBA All-World.

Das wichtigste Niantic-Produkt seit 2021 ist jedoch Lightship: Die Software ”versteht und kartografiert die Welt” und ermöglicht ”AR-Erlebnisse, die jeder nutzen kann”, verspricht Niantic und verkündet Ende 2022 die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Chip-Riesen Qualcomm. Dessen mehrkernige Snapdragon-Chips stecken in vielen Android-Geräten, in Metas Quest-VR-Helmen und im Mars-Helikopter der NASA. Für ein ”offenes Referenz-Design für AR Hardware” tun sich die beiden Unternehmen zusammen: Qualcomm entwickelte eine besonders kleine und leichte SoC-Variante, die weniger als 1 Watt zieht (Snapdragon AR2 Gen.1 alias ”Snapdragon Spaces”) und dazugehörige SDKs, Niantic steuert zur Positionsbestimmung Lightship bei – heraus kommt eine schlanke Brille, die virtuelle Umgebung und echte Welt synchronisiert und aufeinander abbildet. Das zumindest verspricht das Demo-Video, das Niantic im November 2022 veröffentlicht und besagtes Headset im Einsatz und Sci-Fi-Schlachten in der Fußgänger­zone zeigt. Vom Marktdebüt trennen die Vision aber noch ein paar Schritte: Bislang ist noch kein Computer- oder Smartphone-Hersteller bekannt, der ein Lightship- und Snapdragon-Headset fertigt, und kein Studio, das Spiele mit der Niantic-Technik entwickelt.

 

 

 

 

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captain carot
31. Januar 2023 16:27

Mal abgesehen davon, dass es dazu tatsächlich einen Bericht gab wird HoloLens in vielen Bereichen inkl. Engineering schon länger ziemlich erfolgreich eingesetzt. Unterm Strich steckt die Technik aber auch noch eher in den Kinderschuhen, nicht nur bei MS.

mog
mog
31. Januar 2023 7:19

HL2… man liest viel wie: “…Macht Soldaten schlechter…” etc

8BitLegend
30. Januar 2023 19:39

Liest man das sehr genau, drängt sich die Frage auf wer in diesem Kontext eigentlich das Pokemon ist.

captain carot
30. Januar 2023 19:15

Das ist genau der Knackpunkt, Hololens ist für den B2B Bereich und schlägt sich da anscheinend gar nicht schlecht. Entsprechend sind aber auch die Preise.

30. Januar 2023 17:32

Holo Lens gibt’s! Ist aber eher für Unternehmen gedacht. Die Holo Lens 2 wird anscheinend vom US Militär verwendet. Auf Wiki steht einiges darüber drin.

Lincoln_Hawk
30. Januar 2023 17:03

Was ist eigentlich aus Microsofts holo lens geworden?