Fragile Dreams: Farewell Ruins of the Moon – im Klassik-Test (Wii)

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”Was itzund prächtig blüht,
sol bald zutretten werden.
Was itzt so pocht und trotzt,
ist morgen Asch und Bein.
Nichts ist, das ewig sey.
Kein Ertz, kein Marmorstein.
Itzt lacht das Glück uns an,
bald donnern die Beschwerden.“

Mehr als einmal musste ich während des Spielens von Fragile Dreams an obige Zeilen denken. Sie stammen aus einem Sonett des deutschen Barockdichters Andreas Gryphius. 1637 griff er in seinem berühmten Gedicht ”Es ist alles eitel“ (eitel = nichtig, vergänglich) das Vanitas-Motiv auf, seine Zeilen künden von der Vergänglichkeit alles Irdischen. Einer solch tieftraurigen Grundstimmung begegnet Ihr in Fragile Dreams an vielerlei Orten; tri-Crescendo, die Macher des melancholischen Rollenspiels Eternal Sonata, schicken den kindlichen Hauptcharakter Seto durch eine scheinbar ausgestorbene Welt – das in Film, Videospiel und Anime so beliebte Szenario der Postapokalypse wird mit weniger drastischen ­Bildern inszeniert, als es beispielsweise ein Fallout 3 tut, kriecht aber un­aufhaltsam in Euer Empfinden.

Nach dem Tod seines Großvaters stolpert Seto durch eine eng begrenzte Spielwelt; mit der Taschenlampe leuchtet Ihr in finstere Gänge, mit Stock, Besen oder Metallrohr haltet Ihr Euch die trägen, aber bedrohlichen Feinde vom Leib. Sachte und mit Hilfe guter Tutorials bebildert, führt Fragile Dreams neue Spiel­elemente ein (z.B. das Schleichen auf morschen Böden) oder konfrontiert Euch mit anderen Nomaden der virtuellen Einöde: In einer alten Lager­halle spielt Ihr Fangen mit einem Geister­mädchen, auf einem verfallenen Bahnhof begegnet Seto dem fahrenden Händler, der Fundstücke kauft oder Waffen und Heilmittel feilbietet. An großzügig verteilten Feuer­stellen frischt Ihr Eure Lebensenergie auf oder bringt Ordnung in Euer Inventar – dessen Handhabung ist ein wenig umständlich, ”Resi“-Veteranen fühlen sich sofort wie zu Hause.

Weil an Gegenständen, die Ihr unter virtuellen Staubschichten aufstöbert, die Erinnerungen verblichener Besitzer haften, verbringt Ihr einen stattlichen Anteil der Spielzeit damit, den gesprochenen Geschichten der Toten zu lauschen – allen gemein ist ein deprimierender, lebensverneinender Grund­tenor; sogar das Ableben eines kleinen Hilfsroboters wird wie eine Beerdigung inszeniert.

Und doch keimt zarte Hoffnung auf: wenn Seto auf unerwartete Hilfe stößt, wenn sanftes Licht einen dunk­len Gang flutet oder wenn sich vermeintliche Feinde als ebenso hilflose Geschöpfe entpuppen, denen mehr an Setos Freundschaft gelegen ist als an seinem Ableben…

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out
out
5. April 2026 16:16

Sehr lange her, das ich es durchgespielt habe.
Fand ich toll. Gerade die Atmosphäre.

Negativ fand ich nur, die zwei im Test genannten nervigen Macken.

ghostdog83
3. April 2026 18:40

Keine Ahnung, was mich damals zum Kauf bewogen hat. Jedenfalls ein Titel, der stark von seiner Stimmung lebt, die spielerischen Elemente eher Mittel zum Zweck sind. Ist bei mir stärker in Erinnerung geblieben als einige andere Titel, die spielerisch besser sind.

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Kikko-Man
3. April 2026 18:09

@Max
Geht mir genauso.

Max Snake
3. April 2026 10:09

Matthias Geheimtipp. Besitz zwar, aber leider keine Zeit gefunden.