M! macht sich auf die Suche nach den Wurzeln bedeutender Innovationen in Sachen Spielspaß – heute: das erste geschnittene Spiel.
Wenn aus Nazis Wölfe werden und Menschen grün statt rot bluten, ist eines klar: In Deutschland veröffentlichte Spiele erfahren häufig eine Sonderbehandlung. Aktuell ist uns das beim Test zum Ego-Shooter Wolfenstein für PS3 und Xbox 360 aufgefallen. Deshalb haben wir uns gefragt, welches Spiel eigentlich als Erstes Opfer deutscher Gepflogenheiten wurde, um hierzulande überhaupt erscheinen zu dürfen.
Dabei muss zunächst unterschieden werden zwischen Indizierung, Namensänderungen und inhaltlichen Schnitten. Als Randbemerkung sei erwähnt: 1982 erscheint das erste Spiel, das von der Bundesprüfstelle als jugendgefährdend eingestuft wird und im Dezember 1984 auf der Indexliste landet – die Rede ist vom Multiplattform-Titel River Raid.
Nur wenige Monate später gebührt die zweifelhafte Ehre, der erste geschnittene beziehungsweise angepasste Titel zu sein, Capcoms Balleraction Commando (siehe Bild). Aus der Vogelperspektive mähen Spielhallenbesucher ab 1985 Pixelsoldaten im Dutzend nieder. Grund genug, der deutschen Version nicht nur den neuen Namen Space Invasion zu verpassen, sondern auch im selben Atemzug aus Menschen Alien-Roboter zu machen – selbst die Grafiken der Werbeanzeige werden angepasst, um eine Indizierung zu vermeiden. Das Spiel wird dadurch zwar nicht schlechter, ironischerweise landet der Titel 1988 trotz der Änderungen auf dem Index. Mittlerweile ist er von dort aber wieder verschwunden und ungeschnitten auf der Capcom Classics Collection Reloaded für PSP erhältlich.
Ein ähnliches Schicksal erfährt Konamis Contra-Reihe 1990: Für die NES-Version ersetzt der Hersteller menschliche Soldaten durch Roboter und macht aus dem Namen Contra, der eine gewisse Antihaltung verkörpert, den positiv besetzten Titel Probotector: ein Wortspiel aus den Begriffen Roboter und Protector, also Beschützer. Dieses Prozedere führt Konami auf dem Super Nintendo fort, wo auch die berüchtigtste aller Prügel-Serien aufgrund der strengen Vorschriften von Big N entschärft wird: Die Mortal Kombat-Kämpfer bluten nicht, sie schwitzen weiß. Einen Cheat zur Blutdarstellung wie bei den Sega-Pendants gibt es nicht.
Bis heute treibt die Selbstzensur der Hersteller sonderbare Blüten, um einer geschäftsschädigenden Indizierung zu entgehen. Vor allem Ragdoll-Effekte, durch die Leichen herumpurzeln, abtrennbare Gliedmaßen und Blut sorgen hierzulande für absurde Maßnahmen: So werden die kleinen Pixelmännchen in frühen Command & Conquer-Episoden zu blechern scheppernden Cyborgs und der Zombie-Horror Resident Evil 3: Nemesis ersetzt rotes Blut durch grauen Rauch; getötete Gegner blinken gar, ehe sie ganz verschwinden. Bis heute unklar ist, was sich Sony bei der Agenten-Action Syphon Filter gedacht hat: Gegner bluten zwar in Deutschland grün, der Taser erlaubt aber noch immer, Gegner solange unter Strom zu setzen, bis sie schreiend in Flammen aufgehen.
Auch in jüngerer Vergangenheit fühlt sich manch volljähriger Deutsche veräppelt, wenn er aufgrund von Schnitten weder skate. noch Call of Duty 4 gegen internationale Kontrahenten spielen darf. Ebenfalls ärgerlich: Feinde im Finster-Shooter F.E.A.R. bluten nicht und verschwinden, wenn sie eigentlich durch einen Schrotflinten-Treffer explodieren sollten – hier erschwert die fehlende Trefferrückmeldung das Spiel.