Ein wenig überraschend ist es schon, dass die Konsolenumsetzung des 3DS-Abenteuers auf den 3D-Modus des Originals verzichtet. Immerhin zählt dieser auf dem 3DS mit zum Besten, was es dort bislang zu sehen gibt. Andererseits ist Hersteller Capcom nicht gerade dafür bekannt, seine Spiele mit 3D-Experimenten zu veredeln.
Doch auch im herkömmlichen 2D-Betrieb ist die Umsetzung des Hosentaschen-Horrors ansehnlich. Zwar können weder die teils simpel gestrickte Levelarchitektur noch die Qualität mancher Texturen ihre Herkunft leugnen, in der Summe muss sich Resident Evil: Revelations aber weder auf PS3, Xbox 360 noch auf Wii U vor reinen Heimkonsolen-Entwicklungen verstecken. Nicht ganz zeitgemäß und ansehnlich ist lediglich die Art und Weise, wie Jill Valentine und ihre Kameraden bei schnellen Richtungswechseln über den Boden gleiten. Das wirkt dann doch hakelig und etwas albern.
Inhaltlich bleibt jedoch alles wie gehabt: Revelations bietet einen gut zehnstündigen Story-Part, der auch auf Konsole ausschließlich alleine zu spielen ist, obwohl eigentlich immer ein KI-Partner in der Nähe weilt. Daneben motiviert der Raubzug-Modus für zwei Spieler allerdings ohne lokale Splitscreen-Unterstützung zum mehrmaligen Spielen der 20 Abschnitte, ein 21. Bonuslevel gibt es außerdem.
Im Story-Modus spielt Ihr wie auf dem 3DS im kapitelweisen Wechsel mit mehreren alten und neuen Helden des Resident Evil-Universums, dabei springt die Erzählung munter in der Zeitlinie vor und zurück und schließt stets mit einem spannenden Cliffhanger. Jill Valentine und Neuling Parker Luciani begeben sich zum Hochseekreuzer Queen Zenobia, um dort nach dem verschollenen Chris Redfield sowie dessen Partnerin Jessica Sherawat zu suchen. Zur Auflockerung mit Comedy-Einschlag seid Ihr zwischendurch auch mit den B.S.A.A.-Agenten Keith Lumley und Quint Cetcham unterwegs. Gemeinsam sind unsere Helden den Ökoterroristen von Il Veltro auf der Spur, die das Meer mit einem neuen Virus verseuchen wollen.
In spielerischer Hinsicht orientiert sich Revelations stärker an alten Serientugenden als das strikt actionbetonte Resident Evil 6, vom Rätselanteil früher Episoden ist das Spiel dennoch meilenweit entfernt mehr als die gelegentliche Suche nach Schlüsseln oder Schaltermedaillen sowie ein Minispiel zum Hacken von Schlössern habt Ihr nicht zu erwarten. Was Revelations dennoch zu einem Fest für Horrorfans macht, ist die abwechslungsreiche und spannungsgeladene Dramaturgie der zugegebenermaßen etwas käsigen Geschichte. Geruhsame Erkundungsabschnitte in engen Korridoren der Queen Zenobia wechseln sich ab mit rasanteren Ballereinlagen sowie jeder Menge sehenswerter Schauplätze. Ab der Hälfte der Spielzeit dreht das Abenteuer dann so richtig auf und präsentiert einen Höhepunkt nach dem anderen, garniert mit einigen Referenzen an die Serienvergangenheit.
In gewohnter Manier thront die Kamera knapp hinter der Spielfigur, eine schnelle Drehung um 180 Grad sowie ein Ausweichmanöver sorgen für die nötige Beweglichkeit im Kampf gegen abscheuliche Ausgeburten, die das maritime T-Abyss-Virus hervorbringt. Zombies gibt es nicht, dafür jede Menge neuer B.O.W.s und mutierte Kreaturen mit blass schimmernder Haut. Eine Taste fürs Rennen fehlt, dafür wählt Ihr aber zwischen einer eleganten Zwei-Stick-Shootersteuerung und einer traditionelleren Variante. Schießen in Ego-Perspektive ist jedoch nur auf dem 3DS erlaubt.
Eine der größten Neuerungen im Resident Evil-Universum ist der Genesis-Scanner. Scannt Ihr heranschlurfende oder getötete Feinde, erhaltet Ihr jedes Mal ein Heilkraut, sobald die 100%-Marke erreicht ist das belohnt mutige Spieler. Obendrein spürt Ihr in der Umgebung verborgene Munition und Kräuter auf, die anderweitig unentdeckt blieben. Jederzeit frei zuweisbare Waffen-Upgrades findet Ihr jedoch auch so tunt Eure Wummen nach Belieben!
Erstmals in der Seriengeschichte bietet Revelations außerdem optional eine deutsche Sprachausgabe. Die wirkt allerdings befremdlich, nicht zuletzt aufgrund teils unpassender Stimmen und Akzente der Italiener Parker Luciani etwa klingt eher nach einem Osteuropäer.
Michael Herde meint: Das 3DS-Original hat mich begeistert, auch die Umsetzungen sind klasse. Insgesamt sieht das stimmungsvolle Abenteuer erstaunlich gut aus. Die Zwei-Stick-Steuerung lässt keine Wünsche offen, egal, ob ich angespannt durch Korridore schleiche, auf Schlüsselsuche herumrenne, Angriffen ausweiche oder das Spiel mitunter zur hektischen Ballerei mutiert. Auch das Musikspektrum unterstreicht die gebotene Vielfalt. Die deutschen Sprecher können mir jedoch gestohlen bleiben, ich hätte lieber einen Splitscreen-Modus gehabt. Die verschmerzbaren Mätzchen der Vorlage gibt es auch in HD: Folge ich meinem Partner durch Türen, knallt er sie mir ins Gesicht und ich muss sie erneut öffnen, der Scanner wird für Rätsel nicht genutzt und erschrocken bin ich kaum. Dafür motiviert der Raubzug-Modus mit Waffen-Upgrades und -Teilen.
- Umsetzung des gleichnamigen 3DS-Spiels, jedoch ohne 3D-Unterstützung
- mehrere Charaktere spielbar
- Bonus-Modus Raubzug für 2 Spieler
- neuartige Gegner, keine Zombies
Auch auf Konsolen macht Revelations eine gute Figur mit spannender Inszenierung, toller Spielbarkeit und starkem Koop-Bonusmodus.
| Singleplayer |  | 86 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |