Kurzum, ich war mittendrin im Spiel, ich war wirklich und wahrhaftig in Hyrule, ganz ohne mein Zimmer zu verlassen. Nie zuvor und niemals danach habe ich es dermaßen bereut, meiner Spielfigur in einem Anfall pubertären Humors einen dermaßen dämlichen Namen verpasst zu haben. Schließlich war ich der Held, der Protagonist, der Aktivposten, der ständig mit einem nicht jugendfreien Namen angesprochen wurde. Immerhin, ganz ohne nervige Autofahrt mit Staus und geschwisterlichen Streits war ich weg, in einer anderen Welt.
The Legend of Zelda A Link to the Past war eine ganz neue eskapistische Erfahrung für mich. Wieso, das konnte ich mit meinen Dreizehn Jahren nicht mal richtig in Worte fassen, ich wusste nur, das hat was ganz besonderes.
Zurück in der Gegenwart, naja, fast. Meinen Weihnachtsurlaub 2011 habe ich natürlich in Himmelsrand verbracht, keine große Überraschung. Aber auch wieder ein besonderes Erlebnis. Ich sitze eigentlich gemütlich auf der Couch oder in meinem Freischwingersessel eines berühmt-berüchtigten schwedischen Möbelhauses und bin gleichzeitig ganz woanders. Urlaub für den Kopf eben. Und, wie war dein Urlaub? Ach, einfach wie für mich gemacht.
Darf ich noch ein wenig von meinen Sesselreisen erzählen? Ich war Höhlenforscher und Grabräuber. Ich war der Typ, der leichtfertig ein Schwert aus einem Stein zog und dann auszog, die Welt zu retten. Ich war ein mächtiger Pirat und karottöser Kommandant einer Freibeuterflotte. Ja, das ist Überbeanspruchung eines abgenutzten schriftstellerischen Stilmittels und ja, ich hab Pirates wirklich so spät gespielt.
In Midgard war ich wirklich total überrascht, als ich ein Meer von Blumen fand und im Cosmo Canyon konnte ich einfach mal abschalten. Ich wurde von einem Predator gejagt während ich Aliens jagte. Auf der Citadel haben ein paar Mistkerle versucht, mich zu überfallen, aber nicht mir!
Bungiejumping? Pfft, ich war über den Dächern “der Stadt” auf Parkourtour, gebrochene Knochen inklusive, aber ohne Knochenbrüche.
Das war aber trotzdem nicht so nervenaufreibend wie Abstecher in vermeintlich verschlafene Städtchen in den Staaten.
Alles zum Pauschaltarif. Und auch ohne Fluglotsenstreiks, Visa-Probleme und verlorene Koffer.
Dabei hätten Pauschaltouristen für meinen Washington Aufenthalt nicht nur ihr Geld zurückgefordert sondern den Reiseveranstalter gleich in Grund und Boden verklagt. Gammeliges Personal, riesengroße RAD-Kakerlaken, widerliches Wasser, aber egal, ich fand´s toll.
Neulich war ich im Detroit der Zukunft zwar ohne ED209, aber mit Cyborgs und Polizeirobotern. Das war ganz schön stressig. Aber auch ziemlich cool.