Wenn alle Jahre wieder im November das neue Call of Duty in die Konsole eingelegt wird, ist das Prozedere eigentlich klar: Sechs Stunden kurz in die effekthaschende platte Kampagne eintauchen und Popcornkino sowie Explosionen am laufenden Band genießen. Dann das ganze schnell vergessen und ab in den Mehrspielermodus. Nicht so bei Black Ops II. Denn Treyarch gelingt mit der Geschichte um Alex Masons Sohn David und seinen Kollegen Harper nicht nur eine interessantere und verschlungenere Story als Infinity Ward mit seinem geradlinigen Modern Warfare-Universum. Ihr müsst jetzt auch während Eurer sechsstündigen Reise Entscheidungen treffen, welche die Handlung merklich beeinflussen und in eines von sechs möglichen Enden münden. Je nachdem wie schnell Ihr in einigen Missionen seid, wie akribisch Ihr die Schauplätze absucht und ob Ihr bestimmte Charaktere verschont oder zur Rechenschaft zieht, entspinnt sich der Konflikt mit dem Cyber-Terroristen Raul Menendez ein bisschen anders. Wiederspielwert bei Call of Duty? Eine echte Premiere! Nach Eurem ersten Durchgang könnt Ihr die Missionen einzeln ohne Storyauswirkungen anwählen oder zu einem bestimmten Kapitel zurückspulen. Dann wird Euer weiterer Fortschritt gelöscht, Eure Entscheidungen ändern die Geschichte jedoch wieder.
Einleitung Strikeforce-Modus Singleplayer Multiplayer Technik Meinung
Strikeforce-Modus
Beeinflusst wird der Lauf der Dinge nicht nur durch Euer Verhalten in bestimmten Szenen, sondern auch durch die neuen Strikeforce-Missionen. Das sind optionale Echtzeitstrategie-Aufträge, die während der Kampagne für eine bestimmte Zeit angegangen werden können. Hier schickt Ihr Truppen und Drohnen auf einer Übersichtskarte durch Eskortier-, Verteidigungs- und Suchmissionen durch die wiederverwendeten Mehrspielerkarten. Unglücklich: Das Tutorial ist schwerer zu meistern als die meisten anderen Einsätze und kann die Lust an dem neuen Feature direkt im Keim ersticken. Lasst Ihr Euch nicht abschrecken und nehmt die Herausforderung an, ändern sich Missionsabläufe und Handlungsstränge deutlich. Nach ein paar Versuchen kommt Ihr mit der ungewohnten Vogelperspektive und dem limitierten Befehlsrepertoire (alle oder nur einen Truppentyp bewegen) gut klar, durch Fortschritt in den normalen Kampagnenmissionen stockt Ihr Eure Mannschaftsstärke wieder auf. Wem die Zielgenauigkeit der KI-Soldaten nicht gut genug ist, der schlüpft während der Schlachten einfach in einen der Kameraden hinein und ballert in gewohnter Manier.
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Singleplayer
Mit den neuen Features geht Treyarch in die richtige Richtung, der Kern von Call of Duty mit seinen Stärken und Schwächen bleibt aber wieder unangetastet. Während Eurer Einsätze in den 1980ern und der nahen Zukunft von 2025 ballert Ihr auf Hunderte immer gleiche Gegner, reitet zu Pferd (wie auf einem Panzer) und mit konventionellen Vehikeln in die Schlacht, hört Euch militärisches Blabla an und bereist mal mehr mal weniger gut inszenierte Schauplätze wie einen Dschungel, ein unterirdisches Labor und einen Flugzeugträger. Echte Highlights wie die Prypiat-Mission aus Modern Warfare oder der Gefängnisausbruch aus Black Ops fehlen, vor allem die ersten ein bis zwei Stunden wirken spürbar routiniert und reichen von beliebig bis lieblos. Dann nimmt die Handlung spürbar Fahrt auf, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Charakteren werden deutlicher und die Szenarien spektakulärer, ohne wirklich zu glänzen. Vor Missionsbeginn dürft Ihr Eure Ausrüstung nun immerhin selbst zusammenstellen, ein Vorgeschmack auf das neue Pick-10-System des Mehrspielermodus.
Was Black Ops II spielerisch von seinen Vorgängern unterscheiden sollte, sind die Drohnen und die Ausrüstung der Soldaten des Jahres 2025. Leider bekommt Ihr aber keinerlei Freiheit beim Benutzen der neuen Werkzeuge. Kletterhandschuhe, Greifhaken, Gleitflügel und Abhörgerät kommen jeweils nur kurz an vorgegebenen Stellen meist nur in lahmen Quick-Time-Sequenzen zum Einsatz. Auch die neuen Drohnen treten nur selten auf, Ihnen gebt Ihr in der Regel lediglich Zielbereiche vor, sie schießen und bewegen sich meistens von allein. Treyarch verpasst hier die Chance, Variabilität und Abwechslung in die Gefechte zu bringen und dem Spieler ein wenig mehr Leine zu lassen. Stattdessen rennt Ihr wieder mal durch (im Vergleich zur CoD-Historie relativ breite) Schläuche und setzt Euch mit reichlich dummem Feindvolk auseinander. Eure Gegner machen keinerlei Anstalten, Euch zu flankieren oder mit besonnenen Manövern vorzurücken, sondern verschanzen sich an vorgegebenen Stellen und tauchen in bester Moorhuhn-Manier immer wieder auf und ab. Rennt Ihr an ihnen vorbei, schießen sie lieber weiter auf Eure KI-Kollegen, statt sich zu Euch umzudrehen. Apropos Kollegen: Euer Begleiter Harper erreicht trotz markiger Sprüche nie die individuelle Klasse von Price oder Reznov und bleibt ein platter Rambo-Verschnitt. Das gleiche gilt für den notorisch fluchenden Admiral Briggs und den aus Black Ops bekannten Frank Woods, der mittlerweile als Veteran im Rollstuhl sitzt und als Bindeglied zwischen den Einsätzen fungiert. Einzig Bösewicht Menendez wurde mit einem vielschichtigen Profil ausgestattet und seine Beweggründe sind es, die Euch bei der Kampagnen-Stange halten.
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Multiplayer
An den Mehrspielerschlachten hat Treyarch nichts gravierendes verändert, das süchtigmachende Erfolgskonzept aus engen Karten, schnellen Kills und vielen Belohnungen funktioniert weiterhin perfekt. Für Levelaufstiege erntet Ihr nun Tokens, mit denen Ihr individuell Ausrüstung und Waffen freischaltet. Größtmögliche Freiheit bei der Erstellung Eures Charakters garantiert das Pick-10-System: Damit dürft Ihr selbst fast ohne Begrenzung auswählen, mit welchen Gerätschaften Ihr in den Krieg zieht. Verzichtet zum Beispiel auf die Sekundärwaffe, um einen zusätzlichen Aufsatz auf Euer Gewehr zu schrauben oder nehmt einen zusätzlichen Perk mit, in dem Ihr Granaten zu Hause lasst. Waffen leveln wieder mit und sind durch die futuristischen Visiere nun noch tödlicher: Nun seht Ihr Gegner in Bewegung durch Deckung hindurch oder nehmt sie durch eine rote Umrandung komfortabler aufs Korn. Kills, Assists und andere Aktionen bringen Punkte für Scorestreaks, welche die Killstreaks ersetzen. Damit verfügt Ihr über Drohnen, einen Hitzestrahler oder die altbekannte Hundestaffel. Profispieler- und ligen freuen sich über eine Livestream-Funktion und das CODcast-Feature, das mit einfach zu bedienenden Werkzeugen wie einer Übersichtskarte und einer Punkteübersicht professionell kommentierte Matches zum Kinderspiel macht. Zum an sich schon umfangreichen Modus-Portfolio gesellen sich Multi-Team und Hardpoint mit wechselnden Punkten die Ihr einnehmen und verteidigen müsst.
Auch Zombiejäger kommen voll auf ihre Kosten. Neben dem klassischen Survivalmodus ballert Ihr Euch mit drei Kollegen auch durch ein großes, frei begehbares Gebiet, in dem es verschiedene Anlaufpunkte gibt. Zwischen denen verkehrt ein Bus inklusive abgedrehtem Fahrer die sicherste Methode, um in der tödlichen Umgebung von A nach B zu kommen. Abenteuerlustige Spieler gehen trotzdem zu Fuß und entdecken viele Geheimnisse, treffen aber auch auf andere Gegner als nur Standard-Zombies…
Überall in der Welt sammelt Ihr Teile, um kleine Maschinen und Schutzvorrichtungen zu bauen, die im aussichtslosen Kampf gegen die untoten Horden helfen. Die Objekte reichen dabei von Schilden aus Autotüren bis zu einer Konstruktion, mit der Ihr den Strom auf der Karte wieder einschaltet. Alternativ spielt Ihr mit acht Spielern in zwei Teams gleichzeitig gegen die graue Flut.
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Technik
Treyarch-typisch ist Black Ops II saftiger als Modern Warfare 3. Auch in Deutschland spritzt viel Blut, Menschen verbrennen in Großaufnahme, Kindersoldaten werden gedrillt und Erwachsene gefoltert. Herumirrende Zivilisten dürfen nicht erschossen werden. Im Zombie-Modus lassen sich allerdings erst nach einem Patch auf hierzulande Gliedmaßen abschießen. Wer die brutalen Szenen nicht sehen will und keine Lust auf Schimpfworte hat, kann das Spiel selbstständig im Optionsmenü zensieren. Deftige Szenen laufen dann mit schwarzem Bildschirm ab, Bluteffekte sind abgeschaltet und bei Flüchen sinkt kurzzeitig die Lautstärke. Unfreiwillig komisch wird dabei die erste Szene des Spiels, in der Mason versucht, einen Mann aus einem brennenden Fahrzeug zu retten und dabei verzweifelt um Hilfe schreit. Auch mit angeschaltetem Filter seht Ihr ihn panisch auf die Fahrerkabine eintreten, allerdings ist dort dann niemand drin.All das genießt Ihr in den von CoD gewohnten 60 Bildern pro Sekunde, allerdings gehört die Engine heutzutage zum alten Eisen. Im Gegensatz zu Infinity Ward schafft es Treyarch nur unzureichend, mit Dauerfeuer, Explosionen und hektischen Schlachten von den matschigen Texturen, kantigen Objekte und detailarmen Umgebungen abzulenken. Nur bei nächtlichen Einsätzen und im Regen fallen die deutlichen Alterserscheinungen dank hübscher Glanzeffekte nicht so auf. Ansonsten zeigen heutzutage Shooter wie Halo 4, Medal of Honor: Warfighter und Crysis 2, dass es deutlich schöner geht und der eigene Charakter auch ruhig über Beine und Schultern verfügen darf. Komischerweise sehen die späteren Missionen und die Mehrspielerduelle deutlich besser aus, als die ersten Kapitel, dann herrscht auf dem Bildschirm aber auch deutlich mehr Ablenkung.
Im Soundbereich bietet Black Ops II gewohnte Activision-Kost, ohne an die Brillianz eines Battlefield 3 heranzureichen. Schussgeräusche und Explosionen gehen in Ordnung, zeichnen sich aber eher durch Wucht als durch Feinabstimmung aus. Zwischendurch nudelt Hans-Zimmer-Gedudel, einzig der ruhige Introsong und das Musikstück nach Ablauf der Credits bleiben im Ohr.
Einleitung Strikeforce-Modus Singleplayer Multiplayer Technik Meinung
Tobias Kujawa meint: Ich fand die Treyarch-Schießereien World at War und Black Ops kreativer und abwechslungsreicher als Modern Warfare 2 und 3, daher war ich auf das Zukunftsszenario sehr gespannt. Doch gerade das kommt nicht richtig zum Zuge. Ich würde meine coole Spezialausrüstung ja gerne öfter nutzen, doch das Spiel lässt mich nicht und wirft mir lieber 50 Gegner mehr als Kanonenfutter vor die Flinte. Bei den Themen KI und hochwertige Texturen hört man bei Activision seit Jahren weg und auch viele Spieler wischen diese wichtigen Punkte mit dem Argument es ist eben Call of Duty beiseite. Mir sind beide Punkte aber sehr wichtig, ich würde im Solomodus dafür sogar auf die geheiligten 60 Frames verzichten. So bleibt die Kampagne trotz Wiederspielwert für mich blass. Was es am Ende wieder rausreißt, ist der nach wie vor herausragende Mehrspielermodus und launige Stunden im Zombieland.
Einleitung Strikeforce-Modus Singleplayer Multiplayer Technik Meinung
- nur mit Patch komplett ungeschnitten
- die Story nimmt je nach Euren Entscheidungen und Eurer Bereitschaft, die Strikeforce-Missionen zu spielen, einen anderen Verlauf mit 6 Enden
- optionale Strikeforce-Missionen mit Fokus auf reduzierter Echtzeit-Taktik
- Zombie-Modus mit offenem Gebiet, in dem ein Bus zu bestimmten Brennpunkten fährt
- CoD-Elite-Service ab jetzt im vollen Umfang gratis für alle Spieler
Einleitung Strikeforce-Modus Singleplayer Multiplayer Technik Meinung
Der Mehrspieler-Modus ist über jeden Zweifel erhaben, die Kampagne bleibt trotz Neuerungen hinter den Erwartungen zurück.
| Singleplayer |  | 84 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |