Das Journal der bekannten Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat in seiner aktuellen Februar-Ausgabe einen erfreulich fundierten, sachlichen Artikel über das Thema “Killerspiele” vom Berliner Kulturjournalisten Thomas Lindemann veröffentlicht – angesichts der Hysterie um das Thema (gerade bei fachfremden Publikationen) sehr lobenswert!
Der Autor hinterfragt kriegerische Videospiele kritisch, unter anderem am Beispiel von Killzone 2 (unser Test), Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots (hier geht’s zum Test) und am “audiovisuell beeindruckenden Kriegsspektakel” (Zitat aus unserem Test) Call of Duty: Modern Warfare 2. Lindemann untersucht das Phänomen “Moderne Kriegsführung als ästhetisches Erlebnis”, denn für ihn war “2009 überhaupt das Jahr der spektakulären Kriegsspiele”.
Nicht ohne Grund hat er sich dabei die Rosinen aus dem spielerischen Konfliktkuchen gepickt: Damit veranschaulicht er den emotionellen Widerspruch “Spaß an unterhaltender Gewalt” sehr anschaulich.
Was zunächst also als weiterer Schub für die Anti-Killerspiele-Lobby erscheint, offenbart sich schnell als geschickter Schachzug, um die Faszination des Kulturgutes Videospiel auch in dieser Sparte zu legitimieren. Lindemann relativiert den “neuen” Ansatz “Gewalt zur Unterhaltung” auch gleich geschichtlich – antike Quellen wie Homers Odyssee müssen ebenso herhalten wie Coppolas brutales Meisterwerk Der Pate.
Auch das unvermeidliche Modern Warfare 2, “der Erfolg des Jahres [2009] und ein Teil der Massenkultur”, checkt er auf Herz und Nieren. Das Überraschende daran ist, dass für ihn nicht die hier, da und dort kontrovers diskutierte Flughafenszene diejenige ist, welche für ihn die menschlichen Abgründe offenbart. Sie sei lediglich “gezielte Provokation und hat [dem Spiel] viel Aufmerksamkeit verschafft”. Wesentlich fragwürdiger war für ihn der Ramboangriff zu zweit auf eine Militärbasis im Schneesturm!
Lindemann blickt auch hinter die Science-Fiction-Fassade von Killzone 2 und zieht Parallelen zum Ersten Weltkrieg. Anschließend prangert er den Hang der Videospielindustrie zum Martialischen an und stellt seinen favorisierten Vertreter vor – ein Anti-Kriegsspiel: Metal Gear Solid 4. Die Faszination läge vor allem an einer Tatsache: “Es wandte die Mittel der Science Fiction so an, wie große Science-Fiction-Literatur das immer tat: zur Kritik an der Welt.”.