Child of Eden – im Klassik-Test (360)

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Tetsuya Mizuguchi stellte Fans auf eine lange Geduldsprobe: Widmete sich der kreative Japaner doch die vergangenen Jahre lieber diversen Knoblern wie Lumines und Meteos oder vergeudete seine Zeit als Berater der drögen Massenschnetzelei Ninety-Nine Nights, statt seine stylischen Frühwerke zeitgenössisch fortzusetzen. Während Weltraum-Tanzmaus Ulala weiterhin nur als Gaststar bei Sega-Titeln auftaucht, ist jetzt der spirituelle Nachfolger des immer noch heiß geliebten Synästhesie-Shooters Rez erhältlich – zumindest für die Xbox 360, Sony-Fans müssen sich noch bis September gedulden.

Wer auf der Microsoft-Konsole in bunte und fantasievoll in Szene gesetzte Welten abtauchen will, kann das auf zweierlei Art: Als ers­tes Spiel lässt sich Child of Eden sowohl mit normalem Controller als auch via ­Kinect vollwertig steuern. Besonders komplex zu handhaben ist das Konzept ja auch nicht: Ganz wie bei Rez fliegt Ihr auf vorgegebenen Bahnen durch die psychedelisch angehauchten Welten und ballert per Zielkreuz auf Feind­formationen. Diesmal erlebt Ihr den virtuellen Drogentrip jedoch aus der Ego-Perspektive und müsst hin und wieder die Waffe wechseln: Bei bestimmten Gegnern und auf Euch zurasenden Schüssen sind die nach Panzer Dragoon-Art aufschaltbaren Standard-Raketen machtlos, dann hilft nur der alternative, lila Dauerfeuer-Laser. Mit dem Joypad steuert Ihr Euer Zielkreuz genauer und auch der Munitionswechsel klappt besser, doch die gestenreiche Kinect-Kontrolle funktioniert durchaus gut – mit ihr fühlt Ihr Euch intensiver ins Geschehen eingebunden, allerdings ermüden Eure Arme sehr schnell.

Child of Eden wirkt mit seinen liebevoll gestalteten Welten, die thematisch ein Spektrum von Technologie bis Natur abdecken, optisch angemessen bombastisch und eindrucksvoll. Beim von Mizuguchis Musikprojekt Genki Rockets beigesteuerten, poppigen Soundtrack hätten wir uns eine Prise mehr Abwechslung gewünscht. Spielerisch hält sich die Faszination in Grenzen, und einige Designentscheidungen wollen uns nicht einleuchten: Dass alle fünf Levels zusammen nicht mal 90 Minuten dauern, verwundert Rez-Kenner kaum – dass Euch ein umständliches Freischaltsystem aber dazu nötigt, die frühen Abschnitte mehrfach am Stück zu absolvieren, ist nervig. An hohe Punktzahlen kommt zudem nur, wer stur den (im dichten Klangteppich teils schwer wahrnehmbaren) Musik­rhythmus einhält und sehr konzentriert spielt – das steht dem unbeschwerten Sich-berauschen-Lassen im Weg. Wer sich daran nicht stört, entdeckt auf Dauer allerlei nette Boni wie eine zusätzliche ’Herausforderungs’-Welt und hübsche Grafikfilter.

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