GRIS – im Test (Switch)

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Irgendetwas Schreckliches passiert dem Mädchen Gris. Eine monströse schwarze Macht zerschmettert ihr Weltbild, raubt ihre magische ­Stimme und verschlingt alle Farben. Gris stürzt – entkräftet, stumm, ­perspektivlos. Doch sie hat einen Hoffnungsschimmer: Euch.

Behutsam, aber unermüdlich steuert Ihr das Mädchen, dessen Namen auf Spanisch ”Grau” bedeutet, durch seine spiel­gewordene, poetisch insze­nierte Depression. Mühsam schleppt sie sich in die von Euch ­dirigierte Richtung, stolpert über mono­chrome Plattformen durch ­surreale 2D-Landschaften. Bald schon werden Gris’ ­Schritte ­wieder raumgreifender und ihre filigranen Beine tragen Euch durch Säulenwälder, Wüsten und verwunschene Ruinen. Stück für Stück tastet Ihr Euch gemeinsam zurück ins Leben, bewältigt einfache Sprung-Aufgaben, stemmt Euch gegen widrige Stürme und knüpft vorsichtige Freundschaften mit den Bewohnern eines geometrischen Dschungels. Die meisten ”Rätsel” bestehen zwar lediglich aus dem Aufspüren in der Spielwelt verstreuter Sterne, doch die teils originell verschachtelten Wege zu den Himmelskörpern entschädigen mit atemberaubender Ästhetik.

Nach und nach kehren auch die Farben zurück und spenden Gris’ Umgebung neuerlich Licht und Perspektive. Der Kontakt mit Wind und Wasser oder erste Erfolge beim Lösen netter Umgebungs-Rätsel wecken die vergessenen Metamorphose-Fähigkeiten ­Eurer zierlichen Heldin und eröffnen neue Navigations-Möglichkeiten. Bei Bedarf verwandelt sich Gris in ein robustes Schwergewicht und bricht so durch poröse Stein­platten, hinter denen neue Pfade warten. Sie lernt die Fortbewegung unter Wasser als manta­artige Amphibie und erklimmt eisige Höhen, indem sie gefrorene Abbilder des eigenen Körpers als Stufen benutzt. Am Ende trotzt sie selbst der Schwerkraft, was einige faszinierende Knobeleien ermöglicht.

Doch auch die schwarze Macht lernt dazu und attackiert immer wieder in Gestalt riesenhafter amorpher Bestien. Deren Action-Potenzial ist zwar eher homöopathisch – Gris kann nicht sterben –, doch das Spiel beeindruckt mit ganz anderen Qualitäten. Die große Stärke dieses Kunst-Plattformers ist seine fantastische visuelle Erzählung. Handgemalt vom spanischen Illustrator ­Conrad Roset bestechen Gris und ihre Welt durch anmutige Linienführung, grazile Formensprache und kraftvoll aufwallende Farbwolken. Kongenial animiert und in meditative Levels gegossen vom barcelonischen Nomada Studio erwachen Rosets Grafiken zum spielbaren Kunstwerk.

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Rudi Ratlos
13. März 2019 11:52

Wunderschön – werde ich mir unbedingt holen!

deRollEeinE
12. März 2019 18:54

Für mich nach wie vor eine der schönsten Videospielerfahrungen die ich je gemacht habe. Umfang und spielerischer Anspruch mögen eher gering sein, doch Präsentation und Erzählweise machen das locker wett.

Max Snake
12. März 2019 13:54

Möchte mich an Wildgruber´s schön geschrieben Text zur GRIS loben.
Hüpfpassage nicht zu hohen Anspruch, diese Audiovisuelle Reise ist wunderschön.