Grow Up – im Test (PS4)

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Gartenarbeit im Weltall, zum Zweiten: Ubisofts Botanical Utility Droid, kurz BUD, ist zurück auf der Konsolenbühne. Im vergangenen Jahr halfen wir ihm, eine große Sternenpflanze auf PS4 und Xbox One sprießen zu lassen, um zum Mond zu gelangen. Diesmal ist die Angelegenheit komplizierter: Im Intro düst der kleine Robo-Gärtner mit seinem Raumschiff MOM seelenruhig durchs All, doch nach einem kapitalen Crash sind die Wrackteile in alle Himmelsrichtungen verstreut. Praktischerweise hat BUD einen Freund dabei – POD. Die kleine Flugdrohne versorgt ihn mit einer Übersichtskarte der Spielwelt und gibt grobe Hinweise, was als Nächstes zu tun ist. Hauptaufgabe ist natürlich das Suchen der Raumschiff-Bruchstücke, aber nebenbei wollen zahlreiche Flugprüfungen absolviert, Kristalle gefunden und Pflanzen analysiert werden. Doch der Reihe nach…

Wie im Vorgänger lenkt Ihr den drolligen Roboter aus Third-Person-Sicht durch eine bunte Alienwelt, die aus groben Polygonen gebaut ist. BUD steuert sich schrecklich – zumindest denken sich das Nicht-Kenner des Vorgängers beim Erstkontakt. Er stolpert wie eine betrunkene Marionette durchs Level und clippt auch gerne mal unschön durch die Oberflächen von Objekten. Doch nach einer gewissen Eingewöhnungszeit geht Euch die Physik-basierte Steuerung in Fleisch und Blut über: Mit der rechten und linken Schultertaste steuert Ihr die entsprechenden Hände von BUD und lasst ihn an jeder Oberfläche emporklettern. Dazu gesellt sich ein (aufrüstbarer) Jetpack sowie im Spielverlauf ein Blumen-Fallschirm plus ein Gleitschirm. Anfangs kraxelt, lauft oder kugelt Ihr viel, doch schon bald verbringt Ihr die meiste Zeit in der Luft: Wer sich von Pflanzen in die Höhe katapultieren lässt oder das Wechselspiel von Düsenrucksack und Gleit-Flug verinnerlicht, segelt elegant von einer Bergkuppe zur nächsten und erklimmt die entferntesten schwebenden Inseln.

Im Vorgänger spross eine gigantische Pflanzenranke aus dem Boden, diesmal sind es mehrere, auf kleine Kontinente verteilt. Um diesen sogenannten Sternenpflanzen beim Wachsen zu verhelfen, müsst Ihr ein paar Meter hochklettern, einen Trieb besteigen und damit eine nahe gelegene, leuchtende Insel anbohren – das lässt die Säfte sprießen und Eure Pflanze groß und stark werden.

Fast alle kleineren Blüten, Knospen, Stengel oder Pilze haben die Eigenschaft, Euren Roboter in die Luft zu schleudern. Manche funktionieren wie ein Trampolin, andere wie ein Geysir – Hauptsache, BUD gewinnt an Höhe. Im Gegensatz zu Grow Home kann BUD in Grow Up jede Pflanzengattung scannen und danach auf Knopfdruck ihre Samen aussähen: Sekunden später wächst die gewünschte Pflanze und Ihr habt eine neue Sprunghilfe. Das Sammeln und Herumtragen von seltsamen Tieren fehlt diesmal – Ihr stoßt zwar auf etliche niedliche Alien-Tierchen, doch müsst Ihr Euch damit begnügen, sie zu finden, zu bestaunen oder ihrem komischen Gesang zu lauschen.

Also halten wir fest: Ihr fliegt umher, haltet nach Wrackteilen Ausschau (durch regelmäßige Blicke auf die frei zoombare Karte) und nutzt große und kleine Pflanzen, um die unzähligen Eilande zu erreichen. Wo immer Ihr hinkommt, könnt Ihr sicher sein: Irgendwo in der Nähe ist einer von 150 Kristallen versteckt. Sammelt diese ein, um nach und nach Eure Ausrüstung aufzumotzen – mit mehr Jetpack-Energie oder schnellerem Gleiter reist Ihr viel komfortabler. Des Weiteren haben die Entwickler 40 Herausforderungen in der Spielwelt verteilt – leider ist der Ablauf immer derselbe: Hopst oder fliegt rasch durch teils knifflig gesetzte Tore, bevor die Zeit abläuft – eine Art Riesenslalom in 3D. Spieler, die gern Nebenaufgaben erfüllen, sind eine Weile beschäftigt, seinen Hauptreiz zieht Grow Up aber aus der Freude am Entdecken und Herumfliegen: Ihr stoßt auf versteckte Kristallhöhlen, entdeckt Gänge hinter Wasserfällen, wundert Euch über Buchstabenklötzchen am Strand, sucht die Unterseiten von Schwebe-Inseln nach Kristallen ab oder freut Euch über traumhafte Ausblicke und Sonnenuntergänge beim Freiflug über die Planetenoberfläche.

Insgesamt ist der Spielablauf weniger mühselig als in ”Grow Home“: Die Option, stets Trampolin-Pflanzen zu erzeugen, und das weniger vertikale Design der Welt lassen Euch rascher vorankommen – deshalb wirkt Grow Up nicht um ein Vielfaches umfangreicher als der Erstling, obwohl die Spielwelt eigentlich sehr deutlich gewachsen ist.

Matthias Schmid meint: ”Ich will einen zweiten Teil mit neuem Setting und noch mehr Geheimnissen – und ich will ihn bald!” Mit diesen Worten schloss ich den Test des Vorgängers Grow Home. Entwickler Ubisoft Reflections hat sich beeilt und nur ein Jahr später geliefert – und ich bin zufrieden. Die Spielwelt ist zwar grafisch ähnlich, aber größer und abwechslungsreicher. Mein Ruf nach mehr Geheimnissen jedoch verhallte: Ich habe sogar das Gefühl, dass es beim ersten Teil im Verhältnis zur Größe der Spielwelt mehr versteckte Höhlen mit seltsamen Bewohnern gab. Auch das anstrengende, aber doch motivierende Ausrupfen und Herumschleppen von Flora und Fauna (um sie zu katalogisieren) wurde gestrichen – schade. Dafür mag ich das neue Pflanzensamen-Feature, so kann ich mir jederzeit und überall botanische Trampoline züchten und muss weniger mühevoll klettern. Auch die Freischalt-Mechanik von Fall- und Gleitschirm ist angenehmer: Angesichts der weitläufigeren Welt ist es komfortabel, dass ich schon früh im Spiel elegant von A nach B segeln kann. Und weil das so viel Freude bringt, gleite ich auch nach dem Durchspielen stundenlang durch die Lüfte und erfreue mich am einzigartigen Spielgefühl und der tollen Low-Polygon-Welt. BUD, komm bald wieder – mit mehr Geheimnissen!

+ Hauptfigur und tierische Bewohner knuffig
+ sehr eigenständiges Spielkonzept
+ komfortabler als der Vorgänger
+ schwammig anmutendes Steuerungskonzept fühlt sich nach einer Weile gut an

– kein Arten-Katalog der Tierwelt
– Herausforderungen eintönig

Größer als der Vorgänger, aber nicht spaßiger: entspanntes Erkundungsspiel mit einzigartigem Grafikstil.

Singleplayer82
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