
Dieser Artikel stammt aus der M! 340 (Januar 2022).
TOKIO • Geht es nach einem im November veröffentlichten Bloomberg-Report, dann verleibte sich Tencent bereits im September 2021 ”still und heimlich” die japanische Spielefirma Wake Up Interactive ein. Der chinesische Konzern zahlte für die kontrollierende 90%-Mehrheit umgerechnet knapp 40 Millionen Euro. Wake Up ist die Mutterfirma der kleinen Valhalla Game Studios (Devils Third), vor allem aber von Soleil, einem vom Ex-Team-Ninja-Mann Yoshifuru Okamoto gegründeten Entwickler, der in Tokio über 100 Personen beschäftigt. Zuletzt arbeitete Soleil am mittelprächtigen Travis Strikes Again: No More Heroes sowie am Switch-Download-Erfolg Ninjala. Aktuell sind zwei PS5- und Xbox-Action-Titel sowie ein Online-Multiplayer-Ninja-Spiel in der Mache.
Immer mehr Können, IPs und Ressourcen der Spielemacht Japan gerieten zuletzt in chinesischen Besitz; auch die No More Heroes-Macher Grasshopper gehören seit Herbst einer chinesischen Firma: NetEase. Die Online- und Game-Riesen Chinas zwingt nicht zuletzt staatlicher Druck, vom mächtigen Binnen- auf den Export- und Weltmarkt auszuweichen. Während weder Tencent noch Wake Up die Übernahme bestätigten, spricht Kadokawa, ein japanisches Medienkonglomerat, das mehrere Game-Firmen kontrolliert (etwa FromSoftware und Spike Chunsoft), im Herbst 2021 ganz offen über eine Geldspritze aus China: Für 30 Milliarden Yen (ca. 250 Millionen Euro) verkaufte Kadokawa einen 6,86%-Anteil an Tencent.







