Warren Spector spricht über die Kultur der Videospiele

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Zur Eröffnung der Penny Arcade Expo in Seattle hielt Kult-Entwickler Warren Spector, kreativer Kopf hinter Spielen wie Wing Commander, System Shock, Dark Project: Der Meisterdieb, Deus Ex und aktuell Micky Epic, einen inspirierenden Vortrag über den Stand der Videospiel-Kultur. Unsere amerikanischen Kollegen von Gamasutra haben Spectors Kernaussagen in Schriftform festgehalten. Hier eine Zusammenfassung:

wcDer Pioneer der multiplen Lösungswege wollte in seinem Vortrag deutlich machen, dass Videospiele kein geekiges Spartenhobby mehr seien und endlich den Weg in den gesellschaftlichen “Mainstream” finden müssten.

Die Videospiel-Kultur habe ihr “goldenes Zeitalter” erreicht (manch einer mag behaupten, inzwischen hinter sich gelassen) und so nach einem langen Kampf der Akzeptanz endlich die Möglichkeit erhalten, als vollwertiges Unterhaltungsmedium neben Kino, Fernsehen usw. zu bestehen.

“Jedem Medium, das überdauert hat, ist das Gleiche widerfahren. Das, was wir aktuell am eigenen Leib erfahren.“

dxVor nicht langer Zeit sei die Videospiel-Kultur nicht mehr gewesen als eine Versammlung von männlichen Heranwachsenden mit Hang zur Fachidotie. Heute würden wir Männer und Frauen aller Altersgruppen sehen, die an dieser Form der Unterhaltung teilnehmen. Casual Games sieht Spector nicht als Verfallserscheinung, sondern als wichtige Ergänzung, die nötig ist, um das Medium am Leben zu erhalten. “Wir haben nicht mehr eine Spiele-Kultur, wir haben viele verschiedene.“

Spector erklärt weiterhin, warum er es für so wichtig hält, dass Videospiele in den Mainstream eingehen. Denn das sei die einzige Möglichkeit, ihnen den Schutz zu gewähren, den auch andere Kunstformen erhalten. Er erwähnte in diesem Zusammenhang die am 2. November ausstehende Entscheidung des amerikanischen Surpreme Courts über die Verfassungstauglichkeit der kalifornischen “Violent Video Game Bill“ (wir berichteten). Würde dieses Gesetz rechtskräftig werden, wären Videospiele das erste Medium in der Geschichte der USA, das nicht unter dem Schutz des ersten Zusatzartikels der amerikanischen Verfassung stehen würde. Eine Bedrohung gegen die sich die Industrie unbedingt wehren müsse, so Spector.

emAlle Unterhaltungsmedien, von Literatur bis zu Musik und Film, hätten im Laufe der Geschichte ähnliche Zensur-Bedrohungen überstehen müssen. Gerade deshalb sei laut Spector eine gesellschaftliche Akzeptanz so wichtig. Um der drohenden Zensur entgegen zu wirken.

Videospiel-Entwickler sollten “ehren, was sie einzigartig macht“ und Publisher wieder mehr Risiken eingehen und ihren kreativen Köpfen mehr Vertrauen entgegen bringen. Die Industrie möge zwar jung und unreif sein, aber sie müsse endlich ihren Minderwertigkeitskomplex überwinden.

Vielmehr verdiene die Industrie mehr Respekt, denn “Videospiele sind wichtig.“

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Segabasti
9. September 2010 8:52

Er hat recht, “”Publisher wieder mehr Risiken eingehen und ihren kreativen Köpfen mehr Vertrauen entgegen bringen.””Wären sonst solche perlen wie Shenmue, Endless Ocean oder auch “”ungewöhnliche”” Spiele wie Animal Crossing, Pokemon oder Pikmin je entstanden? Nein! Es ist wirklich wichtig, die kreativen Köpfe einzubeziehen und nicht zu vergraulen, wie Sega es leider vorgemacht hat.

Pariah
8. September 2010 17:28

Wie zu erwarten, kluge Worte von Mr. System Shock. Oder nur Valium für all jene, die fürchten, der Casual -Trend würde ihr Hobby endgültig banalisieren und zu Grabe tragen? We`ll see…

Saldek
8. September 2010 17:02

“”Casual Games sieht Spector nicht als Verfallserscheinung, sondern als wichtige Ergänzung, die nötig ist, um das Medium am Leben zu erhalten.””Das mag ja richtig sein, aber die Formulierung “”am Leben erhalten”” gefällt mir gar nicht. Die Branche wirtschaftet und verhält sich immer noch so, als würde morgen alles den Bach runtergehen. Es wird nie wieder einen totalen Branchen-Crash geben, einen Reset auf 0, oder gar das Ende von Games. Das Medium hat sich bereits viel zu breit in der Gesellschaft etabliert, Technologien sind ausgereifter als früher. Deshalb: weiter in die Masse gehen: ja Untergang der Branche: nein.

Beeberman
8. September 2010 15:57

extrem sympathischer Typ, zum Glück macht er jetzt Konsolengames ;).Freu mich schon sehr auf Epic Mickey…hoffentlich wird es sich auch gut verkaufen, so was muss man unterstützen!Eigentlich immer recht lustig, die Entwickler selbst äußern sich ja öfter mal wie hier Spector, die Publisher hingegen outen sich nach und nach immer mehr…da sieht man ganz deutlich wem die Industrie liegt und wem nicht 🙁

8. September 2010 14:33

der sieht nem ehemaligen arbeitskollegen von mir ziehmlich ähnlich XD

tetsuo01
8. September 2010 13:28

Reinhardt Mey macht jetzt Spiele?*lol*

captain carot
8. September 2010 12:59

Vllt. muss die Industrie diese Phase aber auch durchmachen. Zum Teil sind ja die Indie Studios genau deswegen entstanden, weil Entwickler ihre eigenen Ideen so besser unterbringen können. So könnte sich etwas entwickeln, wo neben Popcornproduktionen unabhängiges Spiel, “”Autorenspiel””, B-Ware und auch A-Ware mit künstlerischem Anspruch Bestand haben.In jedem Fall mal ein angenehm anderes Interview nach viel zu viel Managersenf in der letzten Zeit.

Tom Breiter
8. September 2010 12:52

Sehr schön formuliert, seh’ ich auch so!

8. September 2010 11:46

Wow, neben der GoW Avatar-Shirt Aktion ein echt angenehmer Beitrag, der zeigt dass unser aller Hobby nicht unter der Fuchtel geldgeiler Säcke steht-das es noch Idealisten, Visionäre, eben Menschen mit Träumen und einem sozialen Verantwortungsgefühl gibt, dern Maxime das Schaffen und nicht das Schäffeln ist.