MAN!AC-Menschen und Köpfe der Videospiel-Szene stellen ihr Lieblingsspiel, das nie in einer Top 10 war!
GTA V, FIFA 15, Assassin’s Creed ja, wir kennen sie, diese Spiele. Aber es gibt viele, die wir nicht kennen – oder nie gespielt haben. Und wir sollten sie spielen. Liebevolle Titel, die unter dem Radar geflogen sind. MANIAC.de hat Persönlichkeiten der Games-Szene gefragt, welches ihr Lieblings-Underdog ist. System und Zeit spielen keine Rolle. Hauptsache es ist gut und nicht berühmt. Diesmal mit Spiele-Programmierer/Journalist Andreas “Sarcophaser” von Lepel!

MEIN LIEBSTES SPIEL.
WELCHES KEINER KENNT.
Diese Reihe wird jeden Donnerstag fortgesetzt. Wer sein unbekanntes Lieblingsspiel vorstellt hat, oder wird, könnt Ihr hier sehen.
| Zillion – Martin Gaksch |
| Everblue – Jan Sönke Steffen |
| Carnage Heart – Andreas von Lepel |
| ? – Fabian Döhla |
| ? – ? |
Wie darauf gekommen?
Als Spiele-Programmierer seit 1982 (Sinclair ZX81, C64, Amiga, Spectravideo SV328, GameBoy, PC, jetzt iOS / Android) interessierte ich mich schon immer für Programmier-Spiele wie C-Robots – hier wurden kleine, in der Programmiersprache C geschriebene Roboter in virtuellen Arenen aufeinander losgelassen, von Nerds für Nerds gegen Nerds.
Und dann die Sensation (nochmal für Nerds), Artdink brachte 1995 ein grafisch völlig passables Roboter-Kampfspiel in 3D für die PlayStation auf den Markt, in dem zwei Teams mit jeweils bis zu drei OKEs (OverKill Engines) gegeneinander antreten konnten. Und die OKEs wurden nicht von den gegnerischen Spielern direkt gesteuert, sondern mithilfe einer ausgeklügelten visuellen Programmiersprache auf die Kämpfe vorbereitet und dann mit einem Schulterklopfen in die Schlacht geschickt – ab da hieß es dann zuschauen, leiden & freuen (oder nur leiden, je nach Programmierkönnen).
Verständlich wurde die Sache aber erst mit der PAL-Version 1997, das japanische Original war aufgrund der Komplexität nicht ganz einfach zu verstehen.

Was ist so gut?
Die Machtlosigkeit während der Kämpfe. Das ist wie bei einem spannenden Fußballspiel, man kann in dem Moment dann nur noch hoffen & beten, wobei beides vom Nutzwert her nicht viel bringt. Es gab damals sogar schon Webseiten, die Listings mit dem Code für besonders erfolgreiche OKEs veröffentlichten. Und die eigenen Kampfmaschinen konnte man ganz einfach auf die Memory-Card kopieren und zu Freunden mitnehmen, für ein entspanntes Kaffeetrinken mit anschließendem Mech-Gerümpel. Gesetzt der Fall natürlich, man hatte Freunde die genauso verrückt waren.
Bester Moment?
Einer meiner nicht so brillant programmierter OKEs steht die ganze Schlacht nur dumm in der Gegend rum, wird auf magische Weise aber so gut wie nicht getroffen – und schaltet dann mit einem platzierten Fernschuss den letzten, bereits stark beschädigten Gegner aus.
Dieser von mir dann als Geheimtipp gehandelte Sniper konnte seine Performance allerdings nie mehr wiederholen. Friede seiner Asche.

Warum kennt es keiner?
Mal ehrlich – warum kennt es überhaupt einer (außer in Japan)?
Wo oder wie kann man es heute spielen?
Mit Carnage Heart wird es nicht einfach werden (hm, aber ein Exemplar mit Deutscher! Anleitung gibt es gerade noch bei Amazon.de), und der Nachfolger Zeus: Carange Heart Second (von mir damals direkt in Tokio in Akihabara erworben) wurde leider nie ins Englische übersetzt.
Aber: Es gibt ja seit März 2013 den hervorragenden Nachfolger Carnage Heart EXA für PSP als US-Import. Wer also eine tiefgehende Einarbeitung in logische Befehlsketten nicht scheut und gerne Sachen in die Luft jagt und die nötige Zeit mitbringt – unbedingt zuschlagen!

Über Andreas
Noch vor der Mondlandung geboren veröffentlichte er mit 13 Jahren seine ersten Programm in BASIC und Z80-Assembler in der Zeitschrift CHIP-SPECIAL (Vogel-Verlag). Es folgten erfolgreiche Spiele wie Sarcophaser (Amiga), Gurken a la Shooting Star (Amiga), und unerkannte Perlen, z.B. Splitterwelten (PC), vielleicht das erste echte Echtzeitstrategiespiel (noch vor Dune 2). Wenn damals schon ein Publisher das Konzept der Echtzeitstrategie verstanden hätte, dann hätte Andreas nicht sechs Jahre auf einen Publishing-Deal warten müssen und wäre jetzt reich…
Das mit dem reich werden oder sein klappte später dann weder als TV-Moderator von X-Base (ZDF) noch als Chefredakteur von BRAVO ScreenFun, Pcgo und Wunderwelt Wissen.
Deswegen veröffentlichte er Ende 2012 die Eigenentwicklung Freeze! für Smartphones & Tablets, ein düsteres Geschicklichkeitsspiel mit einem rollenden Auge in Schwarz-Weiß-Welten, welches er international mit großem Erfolg (in 10 Sprachen lokalisiert) veröffentlichte – Freeze! wurde bisher 2x von Apple im App Store und ebenfalls 2x von Google auf Google Play international gefeatured und dadurch über 9,5 Millionen mal heruntergeladen und glänzt mit einer weltweiten Durchschnittsbewertung von 4,5 von 5 Sternen.
Reich ist Andreas allerdings immer noch nicht, irgendwie hat er es mit dem geschäftlichen nicht so drauf. Wahrscheinlich deshalb, weil die MAN!AC nie seine Spiele vorstellt.
| Entwickler: Artdink | Publisher: Sony (in Deutschland) |
| Erhältlich für: PlayStation | Erscheinungsdatum: 1997 (PAL) |
| Mehr Infos: > Carnage Heart-Rating auf MANIAC.de > Carnage Heart bei Wikipedia (EN) > Programming Games Wiki (EN) Bonus-Infos: > Martin Gaksch testet Sarcophaser (Happy Computer, via Kultboy) |
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