Und wozu ist das gut?
Interessante Frage. Und eine, für die es viele Antworten gibt.
Ganz einfach sind Emulatoren erstmal praktikabel. Auch wenn die Idee bei weitem nicht jeden begeistert, statt 20 Retrokonsolen einen netten, kleinen Rechner am TV hängen zu haben ist für manch einen sehr verlockend. Dazu gesellen sich oft eine Reihe Komfortfunktionen, von mehreren Speicherslots über frei konfigurierbare Grafikfilter bis zu Online-Multiplayer bei Spielen, die das eigentlich nicht vorsehen. Oder die Möglichkeit, PAL-Spiele mit NTSC-Turbo zu spielen
Emulatoren ermöglichen aber auch ganz anderes. Fanübersetzungen etwa. Secret of Mana 2 oder Bahamuth Lagoon auf Englisch? Kein Problem.
ROM-Hacks, die aus alten Spielen neue machen? Gerade Mario-Umbauten findet man in rauen Mengen.
Schönheits-OP, gerade für einige N64-Spiele gibt es hochauflösende Textursets, die sichtlich aufhübschen können. PS2-, Wii- und GameCube-Spiele können in HD via Emulator richtig schick aussehen.
Aber auch verlorene Titel werden plötzlich spielbar, ein Promibeispiel dürfte wohl Star Fox 2 fürs SNES sein. Von Nintendo kurz vor Fertigstellung eingestampft tauchte irgendwann ein ROM im Netz auf, das von der Emulatorgemeinde übersetzt und von Bugs befreit wurde.
Ebenso gibt es für viele alte Geräte auch dank Emulatorszene bis heute neue Spiele aus der Hobbyecke.
Digitaler Erhalt könnte allerdings der wichtigste Punkt überhaupt sein. Konsolen, Heimcomputer, Disketten, CDs und auch Module altern. Und auch Arcadeautomaten altern. Vor einigen Jahren machte ich etwa die eigentlich unschöne Erfahrung, dass nahezu alle meine Amigadisketten im Eimer waren. Von kaputten Amigas mal gar nicht erst zu reden. Nun bekommt man die Freundin selbst noch ohne große Probleme. Bei manchen Spielen sieht das schon anders aus. Dabei waren viele nicht mal selten.
Ähnlich erfreulich war ein optisch fehlerfreies, aber defektes Nemesis 2 für den Game Boy. Weit weniger überraschen dürfte wohl, dass meine PlayStation 1 sich schon vor vielen Jahren verabschiedet hat. Bei echten Exoten wirkt sich ähnliches mittlerweile akut bestandsgefährdend aus. Bei alten Arcadeautomaten scheinen einige sogar verloren, andere wurden gerade noch rechtzeitig digital gesichert. Erschwerend kommt für Arcadespiele hinzu, dass teilweise spezielle, längst nicht mehr gebaute Hardware entwickelt wurde.
Dabei ist gar nicht mal so selten der Rechteinhaber noch aktiv. Die Gründe für den Verfall von Altgeräten und vor allem Software sind dabei wieder mal vielschichtig. Sei es nun, dass eine nicht mehr aktive Lizenz die Neuauswertung verhindert, Copyright- oder Lizenzprobleme bestehen (Super FX Spiele scheinen bei Nintendo so ein Fall zu sein) oder schlicht aus mangelndem wirtschaftlichen Interesse.