Während Sony und Nintendo offen auf die Szene der Independent-Entwickler zugehen, hielt sich Microsoft bei der Präsentation ihrer Xbox One diesbezüglich zurück. Die zeigten sich entsprechend enttäuscht. Games Industry befragte einige Indies zu ihrer Meinung über die Xbox One-Enthüllung:
Andy Schatz von Pocketwatch Games (Monaco) verwies auf die klare Fokussierung auf TV-Funktionen: “Es ist unmöglich für mich, die Xbox-Enthüllung aus der Sicht eines Spielentwicklers zu beurteilen: Es ging nicht um Spiele, es ging um eine Set-Top-Box“, erklärte er. Offenbar wolle man eher im Revier von Google und Apple wildern, als beispielsweise bei Steam. Doch er will erst die E3 abwarten.
Martin Pichlmair von Broken Rules (Chasing Aurora) erklärte: “Als Indie-Entwickler gab es nichts in dieser Präsentation, das mich verlocken würde, ein Spiel für diese Konsole zu entwickeln. Die PS4 ist viel interessanter, ebenso die Wii U.“ iOS, Android und Steam bleiben für ihn -für mindestens eine weitere Konsolen-Generation– die interessantesten Plattformen für unabhängige Spiele.
Ex-“Grasshopper” Massimo Guarini von Ovosonico glaubt, dass der Ansatz der Medien-Integration im Wohnzimmer in die falsche Richtung führt: “Unsere Branche kann sich nicht entwickeln, wenn wir zwanghaft das Mantra der Wohnzimmer–Herrschaft beschwören und im Teenager-Hardware-Krieg stecken bleiben. Unser Medium kann sich nur durch neue Inhalte, neue Themen, die Emotionen auslösen, entwickeln. Als Ergebnis der kollektiven, allgegenwärtigen Multi-Tech-, Multi-Tasking-Hysterie macht mir am meisten Sorgen, dass Microsoft vielleicht wirklich selbst daran glaubt, wie sie die Xbox One positionieren.“
“Kein gesunder Mensch will – geschweige denn braucht es – ein Spiel zu spielen, während man einen Film sieht und gleichzeitig bei Skype chattet, während man mit seinen Händen fuchtelt“, fügte Guarini hinzu. “Wo ist der Inhalt? Ich meine, neben dem Hund?“
Auch zum Design der Xbox One gab er noch einen Kommentar ab: “Vom Design her haben wir zumindest Glück, dass die Kinder von heute gar nicht wissen, was ein VHS-Player ist.”
Microsofts Absage bezüglich einer eigenen Abteilung für Indie-Games beim nächsten Xbox Live, wie es sie bei der 360 gibt, stieß zusammen mit der Aussage, dass Indie-Entwickler ihre Spiele nicht selbst veröffentlichen dürfen, auf weitere Kritik. Jason Perkins von Curve Studios (Thomas was alone) meinte, auf der 360 sei Microsoft mit Xbox Live Arcade wegweisend gewesen. Deshalb sei es schade, dass sie diesen Weg anscheinend nicht weitergingen. So sei die Pforte für Sony offen, die Indie-Spielen prominenten Platz im Store einräumen und die Wichtigkeit des Sektors auch bei ihrer Pressekonferenz betonten.