Die Beziehung zwischen Spielehersteller Ubisoft und ihres (jetzt wieder) ehemaligen Kreativkopfes Patrice Désilets als “bewegt” zu bezeichnen, ist wohl eine glatte Untertreibung: Die zweifelhafte Ehre, die gleiche Firma zweimal verlassen (zu müssen), wird wohl den wenigsten Menschen zuteil.
Bereits 1998 kam er zu Ubisoft Montreal, wo er als Lead-Game-Designer unter anderem 2003 Prince of Persia: Sands of Time entwickelte; 2004 war er Creative Director bei Assassin’s Creed. Doch 2010 verließ er das Unternehmen – vermutlich wegen Unstimmigkeiten über die Zukunft der Assassinen-Reihe. Offiziell hieß es allerdings, er “nehme sich eine Auszeit” (wir berichteten hier). Daraufhin gründete er sein eigenes Studio THQ Montreal (Bericht hier). 2011 warb man drei weitere Mitarbeiter von Ubisoft ab – was zu einem Rechtsstreit führte.
Doch im März diesen Jahres “kaufte” Ubisoft ihn quasi zurück – als Teil der Konkursmasse von THQ Montreal, die Ubisoft erwarb (wir berichteten hier). “Wir sind sehr erfreut, Patrice wieder bei Ubisoft begrüßen zu dürfen und erwarten, dass mit dieser erneuerten Partnerschaft neue Ideen und qualitativ hochwertige Titel für Ubisofts Kunden produzieren werden”, so die vollmundige Ankündigung gegenüber Polygon.
Doch ganz so groß war die Wiedersehensfreude dann doch nicht: Gegenüber Game Informer erklärte Ubisoft gestern: “Nach der Übernahme verliefen die Gespräche, die in gutem Glauben zwischen Patrice und Ubisoft stattfanden, um Patrice’ Visionen mit denen des Studios anzugleichen, ergebnislos. Als Ergebnis hat Patrice das Studio verlassen.”
Seine Entlassung lief dabei nicht gerade gentlemanlike ab: “Im Gegensatz zu früheren heutigen Aussagen wurde ich heute Morgen von Ubisoft entlassen, erklärte er gegenüber Polygon. “Ich wurde von dieser Kündigung persönlich benachrichtigt, bekam die Kündigung und wurde unfeierlich von zwei Wachen aus dem Gebäude eskortiert, ohne mich von meinem Team verabschieden zu können oder meine persönlichen Gegenstände mitzunehmen. Das war nicht meine Entscheidung. Ubisofts Aktionen sind grund-und haltlos. Ich beabsichtige, mit Ubisoft energisch um meine Rechte, mein Team und mein Spiel zu kämpfen.“
1666 und Underdog, an denen er zuletzt arbeitete – und die (vermutlich) der Stein des Anstosses waren – noch weiter entwickelt werden, wollte Ubisoft nicht kommentieren.