Die jüngste Episode Hitman: Absolution hat bei uns satte 90% Spielspaß abgesahnt, manch hartgesottener Serienfan ärgerte sich aber über Veränderungen, die das Spiel zugänglicher machten und vermeintlich verweichlichten. In der HD Trilogy kehrt nun der echte Stuff zurück.
Die drei enthaltenen Episoden haben allesamt schon etliche Jahre auf dem Buckel, was die Neuauflage nicht verbergen kann, die sich auf eine höhere Auflösung beschränkt und auf inhaltliche Optimierungen verzichtet mit allen Vor- und Nachteilen der Originale. Knackscharf sind alle drei Episoden, auch die Bildrate ist zufriedenstellend. Da Entwicker IO Interactive erst mit Blood Money zur damals neuen Glacier-Engine wechselte, ist die jüngste Episode zugleich die schönste. Was den Spielen jedoch an Details, Animationen und audiovisuellem Feinschliff fehlt, wird durch die noch immer packende Inszenierung und vor allem durch die Fülle an Möglichkeiten kaschiert.
Jede Hitman-Episode besteht aus einer Reihe in sich geschlossener Schauplätze, die mit vielen Möglichkeiten gespickt sind, die vorgegebene(n) Zielperson(en) zu liquidieren. Es ist vor allem auf höheren Schwierigkeitsstufen erforderlich, unbemerkt bzw. gut getarnt die Umgebung zu sondieren und mithilfe der Karte und relevanter Hotspots einen Plan zu entwickeln. Sofern die künstliche Intelligenz der Gegner mitspielt, sorgt das immer wieder für hochspannende Situationen. Wer sich Zeit lässt, spürt makaber-lustige Lösungswege auf, tarnt Morde als Unfall (Blood Money), lauscht witzigen Gesprächen oder entdeckt freche Details wie den entblößten (und sonderbar aussehenden) Penis eines Wachmannes beim Pinkeln (Silent Assassin).
Generell ist Heimlichkeit Trumpf, denn im Gegensatz zu Absolution ist es hier kaum möglich, sich mit Waffengewalt aus Konflikten zu befreien. Zudem funktioniert die Schießsteuerung durchweg mehr schlecht als recht, auch die restlichen Kontrollen erfordern einige Übung. Dafür wechselt Agent 47 auf Wunsch in die Ego-Sicht, knackt Schlösser, lugt durch Schlüssellöcher und nutzt gefundene Waffen in späteren Einsätzen.
Michael Herde meint: Die HD Trilogy macht es mir schwer, sie zu mögen. Die Steuerung ist ziemlich fummelig und das KI-Verhalten oft unberechenbar, was angesichts des beschränkten Speichersystems frustriert. Steife und zappelige Animationen sowie Grafikbugs, bei denen Leute durch geschlossene Türen gehen, sind schlicht hässlich. Doch trotz aller Sperrigkeit und Frustmomente bieten die drei Episoden motivierende Sandkasten-Levels voller makaber-düsterer Puzzles mit multiplen Lösungswegen für Heimlichtuer Ballern bringts nicht! Nur muss ich mir den Spaß hart erarbeiten, ich muss den Willen zur Perfektion aufbringen und darf mich nicht von den (teils altersbedingten) Unzulänglichkeiten ausbremsen lassen was mir schwerfällt. Immerhin haben die Storys Charme und Jesper Kyds Musik ist klasse!
- enthält Silent Assassin, Contracts und Blood Money, Teil 1 fehlt
- Blood Money identisch zu Xbox-360-Version von 2006
- Hitman: Sniper Challenge als Gratis-DLC
Drei sichtlich in die Jahre gekommene Schleichabenteuer, die dann begeistern, wenn man sich mühevoll darauf einlässt und die Macken ignoriert.
| Singleplayer |  | 70 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |