Früher war alles anders nicht unbedingt besser, aber definitiv anders. Twix hieß noch Raider, in Deutschland bezahlte man noch mit der D-Mark und Videospiele brachten noch keine Erfolge oder Trophäen mit sich. Man spielte, weil es Spaß machte, weil man abschalten wollte oder einfach mal aus Langeweile doch Erfolgsdruck gab es nur selten. Schaue ich mir allerdings die aktuelle Entwicklung an, bleibt mir häufig nur ein Kopfschütteln.
Folgende Situation ist fiktiv, könnte sich aber auch genauso zugetragen haben: Freitag abend, ich befinde mich in einer gemütlichen Xbox-Chat-Runde mit ein paar Bekannten. Plötzlich kommt jemand in die Party und versucht, sich sogleich in das Gespräch einzubringen. Er beginnt mit den Worten: Hey, hat einer von Euch Bock, online ein paar Erfolge freizuschalten? Nun ja, schon möglich. Um welches Spiel es sich handelt, möchte ich wissen. Gears of War 3. Ich brauch’ noch Leute, die mit mir den Koop-Erfolg ‘Spiele das Spiel auf Wahnsinnig durch’ machen. Okay, denke ich, und hole das Game aus dem Schrank. Spiel eingelegt, beigetreten und schon sind wir zu viert im Level unterwegs. Wer besagten Epic-Shooter mal auf dem erwähnten Schwierigkeitsgrad erlebt hat, weiß: Es ist hart. Wir sterben ein ums andere Mal. Nach etwa einer Stunde vergeht mir die Lust, ich verabschiede mich und wünsche noch viel Vergnügen. Die Stimmung ist angespannt. Ich höre zum Abschied nur noch: Oh Mann, schon wieder kaputt. Das Spiel nervt. Aber ich will den Erfolg haben!. Ich bin raus.

Grundsätzlich kann ich nichts gegen Erfolge und Trophäen sagen. Es ist sicherlich amüsant, bestimmte Dinge auszuprobieren, auf die man während des normalen Spielverlaufs so ohne weiteres gar nicht kommen würde. Und auch ich freue mich, wenn ich für den Abschluss eines Levels 20 Gamerscore-Punkte erhalte. Doch wie wichtig muss man dieses System eigentlich nehmen?
Die Idee hinter dem Ganzen ist simpel: Spieler sollen sich möglichst intensiv mit einem Titel auseinandersetzen. Tun sie dies, werden sie belohnt. Soweit, so einfach. Leider hat sich dieser an sich gute Grundgedanke für viele zu einer Art Sucht entwickelt. Welche Erfolge gibt es? Wie bekomme ich sie am schnellsten? Muss ich online spielen? Wenn ja, sollte ich mich mit anderen Spielern absprechen, um die Punkte zu bekommen? So oder so ähnlich geht wohl ein Gamerscore- bzw. Trophäenjäger an ein Spiel seiner Wahl heran. Noch bevor das eigentliche Game gestartet wurde, scheinen sich diese Leute unter Druck zu setzen. Aber warum eigentlich?
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