Matthias Schmid: Ubisoft Montreal hat mich total überrascht und mit Ezios Italienurlaub das beste Spiel des Jahres aus dem Hut gezaubert. Fast jeder Fehltritt des Vorgängers wurde behoben und zusammen mit den Stärken von Teil 1 (Kletter-Mechanik, Spielwelt, Grafik) zu einem locker 20-stündigen Action-Abenteuer vermengt, das mich verschlungen und erst nach mehreren turbulenten Tagen im glaubhaften Italien der Renaissance wieder ausgespuckt hat. Mit einer Vielzahl an spannenden Nebenaufgaben, intelligenten Rätseln, sympathischen Figuren und herausfordernden Grabräubereinlagen gelang Assassins Creed 2 mit Bravour das, woran sich der Vorgänger die Zähne ausgebissen hatte: Eine über die gesamte Spielzeit erfrischende, abwechslungs- und lehrreiche sowie befriedigende Geschichtsstunde, die trotz der Größe die Spielwelt bis ins letzte Detail ausgemeißelt hat.
Thomas Nickel: Im Gegensatz zum Großteil der werten Kollegen war ich bereits ein großer Freund des ersten Assassin’s Creed. Fantastische Atmosphäre, ein spannendes Setting und die großartige, innovative Steuerung ließen es mir nicht schwer fallen, über einen gewissen Mangel an Abwechslung im späteren Spielverlauf hinweg zu sehen. Und kurz und schmerzlos: Teil 2 setzt in jeder Beziehung noch einen drauf – es ist schöner, abwechslungsreicher, fühlt sich noch besser an… aber eines ist mir besonders aufgefallen. Held Ezio ist so interessant und wird so überzeugend und glaubwürdig charakterisiert, dass so manches andere Spiel sich hier eine gehörige Scheibe abschneiden sollte.
Michael Herde: Darf man Assassin’s Creed II als Überraschungshit bezeichnen? Der enorme Hype, den Ubisoft im Vorfeld generiert hat, scheint dies zu verbieten. Gehypt wird aber immer und die Marktschreierei sagt nichts über die Qualität des Produktes aus. So auch beim Vorgänger, der mich bald nur noch gelangweilt hat – trotz einiger Stärken und guter Ansätze. Bei der Fortsetzung war ich am Anfang von den wirklich miesen Gesichtern der Charaktere entsetzt, der geruhsame Einstieg begeisterte mich auch nicht. Doch kaum in das Assassinen-Gewand geschlüpft, brach ein Sturm der Begeisterung los, der bis zum Ende nicht abklingen wollte und mich immer wieder überrascht hat. Konstant führen die Entwickler immer neue Elemente ein, die mich zwischendurch sogar den Storystrang vergessen lassen. Endlich wird die nötige Abwechslung geboten! Allerdings hat es ins Spiel auch ein Feature geschafft, das an Absurdität Uncharted 2 beinahe das Wasser reicht: Weil sich meine Geldtruhe in meiner Villa mit der Zeit füllt, muss ich immer wieder dorthin zurück, um sie zu leeren. Doch wohin? Natürlich in meinen Geldbeutel. Um es deutlich zu machen: Ich entnehme Geld einer sicher verwahrten Truhe, deren Fassungsvermögen beschränkt ist. Das trage ich fortan in einem unendlich großen Geldbeutel mit mir herum. Warum?
Ulrich Steppberger: Ezio rockt. Ich fand wie Thomas schon das erste Assassin’s Creed besser als so manch anderer, aber der zweite Ausflug legt in (fast) allen Belangen noch eine Nummer drauf – nur grafisch ist kein richtiger Fortschritt festzustellen. Wie man am Ausflug nach Italien ernsthaft über mehr als Kleinigkeiten meckern kann, wird mir wohl auf ewig schleierhaft bleiben.