Oliver Schultes: Im Podcast habe ich Modern Warfare 2 als “Moorhuhn auf Schienen” bezeichnet. Mit einigen Wochen Abstand erhärtet sich der Eindruck: In vielen Szenen hat man das Gefühl, dass um einen herum der Krieg tobt, man selbst aber nur unbeteiligter Zuseher ist. Die Kollegen laufen voran, ich trotte hinterher, sie ballern die Feinde ab, ich schaue zu. Wer auf den niedrigeren Schwierigkeitsstufen seine KI-Kumpels mal machen lässt, kann sich oftmals zurücklehnen – und dabei verliert der ach so bedrohlich schreiende virtuelle Krieg seinen Schrecken. Hinter der Krach-Bumm-Maske kommt dann die gescriptete Welt um einen herum zum Vorschein, die sich um mich und meine Aktionen einen Dreck schert. Man erkennt, dass die vermeintlichen Massenschlachten stur ihren eigenen Gesetzen folgen; manchmal war ich versucht, zu winken und “Hierher!” zu brüllen. Wer allerdings seinen analytischen Teil des Gehirns ausschalten kann, erlebt einen sechsstündigen Rausch mit einer wahnwitzigen Bilderflut, der länger nachhallt als die durchzechte Silvesternacht.
Matthias Schmid: Aus drei eigenständigen Spielmodi schnürt Infinity Ward das dickste Shooterpaket des Jahres. Die Spec-Ops-Missionen fesseln mit knackigem Schwierigkeitsgrad und variantenreichen Zielen, der Mehrspieler-Modus macht ganz nebenbei die stärkste Onlineshooter-Erfahrung noch besser. Und doch hat mich die Solokampagne während der ersten Wochen am meisten begeistert – trotz ihrer Kürze, trotz der Linearität und trotz des viel diskutierten Flughafenlevels. Denn obgleich letzteres spielerisch Banane ist, hat Infinity Ward mit diesem Tabubruch Mut bewiesen – natürlich ist dieser Tabubruch selbstzweckhaft, meiner Meinung nach aber auch wichtig für ein so junges Medium. Spielerisch toppt Modern Warfare 2 den Vorgänger zwar nur knapp, doch die Intensität und die technische Brillanz, mit der die Entwickler die virtuellen Schlachten auf die Mattscheibe bringen, überraschten mich ein ums andere Mal.
Thomas Nickel: Wenn ich heute nostalgisch am meine ersten Videospiel-Erlebnisse zurückdenke, dann erinnere ich mich daran, dass ich Pilze aß, größer wurde und auf Goombas und Koopas sprang. Die heutige Jugend wird in ein paar Jahren sicher ähnlich wehmütig an die Flughafen-Massaker der guten, alten Zeit denken. Oder auch nicht.
Michael Herde: Aus meiner Sicht enttäuscht die Solo-Kampagne von Modern Warfare 2 im Vergleich zur Qualität seines Vorgängers. Hier wird überwiegend Bekanntes neu aufgekocht, pfiffige Neuerungen wie das Befreien von Geiseln in Zeitlupe sind selten. HD-“Moorhuhn” trifft es da ganz gut, aber das hat ja auch unzählige Fans. Warum das Spiel dennoch auf Platz 2 landet? Weil es derzeit einfach kein besseres Online-Erlebnis gibt! Fraglos kann man mit Modern Warfare 2 eine Menge Spaß haben, aber ich bevorzuge charmante Spiele mit Seele, die wissen, wie man eine Geschichte erzählt und wie man das auch noch gut macht. Infinity Ward hat diesbezüglich noch eine Menge zu lernen. Hurra-patriotistische Parolen, wie geil doch das US-Militär ist, und die kalkulierte Provokation im Flughafen-Level empfinde ich eher als peinlich denn als Weg weisenden Tabubruch. Außerdem muss ich permanent daran denken, wie Activision deutsche Händler und Kunden belogen hat, als es hieß, die deutsche Version sei ungeschnitten. Dafür kann zwar das Spiel nichts, aber so etwas macht man einfach nicht.
Ulrich Steppberger: Ich bin kein guter Ego-Shooter-Spieler. Trotzdem ziehe ich bei Modern Warfare 2 immer wieder in den Online-Kampf und lasse mich von zahllosen Fieslingen ein uns andere Mal umpusten – die Killcam ist aber auch sowas von schick… kurz gesagt, das Ding macht selbst als Daueropfer soviel Spaß wie sonst nichts im Genre.
Philip Ulc: Der ‘Spec Op’-Modus für sich allein genommen ist ein Anwärter auf das ‘Spiel des Jahres’. Ähnlich wie Trials HD zieht der Modus seine Faszination aus dem “Ich will noch besser/noch schneller werden”-Antrieb. Gerade weil ich nur einen Versuch pro Mission habe, perfektioniere ich mein Vorgehen, merke mir Gegnerstandorte und feile an möglichst schnellen Arten, den Feind auszuschalten. Der ‘Spec Op’-Modus wird mich noch viele Wochen beschäftigen, damit ich endlich alle 69 Sterne beisammen habe. Und wenn ich mal wieder fluche ob der knackigen Einsätze, lenke ich mich mit einer Partie im Multiplayer ab – denn auch hier zählt die Highscore-Jagd über alle Maße (Prestige-Ränge, ich grüße Euch).








