Auf meinen Streifzügen durch das WWW habe ich einmal mehr eine bemerkenswerte Nachricht entdeckt, die mich am Verstand meiner Mitmenschen zweifeln lässt.
Nach dem Besuch einer achten Klasse in der Eutiner Rettberg-Kaserne hagelt es Kritik von Eltern und Landespolitikern. Als Grund nennt die Zeitung Lübecker Nachrichten, dass der zuständige Oberfeldwebel den minderjährigen Besuchern einen 370.000 Euro teuren Trainingssimulator für Schießübungen vorführte und diesen mit den Worten lobte, er sei “tausendmal besser als jede PlayStation”. Nach Angaben der Zeitung trainieren Soldaten in dem computeranimierten Kino mit Elektrowaffen für den Einsatz in Afghanistan.
Selbstverständlich dauerte es nicht lange, bis es erste Kritk hagelte: “Wir versuchen unsere Kinder von Ballerspielen fernzuhalten und dann passiert in der Kaserne so was!” empörten sich Eltern, während auch von seiten der Politik gewettert wird. Der designierte FDP-Bildungsminister Ekkehard Klug sagte laut den Lübecker Nachrichten “Ich halte es für pädagogisch nicht vertretbar, wenn Heranwachsenden ein solcher Schießsimulator vorgeführt wird”, Asja Huberty von der Linken wird mit den Worten zitiert: “Da jugendliche Gewalttäter bekanntlich oft brutale Spiele auf Konsolen wie der Playstation gespielt haben, ist das Vorgehen mehr als verwerflich.”
Die Bundeswehr bezieht Stellung und bedauert den Vorfall: “Die Formulierungen waren missverständlich, da mangelte es offenkundig an Geschick”, äußerte sich Reiner Großmann vom Wehrbereichskommando I in Kiel. Im Gegensatz zu Konsolenspielen ginge es im Trainingssimulator nicht um Spaß: “Die Soldaten üben virtuell, was sie im Ernstfall anwenden müssen.” Das sei beim Besuch der Hauptschüler vermutlich nicht entsprechend reflektiert worden, so Großmann.
Mittlerweile planen der Eutiner Friedenskreis und die Grünen eine öffentliche Diskussionsrunde mit Bundeswehr, Eltern und der zuständigen Schulleitung. Rektor Matthias Isecke-Vogelsang hat unterdessen Positives zu vermelden: “Der Klassenlehrer berichtete mir nach dem Besuch keine ungewöhnlichen Vorfälle.”
Soweit zur Meldung, über die ich mich wie gesagt sehr wundere. Was haben denn die Eltern, Lehrer, Schüler bei der Bundeswehr erwartet? Lesezirkel und Strickkurse? Als ich meinen Wehrdienst ableistete, habe ich selbstverständlich auch mit Schusswaffen und scharfer Munition hantiert für genau diese Art von Ausbildung ist die Bundeswehr doch da. Freilich klingt es in den Ohren verunsicherter Eltern bedrohlich, wenn ein Schießsimulator nützlicher als eine Spielkonsole sein soll. Schließlich hält sich die Mär beharrlich, dass Gewalttäter ihre vermeintlichen Tötungsfähigkeiten an der heimischen Spielkonsole erwerben. Aus persönlicher Erfahrung darf ich dem widersprechen: Trotz ausgiebiger Ballererfahrung hatte ich enorme Schwierigkeiten beim Zielen und immer einen Heidenrespekt vor dem Rückstoß eines G3-Gewehrs denn den kann kein Rumble-Pad der Welt imitieren.
Na, immerhin hält es der Schulrektor für erwähnenswert, dass nach dem Besuch keine ungewöhnlichen Vorfälle zu berichten seien. Als ob etwas anderes zu erwarten wäre…
Diskutiert mit: Was haltet Ihr von dieser Meldung? Darf man 13-15jährigen beim Kasernenbesuch zeigen, wie sich der Berufsalltag derer gestaltet, die sich für die Sicherheit unseres Landes einsetzen? Für mich schwingt bei den zitierten Aussagen jede Menge Angst und Verunsicherung mit, die absurde Geschichten wie diese erst ermöglichen ganz ähnlich wie beim jüngsten Aufruf zur Spieleentsorgung in Stuttgart.