Microsoft: Stellenabbau trotz Milliarden-Gewinn

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Dieser Artikel stammt aus der M! 354 (März 2023).

REDMOND • Das neue Jahr 2023 begrüßten die Großen der amerikanischen IT- und Software-Branche mit massiven Entlassungen. Sowohl Amazon als auch der Facebook-Betreiber Meta streichen jeweils eine fünf­stellige Zahl von Arbeitsplätzen, 18.000 und 11.000 respektive, ebenso Googles Mutterkonzern Alphabet, der im Januar den Abbau von 12.000 Stellen bekannt gibt. Der neue Twitter-Besitzer Elon Musk verschlankt seine Belegschaft und auch Microsoft folgt diesem Trend: Wie das US-Nachrichtenmagazin TIME meldete, wird Microsoft 10.000 Personen entlassen, also knapp 5 Prozent der weltweiten Belegschaft. Laut TIME wird damit die ­Expansion während der Corona-Jahre, in denen digitale Dienste und Cloud-Anwendungen boomten, nun wieder etwas zurückgefahren. 2020 bis 2022 vergrößerte der Microsoft-Konzern seine Belegschaft massiv, um ein gutes Drittel auf über 220.000 Köpfe, und spricht jetzt von einer ”Normalisierung” und ­angemessenen Antwort auf ”makro-ökonomische Bedingungen und die sich wandelnden Kunden-­Prioritäten”. Vor allem bezüglich der Hardware-Entwicklung und -Vermarktung kündigt ­Microsoft Beschneidungen an, um andererseits die KI-Entwicklung und den Aufbau einer ”neuen Computer-Plattform” zu forcieren. So sollen in die kalifornische Beteiligung OpenAI und deren revolutionäre Gesprächs-Software ChatGPT weitere Milliarden fließen. ”Wir müssen mehr mit weniger erreichen”, zitiert TIME Satya Nadella. Wo exakt die Axt einschlägt, erläuterte der Microsoft-Chef nicht, bleibt diesbezüglich im Ungefähren.

Der Konzern verzeichnete im abgelaufenen Quartal ein zweiprozentiges Umsatzwachstum auf 52,7 Milliarden US-Dollar und einen Nettogewinn von 16,4 Milliarden US-Dollar. Was schwächelt, ist das ­klassische Geschäft mit dem Betriebssystem Windows, das im 3-Monats-Zeitraum ein ”dramatisches” (FAZ) Umsatzminus von 39 Prozent verzeichnen musste. Ebenso beklagte das Hardwaregeschäft um die PC-Marke Surface ein Minus von 39 Prozent. Obwohl der Name ”Xbox” in Bezug auf die künftige Microsoft-Strategie nicht explizit fiel, ist auch der Gaming-Bereich von der Verschlankung betroffen: Abgebaut wurden und werden Stellen sowohl bei der 2021 übernommenen Zenimax-Gruppe (Bethesda, id) als auch bei den Entwicklungstöchtern The Coalition (Gears of War, Gears Tactics) und 343 Industries. Letztere entwickelte die Story-Kampagne von Halo Infinite und wird hart vom Stellenabbau er­wischt: Jason Schreier, der Game-Spezialist beim US-Nachrichtenmedium Bloomberg, schreibt von mindestens 60 der 450 Beschäftigten, die ihren Job verloren. Es zirkulieren Gerüchte, dass unterm Strich rund ein Drittel der Belegschaft freigestellt wird, kommende Halo-Spiele möglicherweise bald auch von externen Partnern programmiert werden und keine nennenswerte Solo-Kampagne mehr enthalten. Unter den Profis, die nicht mehr bei 343 arbeiten, befindet sich Joe Staten, ein Halo: Combat Evolved-Veteran und zuletzt Co-Director von Halo Infinite. Angeblich wurden alle Story-DLC-Pläne für Halo Infinite gestrichen, damit sich die Marke primär zu einer Multiplayer-Action-Serie entwickelt.

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ghostdog83
I, MANIAC
ghostdog83

Microsoft arbeitet bestimmt daran, zukünftige Spiele nur noch von KIs entwickeln zu lassen, Lol.

AIs, wenn sie einmal so weit sind, werden eine große Entlastung darstellen, wenn es bspw. um die Erstellung von 3-D-Modellen geht. Die anfallenden Kosten und der Zeitaufwand für eine immer detailreichere Grafik können so reduziert werden. In einem GameStar Podcast hat ein Entwickler darüber gesprochen, der die zukünftige Unterstützung durch AIs positiv bewertet.

Furo
Mitglied
Furo

Ich kann mir da keinen Reim drauf machen. Das im Zuge der Digitalisierung zunehmend Stellen überall wegfallen werden, damit muss man leider zunehmend rechnen. Aber ohne zu wissen wer genau geht und warum, kann und möchte ich mir dazu kein Bild machen. Da ist mir dann der Link von @ghostdog83 doch wichtiger.

Das erfolgreiche Spiele auf dem Rücken von ausgebeuteten Mitarbeitern entstehen hinterlässt für mich einen ganz blöden Beigeschmack. Aber offen gesagt habe ich den From Hype auch gerade am Beispiel Elden Ring nicht so recht verstanden.

dmhvader
I, MANIAC
dmhvader

Microsoft arbeitet bestimmt daran, zukünftige Spiele nur noch von KIs entwickeln zu lassen, Lol.

ghostdog83
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ghostdog83

Ach Leute, es ist doch hinreichend bekannt, dass der Maestro Miyazaki allein Hand anlegt und seine Mitarbeiter zur Bewunderung seiner Tatkraft ihn dabei immer über die Schulter schauen – und sollte tatsächlich mal jemand gebrauch werden, ist die Nummer von Maestro Kojima jederzeit griffbereit.

Nightrain
I, MANIAC
Nightrain

From Software sind doch voll die Guten, die darf man nicht kritisieren. Die sehen zusammen mit der heiligen Nintendo-Kuh auf einer speziellen Wiese! 😉

joia
I, MANIAC
joia

Wer diese Vorgänge, die in der freien Wirtschaft, in regionalen Ämtern bis hin zu nationalen und internationalen Staatsgeschehnissen völlig normal sind, moralisch beurteilt – der kann sich ja für die soziale Gerechtigkeit in der Spielbranche an seine Konsole kleben.

Wir palavern hier von Entwicklungen in der freien Wirtschaft und echauffieren uns moralisch über die “asoziale” Vorgehensweise von MS (schaut mal, wie die Arbeitsverhältnisse bei From Software sind und traut euch danach noch Elden Ring zu spielen! Infos hier und hier.)

ghostdog83
I, MANIAC
ghostdog83

@Nightrain

Da stimme ich dir zu. Auch wenn ein Unternehmen hohe Gewinne erwirtschaftet, bedeutet das nicht, MA weiter zu beschäftigen, auch wenn diese zu dem Zeitpunkt aus Gründen nicht mehr benötigt werden – und wie du schon schreibst, muss man dann ganz genau hinschauen, warum das der Fall ist.

Nightrain
I, MANIAC
Nightrain

… und auch dort sollte man sich die Hintergründe ansehen und sich einen “die da oben”-Beißreflex verkneifen. 😉

Mayhem
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Mayhem

@DOOM bei Sony oder Nintendo würde ich mich genauso echauffieren!

D00M82
Moderator
D00M82

@Nightrain:

Ne ne wenn MS Leute entlässt, dann hat man sich gefälligst zu echauffieren!

Nightrain
I, MANIAC
Nightrain

Ja, da sind dicke Gewinne auf der einen Seite und 10.000 Entlassene auf der anderen.
Dazu kommt aber: “Wo exakt die Axt einschlägt, erläuterte der Microsoft-Chef nicht, bleibt diesbezüglich im Ungefähren.” Zwar gibt es 2% Wachstum, aber auch rückgängige Zahlen von -39%. Dabei wissen wir nicht, welchen Wert diese Rückgänge haben und ob es nicht gerade dort Stellen trifft.

Zusätzlich wurde die Gesamtbelegschaft um ein Drittel vorher erhöht – unbetrachtet bleiben dabei die Art der Verträge. Wissen wir, ob da nicht viele Leute einen befristeten Vertrag hatten und ob deren Stellen nun gestrichen wurden? Noch wissen wir etwas wie die Pläne ab 2020 ausgesehen haben und unter welchen Voraussetzungen Stellen geschaffen wurden.

Die News, so gut, wie sie geschrieben ist, ist leider nicht mehr als eine kurze nicht emotionale Zusammenfassung. Vielleicht sollte man das hier in den Kommentaren auch mal im Hinterkopf behalten, bevor man sich auf polemische Weise äußert. 🙂

Mayhem
I, MANIAC
Mayhem

Asoziale Geschäftswelt.

senser
I, MANIAC
senser

Da freuen sich doch die Anleger! Alle anderen werden es an der Qualität merken vor allem die Leute die da arbeiten.

The-Boy-Who-Lived
I, MANIAC
The-Boy-Who-Lived

Vielleicht wird ja Halo somit zum Multiplayer-Shooter-Zugpferd, falls es mit Activision/CoD doch nicht ganz so läuft und alle Stricke reißen sollten 😐 Dann hat man zumindest Halo in CoD/Battlefield-Manier ummodelliert.