
Dieser Artikel stammt aus der M! 352 (Januar 2023).
GUANGZHOU • Systematisch kaufen sich chinesische Hersteller ins Herz der Spieleindustrie ein, engagieren in Japan die erfahrensten und hippsten Designer und Produzenten. So steigt Tencent beim Traditionshersteller Kadokawa ein und übernimmt ein Studio um Ex-Team-Ninja-Produzent Yoshifuru Okamoto. NetEase, der mit 20.000 Beschäftigten und fast 10 Milliarden Euro Jahresumsatz zweite Game-Riese Chinas, schluckt in Tokio die No More Heroes-Macher Grasshopper Manufacture und gründet Anfang des Jahres ein neues Studio mit dem Sega-Veteranen und Yakuza-Chef Toshihiro Nagoshi. Ende 2022 wechselt ein weiterer japanischer Spitzenmann in NetEase-Dienste: Zusammen mit dem langjährigen Resident Evil– und Devil May Cry-Produzenten Hiroyuki Kobayashi (siehe Foto) gründet NetEase in Osaka das Studio GPTRACK50. Um ”eine Original-IP” zu entwickeln, beschäftigt das Team auch Film- und TV-Kreative. ”NetEase hat massig Erfahrung, was Investment und Entwicklungskooperation angeht, ist ein sehr zuverlässiger Partner für Qualitätsspiele und Unterhaltungsprodukte”, meint Kobayashi, der dieses Jahr 50 wurde und 1995 zu Capcoms Resi-Kernteam stieß. Mit seinem Start-up möchte er ”die Grenze zu Film, Zeichentrick und Büchern, Theater und Events überschreiten”.
NetEase eröffnete mit amerikanischen MMORPG-Profis über den Sommer neue Studios in Seattle und Texas, und fast beiläufig kaufen sich die Chinesen nun auch in die Region zwischen Berlin und Moskau ein, erwerben Anteile oder Kontrolle an osteuropäischen und russischen Firmen, die in der Krisenzeit zerfallen oder sich neu ausrichten müssen. Der polnische Spieldesigner und The Witcher III-Director Konrad Tomaszkiewicz verließ seinen langjährigen Arbeitgeber CD Projekt RED vor einem halben Jahr mit einer Handvoll Kollegen und gründete im Februar das Studio Rebel Wolves in Warschau. Zum Jahresende freut sich Tomaszkiewicz jetzt über eine chinesische Minderheitsbeteiligung (die Höhe blieb ungenannt) und heißt NetEase als neuen Teilhaber willkommen: ”Eine global führende Firma im Rücken zu haben, baut unser Selbstvertrauen gehörig auf.” Tomaszkiewicz und seine Rebellen wollen keine Multiplayer- oder Smartphone-Arenen schaffen, sondern sich voll und ganz auf ihre Kernstärke konzentrieren: Singleplayer- und Storytelling-RPGs für PC und Konsole. ”Die finanzielle Unterstützung war das letzte Teil, das uns noch fehlte, um Gas zu geben”, meint Tomaszkiewicz und rekrutiert fürs Debütspiel Kreative, die in Warschau oder ”remote”, angestellt oder frei an düsterer Fantasy arbeiten wollen.
Fight! Magic! Items! • Running Press Adult Verlag • 320 Seiten • ca. 20 Euro








