Project Leonardo: Zugänglichkeit für alle PS5-Fälle

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Dieser Artikel stammt aus der M! 353 (Februar 2023).

TOKIO / LAS VEGAS • Game-Controller- und Joypad-Design ist ein Bereich, in dem die Xbox beim ewigen Wettlauf gegen die PlayStation gut mithält, sogar immer wieder voranprescht. Microsoft fertigt seit Jahren hochwertige Pads, die sich flexibel anpassen und umrüsten lassen, um E-Sport-Profi-Ansprüchen zu genügen, und verblüffte die Welt 2018 mit einem Eingabegerät, das völlig flexibel ist. Der ”Adaptive Controller” lässt sich dank 19 Miniklinken und drei USB-Buchsen zu jeder beliebigen Form und Funktion ummodeln. Er begeistert Joypad-Modder, ist in erster Linie aber für barrierefreies Spielen, für Kranke, Menschen mit Behinderung und Schwache gedacht und gemacht.

Diesem Gedanken und Konzept folgte nun Sony und enthüllte auf der amerikanischen Unterhaltungselektronikmesse CES, die vom 5. bis 8. Januar in Las Vegas stattfand, für PlayStation 5 ”Project Leonardo”. Wie der Adaptive Controller ist es ein ”Kit”, kein klar definiertes Eingabegerät, sondern die Basis für ein Controller-Setup, dessen Elemente, Wege, Buttongrößen und -abstände Spieler selbst festlegen und an ihre individuellen Bedürfnisse und Handicaps wie Einhändigkeit oder chronische Muskelschwäche anpassen.
”Zugänglichkeit ist für PlayStation ein wichtiges Thema: Wir tun alles dafür, damit jeder Spielspaß haben kann”, meint Sony und arbeitet wie Microsoft mit gemeinnützigen Organisationen und Accessibility-Spezialisten wie AbleGamers, SpecialEffects und Stack Up zusammen. Auch soll Third-Party-Zubehör den Leonardo-Controller unterstützen und erweitern. Das auf der CES gezeigte Basis-Kit umfasst ein rundes Joyboard mit Analogstick-Satelliten, knapp 20 austauschbare Knöpfe, konvexe und konkave Face-Plättchen und mehrere Stick-Knubbel. Neben USB besitzt der Leonardo-Controller vier 3,5-mm-AUX-Buchsen (für Klinkenstecker, wie sie die meisten Kopfhörer verwenden) sowie ein Gewinde, mit dem er sich stabil auf Dreibein-Stativ, an Rollstuhl oder Krankenbett montieren lässt. Sony zeigt zwei Leonardo-Kits, die sich zu einem Controller ergänzen, und ein Tandem aus Leonardo und DualSense-Pad, damit sich Spieler von einem ”Co-Piloten” unterstützen lassen können.

Softwareseitig dürfen Spieler jeden Leonardo-Button ein- und mehrfach belegen und natürlich auch individuelle Profile für verschiedene Anforderungen und Vorlieben speichern. Mit einem Knopfdruck wechselt man unkompliziert zwischen den Profileinstellungen. ”Einen ganz bestimmten, richtigen Formfaktor gibt es nicht, weil die Spieler Project Leonardo an ihre speziellen Bedürfnisse anpassen – sie sollen ihre eigene Konfiguration erschaffen”, erklärt Sony-Interactive-Entertainment-Produktdesigner So Morimoto. ”Der Controller akzeptiert und kombiniert verschiedenes Accessibility-Zubehör und besitzt so eine eigene Ästhetik. Er entsteht in Zusammenarbeit mit den Spielern, statt ihnen eine einzige, fixe Form vorzusetzen.”

Leonardo steckt gegenwärtig voll in der Entwicklung, meint Sony, und soll vor dem Schritt zur Serienreife noch viel Feedback aus der Community sammeln. In Las Vegas zeigte Sony noch keine konkrete Leonardo-Peripherie, verriet weder Startzeitpunkt noch, was der Bas­tel-Controller kosten wird. Insider vermuten, dass Leonardo nicht so günstig kommt wie der Adaptive Controller, den Microsoft von Anfang an für 100 US-Dollar und damit erfreulich erschwinglich verkauft. 180 US-Dollar kostet wiederum ein ähnliches Gerät, das der japanische Hersteller Hori seit 2020 für Nintendos Switch anbietet: Der ”Flex Controller” ist ein kompaktes Joyboard, robust und anwenderfreundlich dank zehn großer und fünf kleinerer Knöpfe und mächtig erweiterbar durch zwei USB-A-Ports und achtzehn 3,5-mm-Buchsen.