Square-Enix-Exit lässt Embracer expandieren

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Dieser Artikel stammt aus der M! 345 (Juni 2022).

KARLSTAD • Die Meldung zu den US-Töchtern Gearbox und Aspyr ist kaum geschrieben, schon legt die ”expansions­freudigste Game-Holding Europas” nach und stärkt ihre amerikanische Seite massiv. Für vergleichsweise günstige 300 Millionen US-Dollar kauft Embracer das renommierte kalifornische Studio Crystal ­Dynamics von Square Enix sowie Eidos-Niederlassungen in Kanada und London und stürmt so in die Champions League der Spielkonzerne. ”Embracer ist das bestgehütete Geheimnis der Game-Szene” (Pressemitteilung) lässt schmunzeln: Gründer Lars Wingfors verhält sich in den letzten Jahren nicht gerade unauffällig, wie M!-Leser wissen, sondern frisst Studios und IPs in Serie. Woran es der schwedischen Holding bislang mangelt, sind Triple-A-Bestseller und Entwicklungsstudios von Weltruf, große Marken und Macher, so wie sie die Konkurrenten EA, Microsoft, Sony horten. Nach Gearbox und ”Borderlands, die Embracer Anfang 2021 für 360 Millionen US-Dollar schluckt, ist Eidos die erst zweite Investition in die oberste Liga, Lara Croft der erste Superstar für Embracer.

Crystal Dynamics mit drei Studios und 300 Mitarbeitern, die Thief– und Deus Ex: Human Revolution-Produzenten Eidos-Montréal mit 500 Köpfen, dazu die 2011 eröffnete Mobilspielfabrik Square Enix Montréal: Quasi die ganze westliche Entwicklung und Produktion von Square Enix geht an Embracer. Über 50 amerikanische und englische Marken wandern aus japanischem in schwedischen Besitz, neben den Tomb Raider-Kronjuwelen (plattformübergreifend bis heute 88 Millionen verkaufte Spiele) auch die Cyber-Serie Deus Ex (bislang über 14 Millionen verkaufte Spiele), Legacy of Kain und Thief. Geben die Behörden ihr Okay, gehören im Sommer 1.100 Ex-Eidos-Beschäftigte an acht internationalen Standorten zu Embracer.

Wie die Expansion des Käufers sollte man auch die Verkäuferseite aus globaler Perspektive betrachten: Japanische Firmen und Geld­geber ziehen sich aus der westlichen Produktion zurück; lediglich Sony stemmt sich gegen diesen Trend. Square Enix war eine der letzten Japan-Firmen mit starker Spielentwicklung in Übersee, verkaufte bereits 2017 die 2004 erworbenen Hitman-Macher IO Interactive (ans skandinavische Management) und verliert nun ein Fünftel der weltweiten Belegschaft. Von gut 5.500 verkleinert sich Square Enix auf 4.400 Personen, während Embracer nun 14.000 Leute in insgesamt 124 Studios beschäftigt.

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belborn
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belborn

Mich hat das schon ein bißchen schockiert,daß SE sein westliches Tafelsilber quasi verscherbelt hat(mußte).Und das ein aufgeblähtes Konsortium zusammengewürfelter AA Entwickler die Kohle hat,um so einen Kauf zu tätigen und 1100 neue Angestellte mit Arbeit zu versorgen.Und die Tomb Raider Fans warten wahrscheinlich auf nichts Geringeres als auf ein aufgemotztes Horizon West mit Lara Croft.