Enslaved: Odyssey to the West – im Klassik-Test (PS3 / 360)

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Screenshot von Enslaved: Odyssey to the West
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Seite 2

Die Kämpfe mit Monkeys Allzweckstab, die ein gutes Drittel des Spiels ausmachen, teilen sich in wilde Robo-Raufereien und seltenere Feuergefechte, bei denen Ihr zwischen Stun- und Plasma-Projektilen hin- und herschaltet. Ab und an kapert Ihr auch einen Geschützturm, die meiste Zeit geht es aber in den sauber kontrollierbaren Nahkampf gegen eine Übermacht menschen- oder tierähnlicher Robotermonster.

Dabei verfügt Monkey nicht über allzu viele Attacken, muss aber gerade auf den höheren Schwierigkeitsstufen durchaus klug mit Rundumschlag, Schildbrecher oder der einzigen freischaltbaren Powercombo agieren, um nicht schmählich verdroschen am letzten Rücksetzpunkt zu erwachen. Neue Attacken, Schutzschildverstärkungen, mehr Lebensenergie und durchschlagendere Munition schaltet Ihr übrigens frei, indem Ihr überall versteckte orange Power-Orbs sammelt und diese in Trips Kontrollmenü zum simplen, aber motivierenden Aufleveln benutzt. Zwischen den Kämpfen turnt Ihr mit Monkey über allerlei ­Parcours, die spielerisch stark an den Perserprinzen erinnern, wenig Herausforderung bieten, dafür aber mit hübschen Animationen und ­dynamischen Kamerafahrten die ­Reise nach Westen auflockern. Leider etwas zu selten aktiviert Monkey ­seine fliegende Energiewolke, mit der Ihr immer dann durch die Gegend surft, wenn Wasser den Weg versperrt oder ein davongaloppierendes Robo-Biest eingeholt werden muss.

Während Klettern und Surfen zusammen das zweite Spieldrittel bilden, wird das letzte Drittel von bemerkenswert abwechslungsreichen Rätseln eingenommen. Mal müsst Ihr im Schnürboden eines Theaters ein Schalterrätsel lösen, während Euch ein Robo-Dog im Nacken sitzt. Mal sollt Ihr Trip mit korrekt getimten Kommandos dazu bringen, Euch die Flügel einer Windmühle so anzuhalten, dass Ihr Monkey im rechten ­Moment aufspringen lassen könnt.

Zusammengehalten werden diese nicht immer innovativen Spielanteile von einer umso originelleren Erzählstruktur, die man als comicartig im positiven Sinne beschreiben kann, weil sie Mut zur narrativen Lücke beweist. So, wie Ihr Euch in einem Comic die Handlung zwischen den Einzelbildern selbst zusammenreimt und die Action dadurch in Eurem Kopf passiert, erzählt Euch Enslaved immer nur das Nötigste und wechselt pausenlos Spielsequenzen mit erzählenden Passagen ab. Wer ist Monkey und welche Katastrophe führte zur Auslöschung New Yorks? Auch wenn Ihr nach 14 Spielkapiteln das spektakuläre Ende der Odyssey to the West gesehen habt, gibt es darauf keine Antworten, nur Hinweise. Wenn Monkey an einem Plakat gegen die Kriegsführung mit Roboter­drohnen vorbeiturnt oder düster von vergangenen Enttäuschungen erzählt, spinnt Ihr die Story im Kopf weiter, auch wenn Ihr gerade auf eine Mechmeute eindrescht. So entwickelt Enslaved eine beachtliche Sogwirkung, die Euch zusammen mit der brillanten Optik zum Zock-Sklaven dieses meisterhaft erzählten Videospiels macht.

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Spacemoonkey
22. Mai 2026 16:25

ich fands auch gut. liebe die atmo aber inputlag (zumindest auf ps3) war brutal.
ein einfaches remaster wäre toll

Bort1978
22. Mai 2026 16:22

Was habe ich dieses Spiel damals gesuchtet. Davon ein Remake oder gar ein 2. Teil wäre mir deutlich lieber als Hellblade gewesen. Nur DmC fand ich da nochmal deutlich besser.