Halo 3 – im Klassik-Test (360)

10
3913
Zurück
Nächste

Seite 2

Wer fürchtet, die MAN!AC könnte ihm die Spannung verderben, den ­finalen Boss beim Namen nennen und das Ende mal schnell in einem Nebensatz spoilern, darf aufatmen. Wir haben Halo 3 mit Genuss durchgezockt, die in vielen Echtzeitsequenzen erzählte Story in uns aufgesogen und werden den Teufel tun und Euch dieser Erfahrung ­berauben. Wer die Vorgänger ­gespielt hat, kann auch so erahnen, dass im Spielverlauf Namen wie Cortana, Artefakte, Prophet oder Allianz auftauchen werden.

Wie schon in Teil 2 bereist Ihr auch in der dritten Episode ganz unterschiedliche Umgebungen: Ihr schlagt Euch durch dichten Dschungel, steigt in unterirdische Labyrinthe hinab, marschiert durch klirrend kalte Gebirgszüge und trostlose ­Wüsten, streift in verwaisten Raumbasen umher, nehmt an Luftschlachten teil und braust mit dem Warthog über die grasgrüne Pampa. Ebenso vielfältig wie die optischen Kulissen präsentiert sich das Missionsdesign: Mal tapst Ihr einsam und verlassen durch ein atmosphärisches Schachtsystem, mal kämpft Ihr im Verbund mit vielen Kollegen. Ihr müsst Luftabwehrstellungen ausschalten, Festungen verteidigen oder Verbündete aus dem Kerker befreien. Natürlich gehören auch Spritztouren in der Halo-Serie zum guten Ton: Zu altgedienten ­Vehikeln wie dem ’Ghost‘-Flitzer oder dem ’Scorpion‘-Panzer gesellen sich einige neue Gefährte.

Wie ihre vier­rädrigen Pendants steuern sich auch die ­Brute-Boliden ganz hervorragend. Das Eierschalen-Gefühl aus “Halo“ ist längst Geschichte: Mit den beiden Sticks dirigiert Ihr Kampfbuggy & Co. gekonnt über sandige Hügel, zwischen Baumgruppen hindurch oder auch schon mal im Sprung über eine Lücke, die auf einer zertrümmerten Brücke klafft. Während sich die Fahreinlagen zu Beginn sehr in Grenzen halten, klemmt Ihr Euch im späteren Spielverlauf öfter hinters Lenkrad und nehmt an Massenschlachten teil. Praktischerweise richten sich die KI-Kameraden nach Eurem Befehl: Wollt Ihr ans Steuer, rücken die Kollegen auf den Beifahrerplatz. Wisst Ihr in den weitläufigen Außenarealen wegen der manchmal vagen Zielführung nicht, wo’s langgeht, fahren Euch die Kollegen zum Ziel – Ihr ballert derweil mit dem Bord-MG gemütlich Aliens zu Brei oder stört Euch am bisweilen stark sichtbaren Grasaufbau bei höherem Tempo.

Überhaupt werden Technik-Fetischisten wohl nur einseitig glücklich mit Bungies jüngstem Sprössling. Zwar wird Euer Gehör mit wuchtigen Effekten, epischen Melodien, ratternden Waffensounds und einer tollen englischen Sprachausgabe verwöhnt (die deutsche Synchronisation war in unserer Testversion noch nicht verfügbar), wer mit Halo 3 aber eine Grafikbombe erwartet hat, wird in dieser Hinsicht enttäuscht sein. Denn die optische Qualität des Titels schwankt zwischen richtig gut und mittelmäßig. War Halo auf der Xbox einst ein grafischer Vorzeigetitel, wurde dieses Ziel mit Teil 3 klar verfehlt. Noch während Ihr Euch an den fetten Effekten, der konstant guten Bildrate, dem hohen Gegneraufkommen und der feinen Weitsicht erfreut, holen Euch starkes Kantenflimmern, teils grobschlächtige Modelle und etliche Matsch­texturen auf den Boden der Tatsachen zurück. Mit Ausnahme einiger sehr echt erscheinender, organischer Levelabschnitte wirken viele Dinge in Halo 3 ­klobig und eckig.

Zurück
Nächste
10 Kommentare
neuste
älteste
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
26. Oktober 2024 10:10

Immer noch eines meiner liebsten 360 Spiele.
Ab Teil 4 fehlt dann aber leider die Bungie DNA, was der IP leider nicht gut getan hatte.

captain carot
26. Oktober 2024 0:05

Die Syncro ist ein Thema für sich 😅

Die Grafik ist in vielen Punkten nicht die beste, aber wie geschrieben bei der Ausleuchtung und dynamischen Lichtquellen sehr stark für die Generation.

Was den Gebieter angeht, die Abschnitte in Teil 2 kamen ja anscheinend nicht so gut an. Ich hab nie verstanden warum.

Max Snake
24. Oktober 2024 16:53

Halo 3 war neben Gears of War der Pflichtkauf für den 360. Trotz knappe Spiel Umfang, menge Spaß gehabt.

Rudi Ratlos
24. Oktober 2024 16:20

„ Aber man wollte den Master Chief nicht als Maskottchen verlieren“

Das habe ich ehrlich gesagt nie verstanden. Ich hab Halo trotz des MC gespielt, nicht deswegen. Die Figur ist imo komplett blass und eine der uncharismatischsten in einer großen Franchise 🤷‍♂️

Peinlich auch, wie gottlos scheiße die Synchro von Halo 3 damals war und man nicht im O-Ton spielen konnte. Ziemlicher Downer damals, aber das Spiel war im Co-Op dennoch ganz nett.

ghostdog83
24. Oktober 2024 15:39

Den Titel hatte ich damals aus großer Vorfreude sowohl in der Limited Edition als auch Legendary Edition zu Release gekauft und war am Ende von dem fertigen Produkt auf hohem Niveau enttäuscht. Grafisch als auch spielerisch hatte ich einfach mehr bzw. was anderes erwartet. Nachdem Gears of War gezeigt hat, was grafisch auf der 360 möglich war, wirkte Halo 3 dagegen leider wie ein Halo 2,5. Spielerisch hatte ich mir erhofft, den Gebieter wieder steuern zu können (abseits vom Co-Op), der in Teil 2 dank seiner Stealth-Fähigkeit und den Perspektivwechsel (Einblicke in die Allianz) frische Facetten bot, sympathisch war. Ebenso habe ich die Dual-Needle aus Halo 2 vermisst, die in ihrer Wirkung äußerst befriedigend war, einen Gegner (vorzugsweise Brute) beidhändig mit Nadeln vollzupumpen und zuzusehen wie sie explodieren. Der Umfang hätte auch etwas höher ausfallen können.

In den Jahren hat sich meine anfängliche Ernüchterung in eine zunehmendere Wertschätzung gewandelt. Halo 3 ist sehr gut gealtert (mit Abstrichen bei der Grafik).

captain carot
24. Oktober 2024 15:39

Das ist eines der Probleme. Halo 3 war ein guter Abschluss, auch mit dem offenen Ende für John und Cortana. Wobei man da ja eh wusste, dass Cortana nicht ewig existiert.

Aber man wollte den Master Chief nicht als Maskottchen verlieren und der funktioniert ohne Cortana nicht wirklich. Dabei hat das Halo Universum extrem viel Potenzial.

Was das Spiel angeht, das war ein mehr als würdiger Abschluss der Trilogie. Und auch wenn es später detailreichere Grafik in der Generation gab, in Punkto Lighting ist es eins der besten Spiele der Generation.

Kratos
24. Oktober 2024 15:03

Hatte die gesamte Serie vor ein oder 2 Jahren erstmalig gespielt, weil vorher nie Xbox besitzer und muss auch sagen, Halo 3 war war Inhaltlich Peak. Danach ging es (inhaltlich) nur noch bergab. 343 die, soweit ich weiß, ab Halo 4 das Zepter in der Hand haben, mach technisch gute Spiele, die machen auch Spaß, aber wer das die Stories und Lore überwacht ist mäßig talentiert. Die fahren keine klare Linie, inhaltlich macht es immer wenig Sinn und mit jedem neuen Serienteil machen die neue Fässer auf um den Kurs zu korrigieren und haben sich mitlerweile völlig verfahren. Dabei war es so einfach, ich finde das von Bungie erdachte Universum hat ordentlich Potenzial für weitere Ableger, die Story um den Masterchief war zuende, einfach wie bei Reach auf einen neuen Main Charakter gesetzt und viele inhaltliche Probleme die, die Serie heute hat, hätten vermieden werden können.

KVmilbe
24. Oktober 2024 11:49

Halo 2 und 3 waren einfach nur fantastisch. 343 konnte mich dann nicht mehr so wirklich abholen

Whitebeard91
24. Oktober 2024 8:32

Als Halo noch gut war…
Das waren schöne Zeiten

Zerodjin
23. Oktober 2024 17:20

Super. Halo 3, beide Vorgänger, ODST und Reach können auch heute immer noch locker mitreissen. Das Interesse am Halo-Universum hatte sich dann mit/seit dem 4er erledigt.