
Meinung
Lennard Willms meint: Josef Fares’ neues Koop-Abenteuer ist die gemischte Tüte im Süßigkeitenladen der Videospielwelt, und jedes einzelne Teil zergeht auf der Zunge. Die Mechaniken sind bis ins Detail ausgefeilt und werden in einer solchen Vielfalt abgefeuert, dass einer einzelnen gar nicht genügend Zeit bleibt, um langweilig zu werden, weil sie da schon von der nächsten abgelöst wird. Einzig der Rahmenhandlung mangelt es gegen Ende etwas an Tiefe, was mich als Fan von Fares’ Erstling Brothers minimal enttäuscht hat. Aber gut, selbst die beste Tüte Süßkram kommt mit einem Stück Lakritz. Trotzdem bleibt It Takes Two ein Ausnahmespiel!
Steffen Heller meint: A Way Out war ein unterhaltsames Koop-Erlebnis, aber leider nur das: ein Erlebnis. It Takes Two zerschlägt innerhalb von Sekunden meine größte Befürchtung, dass hier spielmechanisch ebenfalls nur Magerkost geboten wird, und pfeffert mir so viel Spiel um die Ohren, dass hier gar nicht genug Platz ist, um jedes Genre aufzuzählen, das abgedeckt wird. Wie schon in meinem Indie-Tipp Horace werden hier gefühlt Tausende Ideen ausgestreut und nie überstrapaziert. Man könnte meinen, dass dabei einige Passagen öde oder schlecht poliert sein müssten, aber es funktioniert einfach alles. Bereits jetzt mein Favorit für das Spiel des Jahres!









Kann ich bestätigen. Hab das Spiel mal 2 Stunden mit meiner Frau gespielt. Wir haben früher immer alle LEGO Spiele gezockt und sonst hat sie vor Jahren mal Faible 2 gespielt. Gänzlich “unerfahren” ist sie also nicht. Aber das Spiel war schon hart für sie und war oft etwas überfordert. Den zweiten Boss hatten wir an dem Abend fertig bekommen. Letztlich hatte sie auch nicht “soooo” Bock drauf und ich hab es dann mit nem Kumpel gezockt. Also unerfahrene Leute haben es schon schwer mit dem Spiel. Sie war immer total überrascht weil ich alle “Rätsel” sofort verstanden und gelöst habe. Das waren halt immer Sachen die man als Zocker schon echt oft ähnlich gesehen hat und es dann sofort “sieht” oder versteht.
Ich hatte es mit meinem 12jährigen Sohn durchgespielt und wir hatten keine Problem.
Einzig der Hohe Turm in Verbindung mit der Kamera war sehr frustig.
Ich fand das Spiel auch in vielen Aspekten sehr, sehr gut – hab es mit meiner Frau an 2 Wochenenden durchgezockt. Ich denke es gibt aber auch durchaus einige Gründe zur Kritik. Und: Es ist def. nicht für Kinder! Es ist nichts für zartbesaitete – da gibt es eine Stelle in der Mitte des Spiels, die ehrlich gesagt mit zu dem krassesten gehört, was ich bisher in Spielen erlebt hat. Ehrlich gesagt hat mich bisher kein Spiel so gemindfucked, wie diese Stelle – da müsste es auf jeden Fall eine Warnung geben.
-ich fand auch das die Protagonisten durchweg unsympathisch waren. Es gab nicht wirklich eine emotionale Entwicklung der beiden. Was sie ihrem Kind antun, um wieder zurück in die “echte” Welt kommen, würde wohl kein Elternteil auch nur in Betracht ziehen (hab leider keine Kinder, kann ich mir aber nicht vorstellen). Auch hatte ich das Gefühl, dass die erneut aufflackernde “Liebe” der beiden sehr “geforced” gewirkt hat. Es gab nicht wirklich eine Erklärung dafür. Der letzte Level hat sich für mich nicht fertig entwickelt angefühlt. Ich hatte teilweise das Gefühl, dass hier ursprünglich ein ganz anderes Spiel geplant war, das evtl. aufgrund der Pandemie in bestimmte Bahnen gezwängt wurde. Ich hätte mir das Spiel besser mit dem gleichen Gerüst und zum Beispiel einem “Bully” und seinem “Opfer” vorstellen können, die gemeinsam in einer “Videospielewelt” a la Tron gefangen sind und zusammenarbeiten müssen, um zu entkommen. Wie gesagt, möglich, dass hier relativ spät im Konzept ein Produzent das Thema aufgedrückt hat – ich mag natürlich komplett falsch liegen.
Die Folterszene mit dem Elefanten – DIE MAN SPIELEN MUSS -geht gar nicht und hat das Spiel für mich leider ein wenig kaputt gemacht.
Trotz allem, ein absolutes Top-Spiel!
@Tobias Hildesheim Danke für den Hinweis. Ich hatte schon überlegt, ob ich das Spiel mal zusammen mit meiner Frau oder meinem Sohn angehe. Beide sind eher Anfänger am Pad. Dann lasse ich das mal lieber bleiben. Sind beide nicht gerade Frustresistent. ?
@Tobias Hildesheim Ich gebe Dir auf jeden Fall recht, das man es noch zugänglicher hätte gestalten können, wenn man ganz bewusst ‘ne nicht so viedospielaffine Zielgruppe hätte ansprechen wollen. Ich fand aber schon, das man mit diesem Wiederbelebungssystem, wo man ja eine Taste hämmern kann, um wieder ins Leben zurückzukommen, eigentlich ganz gut ausgleichen kann. In der Kombi Zocker/Anfänger kann man den Bosskampf schon ein paar Sekunden alleine am Laufen halten, bis der andere wiederaufersteht. Obwohl die Bosse gegen Ende dann noch ein bisschen kniffliger werden. Kam mir aber machbar vor.
Ganz wunderbares Spiel! Ich muss dem Test allerdings in einem Punkt widersprechen: für Menschen ohne Videospielerfahrung ist das Game doch sehr anspruchsvoll. Allein die Bosse sorgen da schon für viel Frust und Hektik. Zumal das ganze Spiel ja so aufgebaut ist, dass man kooperieren MUSS. Ich kann bei schwierigen Stellen nicht die Führung übernehmen und alles alleine machen, bis es wieder leichter wird. Das gefällt mir einerseits, ist andererseits aber auch eine Hürde.
Für mich das beste Spiel in diesem Jahr. Viele, viele interessante Ideen.