OMORI – im Test (Switch)

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Auf den ersten Blick wirkt OMORI harmlos, geradezu zuckrig süß. Vier Kinder erforschen gemeinsam eine knallbunte Kopffüßler-Rollenspiel-Welt. Sie spielen Verstecken mit ihren Freunden auf dem Spielplatz, machen ein Picknick in den Wäldern und lösen Streitigkeiten mit bunten Fantasiewesen. Doch der Schein trügt: Schon von Anfang an hängen über diesem Kinder-Idyll dunkle Wolken, die sich im Verlauf der überraschend langen Spielzeit zu einem unheilvollen Sturm zusammenbrauen.

Der nimmt seinen Anfang in dem kargen weißen Raum, in dem Eure Hauptfigur Omori, der monochrome Junge mit dem Topfschnitt, immer wieder aufwacht: um ihn herum nichts als weiße Wände, ein Skizzenbuch und eine Packung Taschentücher. Beim ersten Mal verlasst Ihr dieses unheimliche Zimmer relativ leicht durch eine Tür am oberen Bildschirmrand, die Euch zurück zu bunten, sorgenfreien Abenteuern mit Euren Freunden führt. Doch beim nächsten Mal ist diese Tür plötzlich fort und die weißen Weiten des Raumes ergießen sich ins Unermessliche – wie also herauskommen?

Wer von Euch nun auf die Idee kommt, die Inventar-Taste zu drücken, erhascht einen Blick in die Abgründe des Spiels. Da wo vorher ein Menüpunkt stand, der mit drei Fragezeichen markiert war, steht jetzt nur noch ein englisches Wort: ”STAB”, also ”ERSTECHEN”. Wählt Ihr diese Option aus, passiert genau das: Der kleine Omori zückt ein Messer und ersticht damit… sich selbst! Die Animation lässt sich Zeit, die Klinge blitzt auf, ein kurzes Zögern, ein schneller Schnitt und dann sackt der pixelige kleine Kinderkörper leblos in sich zusammen.

Danach dauert es nicht lange, bis Ihr wieder im Fantasieland die Augen aufschlagt, doch ihre Unschuld haben die bunten Kinderträume von nun an verloren. Was hat es mit dem weißen Raum auf sich? Ist die niedliche Bonbon-Realität nur ein Traum? Und was hat Basil damit zu tun, der Junge aus Eurem Freundeskreis, der zu Anfang des Spiels verschwindet und den Ihr fortan sucht? Fragen über Fragen, die dieses kompetente Japano-Rollenspiel – das eigentlich gar nicht aus Japan kommt – umhüllen wie das Eiweiß den Dotter.

OMORI spielt mit den Genres und kontrastiert eine niedliche Geschichte über Kindheitsfantasien mit dem Horror des Erwachsenwerdens, der auf diese kunterbunte Fassade scharfe Schatten wirft. In einem Moment ist das Spiel süß und ulkig, im nächsten bitter und traumatisch. Es baut vier völlig unterschiedliche Protagonisten zu dreidimensionalen Figuren aus und verhandelt in jedem von ihnen einzelne Aspekte des Heranwachsens. Es ist intim, gnadenlos direkt und wohl mit das beste Stück Software-Kunst, das je ein Entwickler dem RPG-Maker entlockt hat.

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belborn
I, MANIAC
Maniac (Mark III)
belborn

Ich mag solche schrägen Sachen.Der Test macht auf jeden Fall Lust.Fangamer bietet eine physische Version für NSW/PS4 die ich mir gegönnt habe.