Ride – im Test (PS4)

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Ein Gran Turismo für Motorräder? So etwas gab es tatsächlich mal, denn Polyphony höchstselbst vergönnte uns anno 2006 Tourist Trophy für die PS2 – danach kam aber nichts mehr. Damit das nicht dauerhaft so bleibt, eilen nun die italienischen Rennspiel-Fließbandarbeiter zur Rettung und schieben vor den üblichen Lizenzfortsetzungen (so stehen sowohl Moto GP 15 als auch ein WRC-Titel an) mit RIDE eine Eigenentwicklung ein, die Zweirad-Fetischisten glücklich machen soll.

Die reinen Daten und Fakten sind vielversprechend: 113 Motorräder namhafter Hersteller, 30 Kurse mit teils erfrischenden Umgebungen auch abseits der vertraut-faden Standard-Rennstrecken und eine umfassende Karriere mit zahlreichen Wettkämpfen in 14 Leistungsklassen – klingt prima? Ist es allerdings nur begrenzt.

Denn unverkennbar wurde hier schlicht die Standardtechnologie von Milestone ein weiteres Mal recycelt und zeigt dabei mehr als sonst Ermüdungserscheinungen. Während die Bikes detailverliebt modelliert wurden und Ihr die Haltung des Fahrers darauf erstaunlich genau definieren dürft, wirken die Umgebungen überwiegend banal und simpel gestrickt, was besonders bei den Stadtkursen ins Auge sticht. Ersatzlos gestrichen wurde das Wetter, wenigstens läuft das Geschehen mit weitgehend stabilen 30 Bildern pro Sekunde.

Auffällig lange fallen die Ladezeiten aus, der Rest des Spiels gibt sich nur verhalten dynamischer. Die Fahrphysik der Zweiräder ist auch mit niedrigen Realismus-Einstellungen anspruchsvoll, Rempler werden nur bedingt nachvollziehbar bestraft: Kontakt mit Rivalen geht oft gut, während die Berührung von Banden und Ähnlichem bereits bei langsamem Tempo fast ausnahmslos mit einem Asphaltkuss endet.

Dazu passt, dass Sieg und Niederlage primär durch die Leistungsstärke Eures Bikes entschieden werden – ob Eure Maschine podiumswürdig ist oder nicht, lernt Ihr nur durch Ausprobieren. Für größere Fortschritte braucht Ihr Kapital, das sich durch Grinding am ehesten sammeln lässt. Immerhin stehen in der Karriere halbwegs abwechslungsreiche Herausforderungen zur Verfügung, auch wenn sich der überschaubare Kursumfang schnell bemerkbar macht.

Ulrich Steppberger meint: Wenn Experten für biedere Massenproduktionen dem konzeptionellen Größenwahn verfallen, kommt so etwas wie RIDE dabei heraus. Die Flitzerei ist im Prinzip ein handelsübliches Milestone-Rennspiel, zeigt aber sogar neue Schwächen: Die Ladezeiten sind auffällig lang, der Karrierefortschritt hängt fast nur an der Leistungsfähigkeit Eures Untersatzes. Auch die Grafik stagniert auf Last-Gen-Niveau, zumal zugunsten leidlich sehenswerter Kursumgebungen das Wetter gestrichen wurde. Für genügsame Biker ist das Resultat trotzdem noch akzeptabel.

  • 113 Bikes von 14 Herstellern in 14 Rennklassen
  • 30 Kursvarianten in 14 Rennorten
  • penibler ”Sitzpositions-Editor” dabei
  • Zweispieler-Splitscreen

Möchtegern-”Gran Turismo” für Motorräder, das aber technisch und spielerisch nur knapp über Mittelmaß liegt.

Singleplayer61
Multiplayer
Grafik
Sound
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Gray Fox
4. Juni 2015 18:58

Da kann ich dir nur zustimmen.Die THQ/ Climax MotoGP Teile waren, meiner Meinung nach die einzigen wirklich spaßigen Motorradrennspiele. Keine Ahnung warum da mal nicht was neues kommt…Mit den Milestone MotoGP Teilen werde ich irgendwie nicht warm, da kommt mir vor ich fahre auf seife.

Danijel78
4. Juni 2015 18:10

Tourist Trophy war damals auch nicht das gelbe vom Ei. Zwar grafisch und physikalisch ansprechend umgesetzt, spielerisch jedoch ziemlich langweilig. Nur wenige Gegner auf dem Kurs, ebenfalls kein Wettersystem und die Karriere war so spannend wie einem Fusspilz beim wachsen zuzusehen. Deutlich besser trotz weitaus kleinerem Fuhrpahrk war MotoGP ’06 von Climax. Das war in allen Belangen dynamischer und spassiger. Und das sagt ein absoluter Real-Life Motorrad-Enthusiast.