Mario und die Space Invaders

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Little MacLittle Mac
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Mario und die Space Invaders -da wird es schwer, mitzuhalten. Doch unser US-Korrespondent Mac hat die seltene Gelegenheit erhalten, mit einem weiteren Star am Videospiel-Himmel ein exklusives Interview zu führen -Mr. Chris Redfield aus “Resident Evil”!

Interview mit Chris Redfield

“It’s over.” -“No -it’s not over yet!”-“You’re right -this is just the beginning!” 

Legendäre Dialoge wie dieser im Abspann von “Code: Veronica”, aber auch seine zahlreichen Heldentaten im Kampf gegen die Umbrella Corporation, den Bioterroristen Albert Wesker und auch sein Einsatz für die BSAA machten Chris Redfield weltbekannt. Nicht einmal die Bundesprüfstelle konnte seinen Siegeszug aufhalten. Doch trotz Millionenverkäufen und einem schon jetzt sicheren Platz im Spielehelden-Olymp hat der Heroenlack in jüngster Zeit einige Kratzer abbekommen. Geriet Resident Evil 5 trotz einiger gedämpfter Kritiken noch zum Kassenknüller, sorgte Teil 6 bei weitem nicht mehr für die gewohnte Beliebtheit. Wir bekamen die seltene Gelegenheit, Chris Redfield zu einem exklusiven Interview zu treffen, in dem der im Umgang mit der Presse eher als schwierig geltende Resident-Evil-Veteran uns Rede und Antwort stand. 

Ich treffe Mr. Redfield gegen Mittag in einer heruntergekommenen Kaschemme irgendwo in Texas. Kalter Zigarrenrauch hängt in der Luft, das Bier ist lauwarm und außer mir und meinem Gesprächspartner, der genausowenig wie ich in diese Umgebung passt, ist im Augenblick niemand zugegen. Die wenigen anderen Gäste und die Belegschaft vergnügen sich im Hinterhof bei einem illalen Hahnenkampf und wärend das Gejohle und Gegacker durch die wurmstichige Tür beinahe ungedämpft zu uns hereindringt, blicke ich ihm in die Augen. Chris Redfield. Wandschrank von einem Mann. Irgendwo tief in den Dreißigern. Der Blick ist wach, die Stimmung ein wenig angespannt. Auch weil Chris Redfield nicht gerade ein Fan solcher Interviews ist, wie er gleich nach der Begrüßung per Handschlag unumwunden anmerkt. Ein wenig schüchtern, aber nicht eingeschüchtert wage ich mich an die ersten Fragen. 

M: Mr. Redfield, sie haben’s in letzter Zeit nicht gerade leicht gehabt…

CR: Kann man sagen.

M: …Alkoholprobleme, Partner verloren, bescheidener Metascore für ihr letztes Hauptspiel -da dürfte sich einiges aufgestaut haben.

CR: Wollen sie auf irgendwas bestimmtes hinaus?

M: Naja -um ehrlich zu sein -so richtig Triple A sieht das mit ihrer Serie nicht mehr aus, oder?

CR: So richtig Triple A? Jetzt hör’ mir mal gut zu, Spaßvogel: Ich hatte Kumpel, die vor meinen Augen zu unbeschreiblichen Monstern mutiert sind, damit ich heute lebend hier sitzen und mich von nem prahlerischen Affen wie Ihnen mit grenzdebilen Fragen torpedieren lassen kann. Triple A hin, miese Presse her -es geht allein ums Überleben. Und das tu’ ich schon ne ganze Weile länger als die meisten anderen da draußen.

M: Ihre Verdienste in allen Ehren -aber Sie müssen doch selbst zugeben, dass das Gamedesign von Teil 6 neben etlichen kleinen Glanzpunkten auch stellenweise immer wieder wirklich profaner Mist…

CR: Ich muss hier überhaupt nichts zugeben. Und was zur Hölle hab’ ich mit dem Gamedesign zu schaffen? Ich mache nur meinen Job, weiter nichts.

M: Viele Fans kritisieren speziell den Mangel an Atmosphäre…

CR: Ich höre immer Atmosphäre. Mensch Leute, wacht doch mal auf. Wenn durchgeknallte Bioterroristen Angriffe auf amerikanische und chinesische Großstädte verüben, ist keinem geholfen, wenn ich mit ner Beretta und sechs Schuss Munition im Magazin irgendwelche Herrenhausflure entlangschlurfe. Harte Zeiten verlangen nach harten Männern. Und da seh’ ich mich.

M: …und nach harten Frauen. Die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrer langjärigen Partnerin Jill Valentine…

CR: … ist Privatsache. Nächste Frage!

M: Äh…okay. Weit weniger harmonisch lief seinerzeit offenbar die Zusammenarbeit mit Ihrer früheren Partnerin Jessica Sheravat. 

CR: Es fällt mir schwer, viel gutes über eine Frau zu sagen, die in Leggins durch die verschneite Pampa Osteuropas stapft und sich dann nach fünf Minuten über die Kälte beschwert. Die konnte noch nichtmal ihren Taucheranzug richtig anziehen! Naja, ich sag’s mal so: Sie taugte von Anfang an mehr zur Verräterin als zur Partnerin. Ich bin mir sicher, Albert Wesker wäre stolz auf sie gewesen…

M: Wo sie Ihren früheren Captain gerade erwähnen: Spukt der immer noch in ihrem Kopf herum? Beschäftigt Sie dieser Typ noch immer?

CR: Lange Zeit durfte ich mir Sprüche anhören wie “Wesker und Sie sind zwei Seiten der gleichen Medaille.” Wenn ich mir heute eins vorwerfen muss, dann nur, dass wir ihn und seinen Ziehvater Ozwell E. Spencer zu spät zur Strecke gebracht haben. Aber besser zu spät als nie. Das ist jetzt Vergangenheit. 

M: Dann kehren wir mal in die Gegenwart zurück: Viele Spieler haben vor allem die wirre Story von Teil sechs nicht wirklich begriffen…

CR: Wieso wirr? Was gibt’s denn da nicht zu begreifen? Ist doch total unkompliziert.

M: Wir haben uns gedacht, dass es für Sie als Insider sicher kein Problem ist, uns das Wesentliche kurz und prägnant zu erklären. Na, dann legen Sie mal los!

CR: Äh..okay. Man, äh, muss das Pferd einfach nur von hinten aufzäumen, dann schnallt man’s ganz leicht. Aaaaalso. Dieser Typ von der NSA, dieser Simmons, war Oberhaupt eines Geheimbundes, der, wie sollte es bei einem Geheimbund auch anders sein, heimlich an Viren geforscht hat. Er begegnete irgendwann der Agentin Ada Wong und war so von ihr hingerissen, dass er durchdrehte, als sie ihn abwies. Deshalb hat er seine ihm verfallene Assistentin Carla Radames zu einer Art Ada-Wong-Double umgeklont und mit ihr Spaß gehabt. Aber nach ner Weile ist sie durchgedreht und hat die Welt angegriffen, die zu schützen er sich zum Ziel gesetzt hatte. Sie steckte hinter allen Virenangriffen, in Edonia, den USA und China. Und wir anderen haben dann einfach die Sauerei weggemacht.

M: Ja gut, aber diese Helena und ihre entführte Schwester, dieser Wesker-Halbling und Sherry Birkin, die echte und die falsche Ada… Warum wird der US-Präsident in genau der Stadt Opfer eines Attentats, in der sich zufälligerweise auch das Geheimlabor von Simmons’ Geheimbund befindet? Wie ist das Virus ins Flugzeug gelangt? Warum öffnen sich Türen, wenn vier Glocken läuten?? Und warum zum Henker….

CR: Okay, okay, ganz ruhig: Punkt für Sie.

M: Mal ganz ehrlich: Wird der siebte Teil besser? 

CR: Mochten Sie ‘Revelations’?

M: Überwiegend ja. Stellenweise sehr.

CR: Dann besteht Hoffnung. Bis dahin: Immer wachsam sein.

M: Äh…gut. Vielen Dank für das Gespräch. Und grüßen sie mir Jill. 

CR: Wird erledigt. Man sieht sich.

Ein wenig abgekämpft wirkt er ja schon, der hartgesottene Überlebensveteran. Aber tief in ihm lodert das Feuer offenbar noch immer. Auch wenn er kein einfacher Typ ist, so tut es doch gut zu wissen, dass Männer wie Chris Redfield zur Stelle sind, wenn die Welt -oder die Storyschreiber von Capcom- mal wieder völlig am Rad drehen.