
| Spiel: | Grim Fandango Remastered |
| Publisher: | Double Fine Productions |
| Developer: | Double Fine |
| Genre: | Adventure |
| Getestet für: | PS4 |
| Erhältlich für: | PS4 |
| USK: | |
| Erschienen in: | 3 / 2015 |
1998: Bill Clintons Affäre mit Monica Lewinsky kommt ans Licht, Frankreich wird Fußball-Weltmeister, Gerhard Schröder Bundeskanzler und die MAN!AC feiert fünften Geburtstag. Und ganz nebenbei veröffentlicht LucasArts Tim Schafers Grim Fandango auf PC. Von der Fachpresse und Adventure-Fans gefeiert, geht es kommerziell in bester Tim-Schafer-Tradition unter. 17 Jahre später eröffnet Double Fine erstmals Konsolenspielern die Möglichkeit, ins Reich der Toten einzutauchen. Solltet Ihr die Gelegenheit nutzen?
Grim Fandangos Totenreich mischt die amerikanischen 1950er mit Film-Noir-Elementen, unterfüttert das Paket mit grandiosen Orchesterklängen und gießt den typischen Tim-Schafer-Witz darüber. Als erfolgloser Sensenmann Manny Calavera reist Ihr auf den Spuren einer Kundin durch das Land der Toten, führt eine Bar, angelt in einem riesigen Katzenklo und überquert das Meer der Tränen. Seinen Reiz zieht das Spiel aus seinen ikonischen und sowohl auf Deutsch als auch Englisch hervorragend vertonten Charakteren. An Pechvogel Manny, seinen autosüchtigen Kumpel Glottys und den selbstverliebten Domino werdet Ihr Euch dank witziger Dialoge ein Leben lang erinnern. Um ans Ziel zu kommen, löst Ihr Rätsel, die nicht immer logisch sind und teils viel Herumgerenne und Inventargefummel erfordern jüngere Semester ohne Erfahrung mit klassischen Adventures werden an der ein oder anderen Stelle genervt die Stirn runzeln. Tut Euch aber einen Gefallen und bemüht trotz fehlendem Hilfesystem nicht Google kommt Ihr irgendwann selbst auf die Lösung, ist der Triumph umso größer!
Das Alter des Adventures lest Ihr nicht nur an der schwammigen Grafik und den oft reichlich verqueren Rätseln ab: Im Inventarbildschirm gibt es keine Übersicht, Ihr müsst alle Objekte einzeln durchgehen. Viele Gegenstände lassen sich in beliebiger Zahl aufnehmen (und sind dann auch genauso oft im Inventar), obwohl Ihr nur ein Exemplar oder wenige davon braucht.
Das Spiel sichert Euren Fortschritt nicht automatisch und Euch stehen nur eine Handvoll Speicherplätze zur Verfügung. Und interaktive Objekte lassen sich nicht optisch hervorheben und entgehen unaufmerksamen Augen. Achtet darauf, in welche Richtung Manny den Schädel neigt, um kein Item und keinen Hinweis zu verpassen!
Für die Remastered-Version wurde der Soundtrack des Spiels von einem Orchester neu aufgenommen und die Grafik leicht überarbeitet: Die Szenerie blieb weitgehend unangetastet und wirkt deshalb weichgezeichnet, die Charaktere bekamen schärfere Texturen verpasst, wirken heutzutage aber trotzdem grobschlächtig. Den deutlichsten Unterschied machen die verbesserten Lichteffekte aus, Details entnehmt Ihr dem Kasten unten. Beim Bildformat habt Ihr die Wahl zwischen dem klassischen 4:3 und einer lieblosen 16:9-Darstellung, in der das Bild einfach in die Breite gezogen wird.
Hardcore-Spieler schlagen sich mit der alten Panzersteuerung herum (und bekommen dafür eine Gold-Trophäe). Alle anderen leiten Manny nun blickwinkelabhängig mit dem linken Stick durch die Gegend oder gehen auf Vita optional per PointnClick auf Spurensuche. Apropos Vita: Für manche Rätsel (Stichwort: Wegweiser) ist der Bildschirm zu klein, manche Objekte sind kaum zu sehen.
Interessante Zusatzinfos bekommt Ihr von aktivierbaren Audiokommentaren des Entwicklerteams, die Artwork-Galerie ist hingegen zu vernachlässigen.
Schön, dass eines der besten LucasArts-Adventures neu veröffentlicht wird und erstmals auch Konsoleros durch die leeren Augenhöhlen von Manny Calavera blicken dürfen. Aber insgesamt hätte die Neubearbeitung etwas gründlicher ausfallen können, ohne dem Andenken zu schaden. Modernes Inventarmanagement und ein Hinweissystem hätten dem Spielfluss gutgetan, während neu bearbeitete Hintergründe und Zwischensequenzen sowie eine vernünftige 16:9-Lösung die Seele von neuen und alten Fans gestreichelt hätten.
Tobias Kujawa meint: Ich bin ein Fan des Originals und stolz darauf, die PC-Fassung noch im Schrank zu haben. Daher habe ich mich wie ein Schnitzel gefreut, als Double Fine die Remastered-Edition für PS4 und Vita ankündigte. Das Ergebnis lässt mich jedoch zwiegespalten zurück: Als Kenner begeistert mich das Wiedersehen mit Manny und Co., ich erinnere mich an die komplexen bis hanebüchenen Rätsel, lache über die geistreichen Dialoge und habe Spaß an Noir-Setting und Soundtrack. Toll ist der zuschaltbare Entwicklerkommentar mit lustigen Anekdoten. Versetze ich mich in die Lage eines Unbeleckten, kommt aber auch Kritik auf: Die grafische Auffrischung lässt zu wünschen übrig, das Inventarsystem war damals schon blöd und ein optionales, mehrstufiges Hilfesystem ist heutzutage einfach angebracht. Und wofür gibt es eine 16:9-Option, wenn das Bild dann einfach nur in die Breite gezogen wird? Bei dem hohen Ansehen, das der Titel genießt, hätte ich mir ein bisschen mehr Sorgfalt bei der Überarbeitung gewünscht. Unterm Strich überwiegt aber die Freude darüber, das Adventure ohne Installationsprobleme noch einmal genießen zu können. Wer bei der Technik ein Auge zudrücken und ordentlich querdenken kann, ist hier gut aufgehoben.
+ Setting und Artdesign sind erste Sahne
+ neu eingespielter Soundtrack untermalt das Geschehen perfekt
+ hörenswerte Entwicklerkommentarspur
– keine Hilfe für die teils absurden Rätsel
– optisch nur marginal überarbeitet
– 16:9 Bild unschön gestreckt
– begrenzte Speicherplätze
Kultiges Tim-Schafer-Adventure mit Witz, aber nur mäßiger Überarbeitung.
| Singleplayer | ![]() | 7 |
| Multiplayer | ![]() | |
| Grafik | ![]() | |
| Sound | ![]() |













Stimmt auch wieder. Vielleicht wäre “”dann warte ich auch ein Sonderangebot und spiele ausschließlich die PS4-Version, um hartes Gefrickel zu vermeiden”” die bessere Wahl gewesen. 😉
@Zetsubouda: Ist ein Cross-Buy-Spiel, du kriegst eh alle Versionen, wenn du eine kaufst.
[quote]Apropos Vita: Für manche Rätsel (Stichwort: Wegweiser) ist der Bildschirm zu klein, manche Objekte sind kaum zu sehen.[/quote]Schade, dann warte ich tatsächlich lieber auf ein Sonderangebot für die PS4-Version.
Hab’s mir auch wieder gezogen und bin immer noch genau so begeistert wie damals. Die Kritik die ich anzubringen habe ist auch die schludrige Portierung.. Dieses Meisterwerk hätte da was besseres verdient (auffrischung Rendergrafik, Bildanpassung 16:9)
Mein Fazit des Remakes (geht ziemlich konform mit eurem):Spiel an sich ist einfach nur sehr gut. Tolle Figuren, abstruse Rätsel, gutes Artdesign und halt ein Klassiker.Für die Überarbeitung hingegen gibts von mir einen Rüffel. Selten so ein liebloses Remaster gesehen. Ok, Manny wirft nun einen Schatten und sieht knackiger aus, dafür ist alles drum rum gleich geblieben. Und die 16:9 Anpassung ist ein schlechter Witz und erinnert an die bösen Pal-Anpassungen.Wers kennt (und das Original irgendwo rumschimmeln hat) brauchts meiner meinung nach nicht. Da reicht PC + ScummVM (oder DosBox?) und Original.Wer es auf Konsole spielen möchte, es noch nicht kennt und kein Grafikenthusiast ist, der wartet vielleicht noch bis zu nem Sale. 😉