
Dieser Artikel stammt aus der M! 355 (April 2023).
LONDON / MENLO PARK • Mit der gestengesteuerten Nintendo-Konsole Wii erlebt die Welt in den 2000ern einen Boom sportlicher Videospiele: Wii Fit, EA Sports Active, Ubisofts Mein Fitness Coach und Co. machen junge und alte Couch-Kartoffeln fit (und dabei Spaß), indem sie die Bewegungen von Rumpf, Armen und Beinen in Bildschirm-Action verwandeln. In den 2010ern werden Fitness-Apps und -Videos dann zum beliebten Netz-Content und jetzt, in den 2020ern scheint die Zeit reif für die Verschmelzung von Sport und VR (siehe vorherige Seite) und für TV-Spielgeräte, die auf interaktiven Work-out spezialisiert sind.
”Du hasst das Gym, aber liebst Gaming?” fragt der englische Hersteller Quell und will noch in diesem Jahr eine TV-Konsole ausliefern, die für Fitnessspiele maßgeschneidert ist. Die erste öffentliche Präsentation des Geräts und seines Starttitels Shardfall gibt es auf der kalifornischen Game Developers Conference, die vom 20. bis 24. März stattfindet. Schon davor sammelte Quell laut eigenen Angaben 10.000 Bestellungen.
Entgegen dem Versprechen ist Quell Impact für 250 US-Dollar keine vollwertige Spielkonsole, sondern streng genommen nur ein ausgefeiltes Controller- und Spanngurte-Set, also PC-Peripherie, die einen Windows- oder Mac-Rechner als Zuspieler benötigt. Ambitionierter und konsequenter wäre ein eingebauter Smartphone-Chipsatz, um das Gerät à la Meta Quest PC-unabhängig und eigenständig zu machen. In der Form, in der Quell Impact in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommt, besteht es aus zwei Hand-Controllern (jeweils mit analogem Daumen-Stick, zwei Feuerknöpfen, rückwärtigen Triggern), einer kleinen Basisstation, einem breiten Hüftband in den Größen S bis XL und zwei Spannschnüren, die den Gürtel mit einstellbaren Widerständen mit den Controllern verbinden. Die Spanngurte sind Impacts Alleinstellungsmerkmal: Sie liefern dem Sportler das nötige Force-Feedback, das die Trainingsintensität bestimmt und Arm-, Brust- und Schultermuskeln wachsen lässt. Die Konsole ”verwandelt den Körper des Spielers in den Controller, ermöglicht das freie Rennen, Springen und Kämpfen durch schön gerenderte Umgebungen”, wirbt Quell. Dabei misst Tracking-Software die verbrannten Kalorien und die Herzfrequenz – und kann mit diesen Daten wiederum Schwierigkeitsgrad und Leveldesign der Impact-Apps anpassen.
Der Starttitel Shardfall ist ein Spurt durch eine Fantasy-RPG-Welt, bei dem man Mechs zu Schrott boxt und über magische Hürden hüpft. Andere Titel sind noch nicht angekündigt, aber das soll die Demo auf Amerikas größter Entwicklerkonferenz GDC ändern. Naheliegend sind Tanz- und Rhythmus-Spiele. Vielleicht auch ein gemütlicheres Spazier-Game oder Wander-Venture? Letztendlich steht oder fällt der Erfolg von Quell Impact mit der Menge, Vielfalt und Qualität der erhältlichen Software. Die wiederum ist davon abhängig, ob es dem Plattformhersteller gelingt, andere Firmen für das Fitnessgerät zu interessieren. Noch ist Quell Limited ein Nobody in der Branche: Zur Firma und ihrem Projekt wurde bislang in erster Linie bekannt, dass – mal wieder – der chinesische IT-Riese Tencent die Anschubfinanzierung gab, 10 Millionen US-Dollar, und danach weitere 5,6 Millionen von Sun-Mitbegründer Vinod
Khosla und anderen Venture-Kapitalgebern kamen. Dazu gesellen sich ca. 1,5 Millionen US-Dollar, die via Crowdfunding eingenommen wurden. Auf ein paar prominente Fans kann die Webseite playquell.com bereits verweisen: Impact ist ”die perfekte Methode, meine Trainings-Aversion zu überspielen”, findet Twitch-Mitbegründer Kevin Linh.









Seit Microsoft Kinect fallengelassen hat was perfekt war dominiert im Fitnessbereich eindeutig VR ( Meta )Auf der Switch vielleicht noch Ring Fit zu empfehlen