Beichte eines Ex-Rare-Veteranen: Warum die “guten, alten Zeiten“ endgültig vorbei sind

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Rare war einst Premium-Entwickler für Nintendo und entwickelte einige der bekanntesten Spiele für die Mario-Konsolen, darunter Donkey Kong Country, Banjo-Kazooie, Killer Instinct, GoldenEye, Perfect Dark, Conker’s Bad Fur Day, Diddy Kong Racing und Donkey Kong 6.

Doch die goldenen Zeiten sind vorbei: 2002 kaufte Microsoft die Firma endgültig auf, seitdem entwickelt Rare exklusiv für den Konzern aus Redmond. Chris Tilton stieg zu diesem Zeitpunkt aus und gründete zusammen mit drei anderen Microsoft-Abtrünnigen die Starfire Studios, um vorwiegend kleinere Download-Titel zu entwickeln.

In einem Interview mit Eurogamer wurde er auf eine mögliche HD-Neuauflage von Killer Instinct angesprochen, die er jedoch kategorisch ausschloss: “Es ist nur Nostalgie […]. Die rosarot-gefärbten Erinnerungen an Spiele wie Killer Instinct können nicht mit heutigen modernen Großproduktionen mithalten. Ebenso ist es bei GoldenEye und dem ersten Perfect Dark. Die Spiele hat man vor zehn Jahren gespielt, als man eine gute Zeit hatte“ – und die verbindet man natürlich heute noch damit.

“Heutzutage ist es fast so, als müsste man jedes Mal ein neues World of Warcraft auf die Beine stellen”, klagt Tilton über die jetzige Situation in der Spieleindustrie. In diese Falle sei auch Rare gelaufen. “Früher hat ein Spiel 2 Millionen gekostet. Jetzt kostet es 20 bis 30 Millionen in der Entwicklung, und die gleiche Summe nochmal für das Marketing. Es ist ein gewaltiges Risiko. Von den Entwicklungskosten her hat Perfect Dark Zero die vierfache Summe wieder reingeholt. […] Ebenso GoldenEye und Donkey Kong – weil sie einfach günstig realisierbar waren.”

Auch die Team-Größe hat sich drastisch geändert: “Würden wir ein neues Killer Instinct machen – wofür wir allerdings nicht die Rechte besitzen- […] würden etwa sechs, sieben Leute ein Jahr lang daran arbeiten. Heutzutage arbeitet aber nicht mehr ein Designer an zehn Charakteren, sondern jeder Charakter hat einen eigenen Designer.” Das fertige Spiel sei dann zwar garantiert besser, man müsse aber einen hohen Preis zahlen: “Nicht jeder im Team findet seine kreative Erfüllung. Und vielleicht spielt es auch nicht so viel Geld ein. Das ist das Dilemma.“

Tilton bezeichnet die heutige Situation für Spieleentwickler als “Wettrüsten“: “Als die Jungs von Call of Duty ein großartiges Spiel -mit jeder Menge Leuten- entwickelten, haben sie die Latte höher gehängt. Du musst da mithalten können. Es ist wie Wettrüsten – bist du erst mal drin, kommst du nicht mehr raus.“ So ist es auch beim Marketing: “Wenn man weiß, dass man 200 Millionen inverstieren muss, um 400 Millionen zu bekommen, ist das wahrscheinlich besser, als für zehn Spiele 20 Millionen auszugeben und nicht bei allen Gewinn zu machen.“

Dies sind dann auch die Gründe, warum sich Tilton und seine drei Kollegen in die Entwicklung von Independent-Titeln geflüchtet haben. “Kleinere Budgets, kleinere Risiken“, lautet sein Fazit. Starfire Studios haben gerade ihr Debüt-Spiel, den Shooter Fusion: Genesis vorgestellt. Rare entwickelt jetzt für Microsoft Kinect Sports: Season Two.

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captain carot
26. Oktober 2011 8:59

: Ich spiel normalerweise auf Emu mit Filtern. Flimmert zwar immer noch, aber nicht so wie ohne.

Transparenz Kubus
26. Oktober 2011 2:43

Für mich ist Rare nach Kameo gestorben… leider.. 🙁

16 Million Shades of Colour
25. Oktober 2011 16:57

@ Morolas Noch was Praktisches: Klassische Videospiele ueber HD-Fernseher geht gar nicht! Zumindest auf denen, die mir diesbezueglich begegnet sind. Ich empfehle den PC-Flachbildschirm mit emulierten Scanlines und ohne Glaettfilter. Da hast Du einerseits

Morolas
25. Oktober 2011 16:09

@shadesJetzt habe ich dich richtig verstanden.Man sollte solche Spiele auch nicht zum trotz spielen weil früher alles besser war und weinen, sondern weil es heute anders und morgen auch nicht gleich wie heut ist.Ich muss mir mein Museum erst wieder richti

Dr. Mario
25. Oktober 2011 14:40

Oder Super Metroid – noch heute ein vorbildliches Spieldesign.Aber über das Thema lässt sich ja bekanntlich ordentlich streiten – im Forum gibt es dazu gleich mehrere Beiträge…

16 Million Shades of Colour
25. Oktober 2011 14:44

@ Morolas Du taeuschst Dich. Ich stelle keineswegs in Abrede, dass auch olle Kamellen Laune machen koennen. Sie haben fuer mich jedoch wie gesagt einen sehr unangenehmen Beigeschmack. Es ist dann eher ein Laster als Lust. Dass ich Vergangenheitsschwaelger

captain carot
25. Oktober 2011 14:38

F-Zero kann man sich trotz der Grafik auch heute noch ziemlich gut antun. Es gibt einfach bestimmte Klassiker, die sich, selbst wenn sie technisch noch so veraltet sind, einfach immer noch hervorragend spielen. Das ist generell eine sehr geringe, aber klar vorhandene Minderheit.Meist sind es auch genau die Titel, die zur Klassikerverklärung beitragen. Für gewöhnlich werden nämlich immer von allen in etwa die gleichen, zu ihrer Zeit auch schon herausragenden Titel genannt. Etwa ein A Link to the Past oder Secret of Mana, aber eben kein Equinox oder eben ein Super Mario World und Sonic, aber kein Lion King.Selbst die 32/64Bit Ära hat solche Titel. Ocarina of Time ist einer davon.

Morolas
25. Oktober 2011 13:56

@shadesIrgendwie überkommt mich das Gefühl, dass es du mit deiner Aussage ernst meinst. Auch dies ist deine Sache und alles andere als ein Problem.Es gibt Spiele vor allem Übergang von 2D zu 3D (N64/PS1)die kann man im besten Willen nicht mehr Spielen. Al

16 Million Shades of Colour
25. Oktober 2011 13:12

@ Morolas Wenn Du Dich mit ollen Kamellen zufrieden gibst, ist das Deine Sache (bzw. Dein Problem). Ich fuer meinen Teil schaue mir alte Spiele zur Inspiration an. Sobald ich einen solchen Titel jedoch extensiv zu spielen beginne, befaellt mich so ein ung

zockeraNdi
25. Oktober 2011 12:58

Ich halte es auch für Unsinn dass man 30 Millionen in die Produktion eines Spieles stecken müsste ; Es fehlt eher Kreativität als Geld ; Limbo ist ein schönes Beispiel dass man auch mit kleinem Budget etwas wundervolles auf die Beine stellen kann .

Morolas
25. Oktober 2011 12:17

@shadesVersuchs mit Lachen, wenn du dabei Weinen musst umso besser.Die Signatur ist ein Rattenschwanz und für mich ist Nostalgie eine Lösung. Ich habe Killer Instinct vor nicht allzu langer Zeit gespielt (SNES) und es wahr sehr sehr gwöhnungsbedürftig, di

16 Million Shades of Colour
25. Oktober 2011 11:45

[quote=Morolas]””Nostalgie ist keine Lösung””aber immer einen Versuch Wert :o)[/quote]Angesichts der Tatsache, dass das jetzt von einem kommt, der in seiner Signatur [i][b]Alkohol[/b][/i] als die Loesung aller Lebensprobleme anpreist… weiss ich jetzt nicht recht, ob ich lachen oder weinen soll. :-S

Morolas
25. Oktober 2011 10:26

“”Nostalgie ist keine Lösung””aber immer einen Versuch Wert :o)

16 Million Shades of Colour
25. Oktober 2011 7:48

Rare? Fand ich schon zu ihren Glanzzeiten ueberbewertet. Konnte ihren Games nur wenig abgewinnen. Donkey Kong Country war ja noch ganz ordentlich. Goldeneye 64 habe ich ausgeliehen und konnte mich nicht einmal durchringen, es durchzuspielen. Der Rest… naja… West-Kost eben, wenn auch immer noch auf vergleichsweise hohem Niveau. Meiner Ansicht nach war es vor allem der zunaechst abnehmende und dann, nach dem Bruch, fehlende Support durch Nintendo, der Rares qualitativen Abstieg begruendete. [quote]“”Nostalgie ist keine Lösung””[/quote]Hmmm… der Slogan kommt mir doch irgendwie bekannt vor… X)

Thrawn
24. Oktober 2011 21:13

[quote]Früher hat ein Spiel 2 Millionen gekostet. Jetzt kostet es 20 bis 30 Millionen in der Entwicklung, und die gleiche Summe nochmal für das Marketing.[/quote]Und zu der Zeit dieses “”früher””s haben die Leute gejammert, dass “”früher”” für eine Spieleprogrammierung nur zwei Leute nötig waren und es “”jetzt”” 2 Millionen kostet…Ich persönlich halte aufgrund des genannten Faktors “”Mensch”” überhaupt nichts davon, mir über den Namen der Firma die Qualität von einem Spiel herleiten zu wollen. 🙂

24. Oktober 2011 19:32

OMG……der Drache ist auf Droge 😉

Equipo
24. Oktober 2011 18:20

Natürlich hat Rare nicht mehr die kreativen Köpfe von früher. Ich wär auch gegangen, wenn Microsoft mir vorschreiben würde, solche Spiele zuentwickeln.

Max Snake
24. Oktober 2011 17:09

Was man für eine Teaser Trailer von Killer Instict 3 sehe, ist das mehr ein Wunsch von den Fans und nicht umgekehrt. Der Ex – Mitarbeiter von Rare kann ich verstehen und die Fans müssen leider damit leben. Ich werde meine Rare Fan – Flagge nicht zerreißen, sondern in die Schublade lagern und die Spiele in Erinnerung bleiben und wenn ich ein Kinect hätte, dann kaufe ich die Sport Season von Rare.

Lofwyr
24. Oktober 2011 16:26

Außerdem bietet Nintendo einen Wartungsservice für Module an. Mit reinigen, Batterie wechseln und so.

captain carot
24. Oktober 2011 16:18

: Bei N64 Modulen ist eher eine Art EPROM drin. Also keine Sorge.

Walldorf
24. Oktober 2011 15:25

Microsoft hat damals nur eine leere Hülle gekauft, Nintendo freut sich wahrscheinlich noch heute über die 500 Millionen Dollar, die sie für ihre Anteile bekommen haben. ;-)Man kann auch noch mit vergleichsweise kleinen Budgets erfolgreiche Spiele auf die Beine stellen, ich erinner nur an den Überraschungshit Batman: Arkham Asylum. An Uncharted 3 haben auch bloß 90 Leute gearbeitet und nicht 500 wie bei Assassins Creed oder Call of Duty.Außerdem hätte Microsoft doch genug Geld, um ein aufwändiges Rare Spiel zu finanzieren. Rare hat einfach nicht mehr die talentierten Köpfe, die sich auf dem N64 ein Denkmal gesetzt haben. Das weigt viel schwerer als die finanziellen Probleme.Hätte Microsoft noch Vertrauen in das Team in absehbarer Zeit einen AAA Titel zu entwickeln, würde man sich auch über die Finanzen schnell einig werden, schließlich gehört Rare Microsoft und wird nie wieder für andere Konsolen entwickeln.

Beeberman
24. Oktober 2011 14:56

Ich geb dem Mann zu 100% recht.Deswegen verläuft sich die Spieleindustrie auch immer mehr.Mir ist es lieber ein Designer macht 10 Charaktere und dann kommen die alle aus der Feder der gleichen Seele.Kaufe auch echt nur wenige Titel wie Assassins Creed, CoD usw…Ich zocke auch liebend gerne kleinere Produktionen 🙂

dmhvader
24. Oktober 2011 14:28

Ich hab Goldeneye noch im Schrank stehen – auf dem Modul hab ich damals alles freigespielt! War ich stolz, als ich den letzten Level auf dem härtesten Schwierigkeitsgrad endlich gemeistert hab!Äh, wie lange hält eigentlich der Speicher auf so einem Modul? Ist da eine Batterie drin?

Christian xy
24. Oktober 2011 14:03

@ DoctoroDoomlies doch bitte nochmal meinen ersten Absatz und nicht nur die erste Zeile ;)deine genannten Spiele sind natürlich spitze und waren wegweisend, besonders Goldeneye hat es mir damals sehr angetan.

DoctoroDoom
24. Oktober 2011 13:49

@Christian xy””Rare hat noch nie ein gutes Spiel entwickelt.””kannst du nicht lesen? die haben donkey kong country, goldeneye und perfect dark gemacht.ich weiß ja nicht was du als gute spiele bezeichnest, für mich waren es zur damaligen zeit top games.

captain carot
24. Oktober 2011 13:31

Früher war alles anders. Ob es beser war hängt vom Auge des Betrachters ab. Im Spielebusiness war jedenfalls vieles einfacher.

Christian xy
24. Oktober 2011 13:19

Rare hat noch nie ein gutes Spiel entwickelt.Das waren immer Menschen, irgendwelche schlauen Köpchen.Diese Menschen gibt es heute wahrscheinlich immer noch, nur arbeiten Sie heute in anderen Firmen oder machen etwas ganz anderes.Es gehört auch einfach Glück dazu, dass in einem Entwicklerteam die richtigen Leute zur richtigen Zeit zusammen kommen. So wie damals…Rare ist heute nicht mehr das was es mal war, und das liegt an den Menschen die dort arbeiten.Dieser Umbruch war schon zu Nintendozeiten zu spüren, kennt Ihr noch Starfox Adventures? Das letzte Game von Rare auf einer Nintendokonsole, welches schon qualitativ weit hinter den damaligen Erwartungen zurück blieb.

24. Oktober 2011 12:53

Naja ich weiss wirklich nicht was ich von dieser Aussage halten soll. Gerade im Fall Killer Instinct gibt es ne riesige Nachfrage und eine HD Neuauflage , oder einfach nur eine Portierung des Arcade Originals kann so teuer nicht sein.Den so erzielten Gewinn könnte man in die Entwicklung eines neuen KI stecken.Meine Güte ich würde mir sogar extra dafür ne 360 holen wenn es rauskäme…

24. Oktober 2011 12:45

Jaja, früher war doch alles besser. Und dass Rare mit Goldenei Gewinn gemacht hat, ist doch keine Frage… habe damals 160 DM für das Modul gezahlt, aber es war es auch wert! 🙂