Nolan Bushnell, der mit der Gründung von Atari der Videospiel-Industrie den Weg ebnete, plauderte unlängst in einem Interview mit Eurogamer aus dem Nähkästchen. Der für seine Geschäftspolitik durchaus umstrittene Videospiel-Veteran (Ataris erstes Spiel PONG “klaute” er sich bekanntermaßen von Ralph H. Baer und Magnavox) zeigte auch jetzt, aus welchem Holz er geschnitzt ist – mit markigen Worten:
“Das beste Spiel, das ich je bei Atari gespielt habe, war das Spiel, meine Konkurrenten aus dem Geschäft zu drängen. Ich erwies mich als ziemlich gut darin, behauptet Bushnell. Schon dies ist eine streitbare These, die aber zumindest für die Anfangszeit von Atari seine Gültigkeit hat.
Diese Zeiten ließ er dann auch Revue passieren, angefangen mit PONG: “Die gute Nachricht war, dass jeder in seiner Garage ein Pong-Spiel entwickeln konnte – denn das ist alles, was ich hatte. Erst später merkte er, dass auch andere auf den Gedanken kamen – viele andere. Der vermeintliche Vorteil verwandelte sich in einen Nachteil: “Wie sie wissen, hat Atari nicht die meisten Pong-Spiele verkauft. Wir wurden oft kopiert.” In der Tat.
Weiteres Problem: Potentielle Geldgeber trauten der noch jungen Industrie noch nicht über den Weg: “Wir waren immer unterkapitalisiert, weil niemand an Videospiele glaubte. Wussten Sie schon, dass wir bereits 40 Millionen Umsatz machten, bevor wir überhaupt Wagniskapital bekamen? Es war verrückt.”
An der moderne Spiele-Industrie ist Bushnell übrigens nicht wirklich interessiert, erklärte er, wenngleich er natürlich schon einige Ideen hätte: “Wenn ich heute wieder in dieser Industrie tätig wäre, würde ich mich strikt auf Augmented Reality konzentrieren”, erklärte er. Vor allem den mobilen Bereich hätte er da im Sinn, doch auch der Spielhalle würde er die Treue halten: “Ich würde gerne einen neuen Automaten entwerfen, bekannte er.
Bushnell verkaufte Atari bereits 1976 und verließ die Firma drei Jahre später – danach gründete er mehr als 20 (!) verschiedene Unternehmungen, unter anderem die Pizza-Fastfoodkette Chuck E. Cheese’s Pizza. Außerdem entwickelte er Roboter und war sogar an der Entwicklung der ersten Navigationsysteme beteiligt. Zu seiner Firma Catalyst Technologies gehörte auch Etak, die bereits 1984 begannen, die Welt zu digitalisieren: Kennen sie das Innenleben von TomTom? Viele Leute wissen nicht, dass ich etwas mit dessen Design zu tun hatte. 2010 holte Atari Bushnell übrigens zurück in seine ehemalige Firma: als Berater des Aufsichtsrates.
Seine weiteren Ideen, wie beispielsweise die einer Zungen-gesteuerten Tastatur, damit er während der Autofahrt SMS tippen kann, sind im Eurogamer-Interview nachzulesen. Sein neuestes Projekt heißt Brainrush und ist ein gutes Beispiel für Gamification: Lernsoftware basierend auf der Technologie von Videospielen. Mehr zu Bushnells Zeit bei Atari erfahrt Ihr hier.








