Um den eigentlich ziemlich harmlosen virtuellen Strandurlaub entwickelte sich eine künstliche Kontroverse: Anders als seine Vorgänger bleibt Xtreme 3 nach Lage der Dinge tatsächlich Asien-exklusiv eine konkrete Begründung hat Koei-Tecmo nie dafür gegeben. Dank der inoffiziellen Aussage eines Community-Betreuers wird aber gemunkelt, dass die Furcht vor negativen Reaktionen zum recht eindimensionalen Lustobjekt-Frauenbild der Anlass ist, was sich zugegeben im Fall der sehr kindlich wirkenden Marie Rose nicht gänzlich von der Hand weisen ließe. Trotzdem darf man den Machern auch eine gewisse Scheinheiligkeit vorwerfen: Zum einen sorgen wesentlich drastischer sexualisierte und im Westen frei erhältliche Spiele wie Senran Kagura nicht für Revolten. Zum anderen hat man keinerlei Skrupel, für die Beatem-Ups aus der Mutterserie zahllose DLC-Outfits anzubieten, die teils auch nicht mehr Textilien beinhalten als die typische Xtreme-Strandbekleidung. Und schließlich bekam die (hier getestete) Fassung für den asiatischen Markt außerhalb Japans eine englische Text-Lokalisation verpasst, die den Titel prompt importfreundlich macht ein Schelm, wer Böses dabei denkt…
Aber genug dazu: Dead or Alive Xtreme 3 Fortune erscheint gut neun Jahre nach Teil 2 und ist neben der moderneren Technik in ein paar Aspekten zwar ein kleiner Fortschritt geworden, macht in noch mehr anderen aber sogar einen größeren Sprung zurück.
Erneut verschlägt es einen Teil der weiblichen Dead or Alive-Kämpferriege für 14 Tage auf ein tropisches Inselparadies, wo sie sich bei Traumwetter dem süßen Müßiggang hingeben. Anders als noch 2007 sind die Chancen aber groß, dass Ihr persönliche Favoriten vermisst: Damals durften alle neun Damen mit, diesmal sind es ebenso viele nur hat Dead or Alive inzwischen eine Riege von 21 Teilnehmerinnen (wenn man Gaststars und Klone mitzählt). Wer dabei sein darf, wurde durch eine Spielerumfrage in Japan entschieden, womit sich der Schwerpunkt erklärt: Außer Fast-Lolita Marie Rose (die sich mit ihrer Mini-Körbchengröße grundsätzlich von der restlichen Silikon-Riege abhebt) und Helena urlauben mit Hitomi, Kasumi, Ayane, Honoka, Kokoro, Momiji und Nyotengu vor allem fernost-kompatiblere Grazien, während die meisten eher westlichen Charaktere wie Tina, Lisa und Christie das Nachsehen haben.
Inhaltlich wurde kräftig gestrafft und recycelt: Die bei Teil 2 neu eingeführten Jetski-Rennen hat Team Ninja ebenso entfernt wie die Wasserrutsche, als Ersatz gibt es nun das Erklimmen einer Felswand. Das entpuppt sich als (für Xtreme-Verhältnisse) beinahe anspruchsvoll, ist es doch eine längere Quick-Time-Event-Sequenz, bei der Ihr auftauchende Knopfsymbole nachdrückt. Dazu gesellen sich wie gehabt die Strandvolleyball-Partien, jedoch nur noch auf zwei statt vormals vier Platzvarianten, und kurze Sprintduelle. Am Pool findet sich das übliche Minispiel-Trio (Kissenhüpfen, Tauziehen, Po-Duell), abends wartet das Casino mit Roulette, Blackjack und Poker (die Slotmaschinen wurden verschrottet). Mit allen Tätigkeiten steigert Ihr die Stimmung Eurer Schönheit und verdient Geld, um Geschenke zwecks Beziehungspflege zu kaufen: Nur wenn Euch ein Mädel gern hat, nimmt es knappere Badeanzüge in Empfang. Der soziale Aspekt wurde bei Xtreme 3 verbessert, was keine große Kunst ist: Stocherte man bisher fast komplett im Nebel, was Vorlieben und Abneigungen anging, kann man sich diese nun durch Hinweise u.a. in den Kaufmenüs etwas besser erschließen.
Neu dazu gekommen ist zudem der jederzeit nahtlos wählbare Besitzer-Modus bei dem Ihr als Herr der Insel agiert und besondere Geschenke verteilt oder den Mädels passiv bei den sportlichen Aktivitäten zuschauen könnt. Hier und im normalen Girl-Modus tauchen laufend neue Mini-Missionen nach Art von Spiele einmal Disziplin X oder Kaufe Gegenstand Y. Das steigert die Laune der Urlauberin und lässt Euren Erfahrungswert steigen, was wiederum neue neckische Waren oder zum Beispiel die freie Nutzung des Fotomodus außerhalb des Urlaubs eröffnet.
Denn klar ist einmal mehr: Xtreme 3 ist primär darauf ausgelegt, wohlproportionierten und kaum verhüllten Frauenkörpern beim Räkeln, Strecken und Posieren zuzusehen der Rest dient als Mittel zum Zweck. Dabei macht sich die modernere Technik durchaus positiv bemerkbar, die u.a. beim Bikiniwechsel entstandene Bräunungsstreifen sauber wiedergibt und vor allem die Brustwackelei wieder auf ein halbwegs realistisches Maß reduziert. Ärgerlich dagegen: Vor allem lange Haare clippen immer noch durch Umgebung und Gliedmaßen und viele der kurzen Gravur-Schausequenzen wurden fast identisch von früheren Teilen übernommen. Schade, dass hier so wenig Mühe investiert wurde, aber das gilt für das ganze Projekt: Dead or Alive Xtreme 3 hätte durchaus das Potenzial, mehr zu sein als eine leichtgewichtige, durchwachsene Urlaubssimulation mit harmlosem Voyeurismus-Aspekt schafft das aber weniger als je zuvor.
Ulrich Steppberger meint: Keine Frage: Wer auf Oberweiten steht und den traditionellen Puppenlook von Dead or Alive verkraftet, kriegt bei Xtreme 3 viel Schauwert geboten, wenn auch die PS4 technisch keineswegs ausgereizt wird. Reicht Euch das in Kombination mit schlichten Minispielen und bringt Ihr zudem die Geduld mit, letztere u.a. für die zum langfristigen Erfolg notwendige Kapitalbeschaffung (sehr) oft zu wiederholen, bekommt Ihr ein solide präsentiertes, interaktives Produkt. Aber misst man den Strandausflug mit traditionelleren Spiele-Maßstäben, ist er eine Enttäuschung und zugleich erstaunlich lieblos: weniger Inhalte als bei Teil 2 und viele davon einfach übernommen, sowie kaum aktive Verbesserungen, sieht man von der nicht mehr ganz so kryptischen Beziehungspflege ab? Das ist für die lange Wartezeit einfach viel zu wenig.
- nur 9 der 21 DoA-Mädels dabei
- ein neues Minispiel (Klettern), dafür keine Jetsksi und Wasserrutsche mehr
- Beziehungspflege dank Hinweisen etwas weniger undurchsichtig
Seicht-simple Strandurlaubs-Simulation zum (Ent-)Spannen: spielerisch noch magerer als der Vorgänger, aber dafür mit viel Oberweiten.
| Singleplayer |  | 42 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |